Mittler zwischen Rathaus und Öffentlichkeit

Hans-Günther Lanfer: Immer hochkonzentriert und ein aufmerksamer Zuhörer. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. 30 Jahre war Hans-Günther Lanfer, Leiter des Amtes für Presse und Kommunikation, die Stimme der Stadt Trier. Altersbedingt scheidet der gelernte Journalist und promovierte Politologe in diesem Jahr aus und übergibt das Amt an seinen bisherigen Stellvertreter Ralf Frühauf. Anlass genug für den reporter zu einem Blick auf den Menschen Hans-Günther Lanfer. Dazu haben wir mit einigen seiner Weggefährten gesprochen.

Von Rolf Lorig und Eric Thielen

Die Oberbürgermeister

Im Laufe seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für die Stadt Trier hat Hans-Günther Lanfer vier Oberbürgermeistern zugearbeitet. Wobei der 2014 verstorbene und kulturell außerordentlich interessierte Felix Zimmermann vermutlich der Mann war, der den persönlichen Neigungen Lanfers am meisten entsprochen hat. Denn der Pressereferent der Stadt Tier hatte in seiner Münchener Studienzeit neben den Fächern Politische Wissenschaften und Neuere Geschichte auch Musikwissenschaft belegt. Was für den musikinteressierten jungen Mann gleich ein doppelter Gewinn war, lernte er an der Hochschule doch auch seine spätere Frau Claudia kennen.

Schwierige Zeiten: Pressekonferenz mit dem ehemaligen Kuturdezernenten Thomas Egger und OB Wolfram Leibe.

Mit Felix Zimmermann, der Lanfer 1986 einstellte und ihm die Leitung des damaligen Pressereferates übertrug, teilte Lanfer die Liebe zum kuturell Schönen. Über das damalige Stadtoberhaupt schrieb Roland Morgen, Redakteur des Trierischen Volksfreunds, einmal: ‟Die Idealbesetzung für ein Stadtoberhaupt in den 1980ern, als die 2000-Jahr-Feier Trier international in den Blickpunkt rückte. Keine Casting-Show hätte einen geeigneteren Repräsentanten hervorbringen können als ihn, den kunstsinnigen Schöngeist von barocker Statur und weltmännischem Habitus.” Lanfer selbst sieht das ähnlich. In einem augenzwinkernden Vorwort zu Zimmermanns Trierer Memoiren ‟Ein OB tischt auf‟ schrieb er:  ‟Ideale Oberbürgermeister sind kommunale ‘Wahlkönige auf Zeit’. Sie müssen Ideen haben, gestalten, moderieren, motivieren und repräsentieren können. Man kann Zimmermann im Rückblick bescheinigen, diesem Idealtypus ziemlich nahe gekommen zu sein.”

Als Felix Zimmermann 1989 nach Köln ging und dort die Stelle als Hauptgeschäftsführer des Verbandes Kommunaler Unternehmungen annahm, folgte ihm sein langjähriger Wirtschaftsdezernent Helmut Schröer im Amt des Oberbürgermeisters nach. Was nicht nur für Lanfer eine Umstellung bedeutete. Denn unterschiedlicher als Zimmermann und Schröer hätten zwei Menschen nicht sein können. Was sich nicht nur auf die Äußerlichkeiten bezog. Denn anders als der Hüne Zimmermann war der eher zierliche Helmut Schröer weniger an den schönen Künsten denn an Pragmatismus interessiert. Wenn man mit Zimmermanns Amtszeit die Begriffe Ruhe und Gelassenheit verbunden hatte, dann war in den nun folgenden 18 Jahren ein Wirbelwind im Rathaus unterwegs.

Vom Wesen her auch völlig unterschiedlich waren Lanfer und Schröer. Konnte diese Zusammenarbeit funktionieren? Gegenüber dem reporter erinnert sich Helmut Schröer: ‟Auf Dr. Lanfer konnte man sich verlassen. Ein Oberbürgermeister ist nur so gut wie seine Mitarbeiter. Das gilt erst recht für die Mitarbeiter, die als Stab in seinem Büro fast täglich die Arbeit des Oberbürgermeisters begleiten. Dr. Lanfer war ein engagierter, ja leidenschaftlicher Journalist, der bei seiner Arbeit im Rathaus auch immer einen hohen Anspruch an seine journalistische Arbeit stellte. Der nach meiner Einschätzung bei seinen Mitarbeitern, aber auch im Rathaus insgesamt eine hohe Anerkennung genoss.”

Die Städtepartnerschaft mit Weimar war Anlass für einen Festakt im Theater Trier. Hier erinnern sich die Trierer Oberbürgermeister Felix Zimmermann (2. von rechts) und Helmut Schröer (2. von links) im Gespräch mit Dr. Lanfer.

Wer Helmut Schröer kennt weiß, dass mit lobenden Worten auch der typische Schröersche Humor einhergeht: ‟ Natürlich war er nicht in allen Fragen bewandert. Seine Kenntnisse für Fragen des Sports war nicht so gut entwickelt: Da gab es manche ironische Anmerkung in der Diskussion. Dafür war er in Fragen der Kultur, insbesondere der Musik, nicht zu schlagen.”

Das Jahr 2007 bescherte Hans-Günther Lanfer seinen dritten Dienstherren. Helmut Schröer war altersbedingt in den Ruhestand getreten, und bei der Urwahl hatte sich der Sozialdemokrat Klaus Jensen klar gegen seinen damaligen Mitbewerber durchgesetzt. Für Jensen war Lanfer in seiner Funktion als Pressesprecher und Amtsleiter erste Wahl: ‟Während meiner achtjährigen Amtszeit hat Dr. Lanfer sich durch ein hohes Maß an Professionalität, kritischer Solidarität und großem Einfühlungsvermögen ausgezeichnet‟, sagt er gegenüber dem reporter. ‟Ich habe ihn in ausgesprochen positiver Erinnerung. Über die tägliche Pressearbeit hinaus hat er anspruchsvolle Reden verfasst und war mir besonders in Krisenzeiten ein hervorragender Ratgeber. Gerne erinnere ich mich an seine umfassende Bildung, die es ihm möglich gemacht hat, Sachverhalte in größere Zusammenhänge zu setzen. Gespräche über den Tellerrand der Kommunalpolitik hinaus waren immer ein Gewinn. Unabhängig von seiner Funktion habe ich ihn als Menschen mit hohen Wertmaßstäben sehr geschätzt.”

2005 mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem früheren Oberbürgermeister Helmut Schröer.

Leidenschaft Richard Wagner

Auch Wolfram Leibe, seit 2015 als Oberbürgermeister der Stadt Trier im Amt, weiß, was er bislang an Hans-Günther Lanfer hat: ‟Für mich ist Dr. Lanfer auch ein Synonym für absolute Zuverlässigkeit, Integrität, Loyalität, Professionalität und Verschwiegenheit.” Und fügt mit breiten Lächeln an: ‟Letzteres gibt es wirklich bei einem Pressemann.” Leibe schätzt Lanfers gewissenhafte, korrekte und taktvollen Charakterzüge. Und nicht zuletzt “seinen trockenen Humor, der oft auch durchaus ernsten Themen eine heitere Seite abgewinnen konnte, je nach Anlass und Tagesform konnte das auch mal leicht sarkastisch sein”.

Zum Schluss knüpft der OB an eine Aussage von Helmut Schröer an: ‟Und da wäre auch noch seine musische Ader. Als bekennender Wagnerianer hatte Dr. Lanfer bestimmt nicht immer einen leichten Stand. Ich habe die Momente, in denen wir uns über aktuelle Opern-Aufführungen oder Konzerte austauschen konnten, immer sehr genossen und seine profunden Kenntnisse schätzen gelernt.”

Dedr Mann im Hintergrund: Juli 2015 bei der Vergabe des Nell-Breuning Preises der Stadt Trier an Heiner Geißler.

Ja, Wagner. Es ist eine der ganz großen Leidenschaften von Hans-Günther Lanfer. Die Liebe zu den monumentalen Werken des großen Komponisten. Wahre Wagnerianer pilgern nicht nur nach Bayreuth, sie sind in den Konzertsälen der ganzen Welt unterwegs, wenn dort Richard Wagner auf dem Spielplan steht. Bei Hans-Günther Lanfer ging die Liebe noch ein gutes Stück weiter. Zusammen mit Hans Wintrath gründete er 1985 den “Richard Wagner Freundeskreis Trier”. Zwei Jahre später konstituierte sich der ‟Richard Wagner Verband Trier“, der dann am 13. Oktober 1988 in Anwesenheit des Ehepaars Wolfgang und Gudrun Wagner bei einem Festakt im Theater Trier offiziell aus der Taufe gehoben.

Der Trierer Arzt Dr. Heinz Asshoff, er war von Beginn an der Vorsitzende des Vereins und Hans-Günther Lanfer bis 1998 sein Stellvertreter,  erinnert sich: ‟Bei den Vorbereitungen wurden wir von Rudolf Gall, dem damaligen kaufmännischen Leiter des Theater Trier, geradezu schulmeisterlich unterwiesen, was bei dem Festakt erlaubt und was nicht erlaubt war. Danach aber wurde es richtig spannend, als wir auf den Petrisberg fuhren, wo Wolfgang Wagner und seine Frau im dortigen Hotel bei der Familie Pantenburg untergebracht waren. Da haben unsere Herzen schon kräftig gepocht‟, schmunzelt er rückblickend.

Das war vermutlich auch 1998 der Fall, als der Richard Wagner-Kongress in Trier mit 800 Teilnehmern aus der ganzen Welt ausgerichtet wurde − erneut in Anwesenheit des Richard-Wagner-Enkels Wolfgang. ‟Wir hatten ein 15- bis 20-köpfiges Organisationsteam, das jedes Detail minutiös plante. Es war eine enorme Herausforderung. Die Leitung dieses Teams hatte Hans-Günther Lanfer, der seiner Aufgabe hervorragend gerecht wurde.” Doch nicht nur daran denkt Asshoff gerne zurück: ‟Persönlich konnte ich von Hans-Günther Lanfer sehr viel lernen; besonders, wie man einen Beitrag schreibt und dafür die richtigen Worte findet.”

Mit Heidemarie Wieczorek-Zeul und dem früheren Oberbürgermeister Klaus Jensen

Der Journalist

Lanfer schreibt gerne und viel. Das hat er nicht zuletzt in seinem Volontariat beim Trierischen Volksfreund (TV) gelernt, wo er danach noch eine Zeit als politischer Redakteur tätig war. Wobei er nach seinem Weggang zur Stadt dann 1993 erneut für etwa ein Jahr für den TV tätig war. Das Führungspersonal um die damalige Verlegerin Luise Koch hatte ihn angeworben und ihm dabei auch die Position des stellvertretenden Chefredakteurs in Aussicht gestellt. Hausinterne Querelen und neue Besitzverhältnisse nach dem Tod der Verlegerin verhinderten das aber. Die Journalistin Christine Cüppers, damals Mitglied der Lokalredaktion, kommentiert das heute so: ‟Da ist in der Führungsspitze einiges schiefgelaufen; kolportiert wurde, dass Oberbürgermeister Helmut Schröer seinen Mann in der Redaktion installieren wolle.” Und nach kurzem Überlegen: ‟Vermutlich hat der TV sich damit selbst geschadet. Lanfer war der richtige Mann zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort.”

Dem damaligen Oberbürgermeister Helmut Schröer blieb das natürlich nicht verborgen. Kurzerhand machte er seinem ehemaligen Pressechef ein Angebot, das dieser nicht ablehnen konnte. Und so kam Lanfer nach einer etwa einjährigen Abwesenheit wieder zurück ins Rathaus.

Pressekonferenz mit dem Interim-Leitungsgremium des Theater Trier im Dezember 2016

Durch und durch Journalist, suchte er hier nach neuen journalistischen Herausforderungen. Erst unterstützte er das Stadtmagazin ‟Sieh um Dich‟ mit der Zulieferung von journalistischen Beiträgen, dann entwickelte er die Rathaus-Zeitung, die von Anfang an nicht im üblichen DIN A4-Amtsblattformat auf den Markt kam, sondern die schon alleine durch das Berliner Format von ihrer Aufmachung her journalistische Kompetenz signalisierte.

Beispiele für das journalistische Wirken Lanfers im Rathaus füllen ganze Regale. Als Organisator und verantwortlicher Planer verantwortete er die verschiedensten ‟Tage der offenen Tür‟, etliche rollende Bürgerversammlungen oder aber die Geschäftsführung und Koordination des ‟Oswald von Nell-Breuning-Preises der Stadt Trier‟ − um an dieser Stelle nur einige Beispiele seiner ebenso vielfältigen wie erfolgreichen Arbeit zu nennen.

Auch überregional war Lanfer aktiv: Im Kuratorium ‟Unteilbares Deutschland‟ als Vertreter der Stadt Trier, bei der Konferenz der städtischen Pressereferenten im Deutschen Städtetag, wo er ebenfalls Führungsfunktionen übernahm, als Mitglied im Presseausschuss im Deutschen Städtetag sowie als Gründer und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Pressereferenten im Städtetag Rheinland-Pfalz.

Alle Veröffentlichungen und Aktivitäten hier aufzuführen, würde mit Sicherheit den Rahmen sprengen. So viel aber kann sicherlich mit Fug und Recht behauptet werden: Für die Stadt Trier und die hiesige Medienszene war Hans-Günther Lanfer, der sich selbst immer als Mittler zwischen Rathaus und Öffentlichkeit gesehen hat, ein Glücksfall. Den Ruhestand hat er sich mit Sicherheit verdient. Die Medienschaffenden aber werden ihn an dieser Stelle vermissen.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft, Politik 2 Kommentare

2 Kommentare zu Mittler zwischen Rathaus und Öffentlichkeit

  1. Hans-Willi Triesh

    Ich habe Herrn Lanfer als Stadtrat fast 30 Jahre erlebt und sehr geschätzt. Ich wünsche ih alles Gute und Gesundheit im wohlverdienten Ruhestand.
    Hans- Willi Triesch

     
  2. Karl Russwurm

    Alles Gute weiterhin, der RWV München grüßt einen langjährigen Weggefährten getrennt und doch vereint unterwegs ins Gralsgebiet.Was ist mit eurem Theater los?

     

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