Mit Stress zum Sieg

Die Forschungs-Vielfalt der Uni Trier spiegelt sich auch in den Publikationspreisträgern wieder: Jort Blazejewski, Karlis Kukemilks, Andranik Stepanyan, Julia Wagner, Maximilian A. Friehs und Alexander Quack. (v.l.)

TRIER. Der Psychologie-Promovend Maximilian A. Friehs hat mit seinem Sieben-Minuten-Vortrag den Präsentationspreis der Universität Trier gewonnen. Außerdem wurden sechs Promovierende für ihre Publikationen ausgezeichnet.

Wenn das Schild “Noch eine Minute” in die Höhe gestreckt wird und daraufhin der Redner immer schneller spricht, dann wird an der Universität Trier wieder der Publikationspreis vergeben. Zum achten Mal haben sich sechs zuvor von einer Fach-Jury ausgewählte Promovierende aller Fachbereiche der Herausforderung gestellt, ihre Forschungsergebnisse in sieben Minuten zu präsentieren. Alle sechs gehören zu den besten Nachwuchswissenschaftlern der Universität Trier und wurden am selben Abend zugleich für das Verfassen herausragender wissenschaftlicher Aufsätze ausgezeichnet. Doch wer in der zweiten wissenschaftlichen Disziplin, dem Präsentieren, überzeugt, und damit den mit 500-Euro-dotierten Präsentationspreis erhält, entschied das Publikum im gut besuchten Hörsaal.

Der Psychologie-Promovend Maximilian A. Friehs machte den Zuhörern gleich zu Beginn seines Vortrags ordentlich Stress, indem er sie aufforderte, an einem Experiment teilzunehmen. Er zeigte ihnen eine Animation, bei der eine Figur durch einen Wald läuft und eine Fee die Richtung weist. Das Publikum musste vor jeder Weggabelung einmal klopfen – jedoch nicht, wenn ein Piep-Ton erklang.

Eine ähnliche Aufgabe hatten vorher Versuchspersonen in einem Experiment bewältigen müssen. Ein Teil der Versuchspersonen war dabei mit Elektroden stimuliert worden. “Aber nicht wie bei Frankenstein”, scherzte Stressforscher Friehs. Doch warum das Ganze? Er und seine Kollegen wollten damit herausfinden, ob die Stimulation durch Strom einen Einfluss auf das Zurückhalten der Handlung, also das Klopfen hat. “In der Tat konnten wir feststellen, dass die mit Strom stimulierten Personen 16 Millisekunden schneller darin waren, ihre bereits eingeleitete Handlung zurückzuhalten. Das scheint nicht viel, doch ist durchaus relevant.”

Auch für den Alltag haben zurückgehaltene Handlungen eine Bedeutung: “Wenn in Trier mal wieder zweireihig geparkt wird und plötzlich ein Kind auf die Straße rennt, will man – so möchte man meinen – als Autofahrer ja möglichst schnell abbremsen.” Wie genau sich die Forschungsergebnisse in die Praxis übertragen lassen, müssen weitere Studien zeigen.

Mit dieser anschaulichen Präsentation schaffte es Friehs, seine Zuhörer zu überzeugen. Doch auch seine Mitbewerber aus den anderen Fachbereichen waren stark aufgestellt und erhielten ebenfalls viel Beifall. Der Historiker Jort Blazejewski sprach über die Rolle der eigens gegründeten Kongresspolizei bei den Friedensverhandlungen im badischen Rastatt von 1797 bis 1799 und kam für diplomatisch herausfordernde Zusammentreffen zu der Erkenntnis: “Man muss sich freuen, wenn der ein oder andere Diplomat Küsschen verteilt.”

Der Germanist Alexander Quack schloss seinen Vortrag über die Verwendung und Wirksamkeit fester, wiederkehrender Formulierungen in der Sprache der Nationalsozialisten mit einem Zitat des Schriftstellers Viktor Klemperer: “Worte können wie winzige Arsendosen sein: Sie werden unbemerkt verschluckt; sie scheinen keine Wirkung zu tun – und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.”

Die Rechtswissenschaftlerin Julia Wagner lud das Publikum zu einer Reise auf die Insel ein. Sie sprach über den völkerrechtlichen Streit zwischen Mauritius und Großbritannien um das Chagos-Archipel im Indischen Ozean. In eine andere Region der Welt, nämlich nach Lettland, nahm der Geologe Karlis Kukemilks die Zuhörer mit. Dort gibt es bei der mittelalterlichen Burg in Turaida ein Problem, das in ähnlicher Form auch von der Mosel bekannt ist: die Hangrutsche. Sein Vortrag zeigte Möglichkeiten der Berechnung und Modellierung von Zusammenhängen und Gefahren der Wassersättigung des Bodens und Hangrutschen. Der Wirtschaftswissenschaftler Andranik Stepanyan erklärte, wie man die regionale Konzentration verschiedener Wirtschaftszweige genauer klassifizieren kann und warum sich beispielsweise Call-Center lieber in Städten ansiedeln als auf dem Land.

Die Qual der Wahl hatte dann das Publikum, das für bis zu zwei Vortragende abstimmen konnte. Der Auftritt der Jazzband des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums während der Stimmauszählung begleitete das Publikum wie auch in den vergangenen Jahren schwungvoll zum Höhepunkt der Veranstaltung, als Präsident Michael Jäckel dann Maximilian A. Friehs als Sieger verkündete.

Wie schwierig die Auswahl der sechs Publikationspreisträger bei der Vielzahl herausragender wissenschaftlicher Publikationen war, berichtete Franz Dorn, Vorstand des Graduiertenzentrums Universität Trier (GUT), das die Veranstaltung ausrichtete. Gleichzeitig bedankte er sich bei den Sponsoren des Preisgeldes: dem Freundeskreis Trierer Universität und Präsident Jäckel. Letzterer freute sich mitteilen zu können, dass durch die Forschungsinitiative des Landes Rheinland-Pfalz neue Gelder für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zur Verfügung stehen. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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