Mit kostenloser Weiterbildung das Ehrenamt stärken

Sie wollen mit kostenlosen Weiterbildungen den Handwerker-Nachwuchs zur verstärkten Übernahme von handwerklichen Ehrenämtern motivieren: Kai Leonhardt, Christian Neuenfeldt, Rudi Müller, Dirk Kleist und Olaf Fackler. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Der Blick in die Gesellschaft zeigt: Jeder Dritte engagiert sich über ein Ehrenamt. Aber: immer mehr freiwillige Helfer fühlen sich durch die zunehmende Professionalisierung der Tätigkeit überfordert. Dem will die Handwerkskammer Trier (HwK) nun aktiv begegnen und hat ihre Akademie in enger Zusammenarbeit mit den Kreishandwerkerschaften auch für die Bedürfnisse des Ehrenamts im Handwerk geöffnet. Mit kostenlosen Angeboten für diese Klientel. Womit man sich als Trendsetter hervortut: Im gesamten Bundegebiet gibt es nur sechs bis acht Handwerkskammern, die ihren ehrenamtlich Tätigen ein solches Angebot unterbreiten, weiß Akademieleiter Christian Neuenfeldt nicht ohne Stolz.

Für Kammerpräsident Rudi Müller ist ein solches Angebot die logische Folge, denn “ohne unsere Ehrenamtsträger würden weder die Handwerksorganisationen noch das Prüfungswesen funktionieren.” Und diese Bereitschaft zum Ehrenamt müsse auch Wertschätzung und Anerkennung erfahren. Der Schreinermeister und langjährige Präsident der Handwerkskammer Trier – was übrigens ebenfalls ein Ehrenamt ist – weiß sehr genau um die Zeit, die Handwerker für ihre Zunft aufbringen: “Mehr als 8.000 Arbeitsstunden im Jahr sind es alleine bei der HwK: Die zehn Vorstandsmitglieder kommen auf rund 450 Stunden, weitere 300 Stunden erbringen die 27 Vollversammlungsmitglieder. Das Gros mit etwa 7500 Stunden aber stemmen die 125 Mitglieder in den Meisterprüfungsausschüssen.”

Das regionale Handwerk erbringt jährlich 43.600 ehrenamtliche Arbeitsstunden

Olaf Fackler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg, kann diese Zahl noch leicht toppen: Seiner Rechnung zufolge werden in den Kreishandwerkerschaften Trier-Saarbung und Mosel-Eifel-Hunsrück (MEHR)  in allen Bereichen jährlich 35.000  Arbeitsstunden ehrenamtlich erbracht. Rechnet man das Stundenvolumen der HwK dazu, summiert sich das auf 43.600 Arbeitsstunden jährlich. Was umgerechnet dem Arbeitsvolumen von 25 Vollzeitstellen entspreche, so Fackler.

Der Blick hinter die Zahlen gibt Klarheit, wer sich da engagiert: Angefangen bei den Obermeistern und deren Stellvertretern gibt es in den Innungen noch die Lehrlings- und Kassenwarte. Weiter geht es mit den Prüfungsausschüssen, die Gesellen-, Abschluss-, Fortbildungen und Meisterprüfungen betreuen und prüfen. Dazu kommt das Forum Junges Handwerk, die Unternehmerfrauen mit ihren Aktivitäten und die Kreishandwerkerschaften.

“Wer im Ehrenamt erfolgreich ist, hat auch ein gutes Standing beim Kunden”

Dass es mit der Ehrenamtsakademie um mehr als bloße Anerkennung geht, stellt Dirk Kleist, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MEHR, heraus. Er weiß, dass es auch im Handwerk zunehmend schwerer fällt, junge Menschen für eine ehrenamtliche Führungsfunktion zu begeistern. In dem neuen Schulungsangebot sieht er eine klare Chance: “Es ist wichtig, dass die Ehrenamtler das richtige Rüstzeug für ihre Aufgaben bekommen. Denn wer im Ehrenamt erfolgreich ist, hat auch ein gutes Standing beim Kunden.”

Das Themenangebot veranschaulicht der Trierer Fleischermeister Kai Leonhardt, für den das Ehrenamt ebenfalls kein Fremdwort ist. Als stellvertretender Kreishandwerksmeister und Vorsitzender des Vereins Forum junges Handwerk Trier investiert auch er ein gerüttelt Maß seiner Zeit in die Anliegen seines Berufes: “Von Themen wie Zeitmanagement, Rhetorik oder aber auch Social Media können Ehrenamtliche sowohl im Privat- wie auch Berufsleben profitieren.”

Akademieleiter Christian Neuenfeldt unterstreicht, dass die Weiterbildung nur die eine Seite der Medaille ist. Die andere sieht er in der Vernetzung, der er eine nicht minder wichtige Rolle beimisst. Dieser Part werde durch Veranstaltungen eher gesellschaftlicher Natur, wie beispielsweise die gemeinsame Fahrt zu einem Bundesliga-Fußballspiel, bedient.

Fleischermeister Kai Leonhardt schätzt natürlich auch den gesellschaftlichen Aspekt. Doch er verliert sein Ziel damit nicht aus dem Fokus: “Wer sich ehrenamtlich engagiert, trägt zum Erhalt des Berufsbildes und somit der damit verbundenen Kulturlandschaft bei und verhindert das Aussterben von handwerklichen Berufen und Traditionen. Denn ohne Ehrenamt gibt es keine Prüfungen mehr und damit auch keinen Nachwuchs, der die Tradition des Handwerks fortführt.” (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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