Momente – Mosel. Musik. Festival.

Ein "Ständchen" für den scheidenden Intendanten von "Wildes Holz". Foto: Rolf Lorig

Ein “Ständchen” für den scheidenden Intendanten von “Wildes Holz”. Foto: Rolf Lorig

LIESER/REGION. 1982 ist Hermann Lewen ein junger Wilder voller Elan und Pioniergeist. Sein Job, den Patienten in den Rehakliniken auf dem Kueser Plateau Unterhaltung zu bieten, um ihnen die Zeit zwischen Anwendungen und Abendessen zu verkürzen, füllt ihn jedoch auf Dauer nicht aus. Was nicht weiter schlimm ist, denn der Kulturreferent von Bernkastel-Kues hat eine Vision, eine Idee, und umtriebig wie er ist, setzt er alles daran, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.

Als Sohn einer Sängerin gilt seine wahre Leidenschaft der Klassik. Und so sucht Lewen Mitstreiter und Geldgeber für Klassikkonzerte an der Mosel. Das ist ein Problem. “Von Anfang an wurde gesagt, Was soll das? Wer will hier Bach und Beethoven hören? Das sind doch nur Elitäre. Das sind doch nur die akademisch Gebildeten”, erinnert sich Lewen. Künstler und Agenturen fragen erstaunt: Bernkastel-Kues, wo liegt das denn? Schließlich lässt sich der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, Wilhelm Kreutzberg, erweichen. Er gibt Lewen 15.000 Mark für Konzerte im Kloster Machern (Bernkastel-Wehlen). Doch der will das Geld nur als Bürgschaft. Tatsächlich tastet er die Summe nicht an: “Der Verkauf der Eintrittskarten deckte die Kosten.”

Man schreibt das Jahr 1985. Die Mosel Festwochen sind geboren. Sieben Veranstaltungen, ein Etat von insgesamt 30.000 Mark und ein zweijähriger Rhythmus: Aus diesen Parametern entwickelt sich eins der ältesten Musikfestivals in Deutschlands. Hehres Ziel aller Beteiligten: die Moselregion und deren Wein-Kulturlandschaften kulturtouristisch zu beleben. 1991 tut sich was: Das Festival wird als Teil des Kultursommers Rheinland-Pfalz nun jährlich organisiert. Musiker geben Konzerte in historischen Spielstätten: Kirchen, alten Weinkellern, Schlössern oder Burgen. Neben dem Schwerpunkt Kammermusik nimmt Lewen auch Orchester, Crossover, Barock und Vokalmusik mit ins Programm auf. Solisten wie Tenor Peter Schreier, Trompeter Ludwig Güttler, die Sopranistin Barbara Hendricks und Orchester wie Academy of St. Martin in the Fields, Concerto Köln und Venice Baroque verleihen dem Festival Renommee über die Region hinaus. Träger sind die Stadt und Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues.

2007 wird alles anders: Die Mosel Festwochen gibt es nicht mehr. Sie werden umbenannt und heißen ab sofort Mosel Musikfestival. Damit wolle man das Festival national und inter- national besser vermarkten, sagt der scheidende Intendant Lewen. Auch die Finanzierung wird auf breitere Füße gestellt. Das Festival ist jetzt eine GmbH mit den Gesellschaftern der Landkreise Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell, Mayen-Koblenz, der Verbandsgemeinde und Stadt Bernkastel-Kues sowie der Stadt Trier.

Lewen, der "Macher", geht so langsam von Bord. Foto: MMF

Lewen, der “Macher”, geht so langsam von Bord. Foto: MMF

Und noch etwas macht den Intendanten glücklich: 2007 wird das Festival in die renommierte European Festival Association (EFA) aufgenommen, der weltweit nur 100 Festivals angehören. Warum? Das Festival hat Fahrt aufgenommen. Der Intendant mit einem Näschen für Newcomer hat Künstler auf die Bühne gebracht, die bereits wenige Jahre später auf internationalen Konzertbühnen debütieren. Klezmer-Legende Giora Feidmann etwa. “Den haben wir aus einem Jazzkeller in Frankfurt zu uns auf die Bühne geholt”, erinnert Lewen sich. Oder den Cellisten Benedikt Klöckner, die Pianisten Martin Stadtfeld und Kit Armstrong oder oder oder. Sie gehören zur Festivalfamilie und kommen gerne wieder, auch wenn sie mittlerweile als große Stars auf großen Bühnen auftreten.

2016 ist das Festival längst eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Region und weit darüber hinaus. Im Programm kann sich der Besucher aus mehr als 67 Konzerten an 40 Spielstätten seine Lieblingsveranstaltung entlang der Mosel, zwischen Luxemburg und Koblenz, auswählen. Aus dem ehemaligen Etat von 30.000 Mark ist ein Budget von einer knappen Million Euro geworden. Der ehemalige Kulturreferent hat als Intendant mittlerweile mehr als 1500 Veranstaltungen auf 83 Bühnen organisiert. Bei fast allen ist er dabei: “95 Prozent dieser Konzerte habe ich miterlebt und am Ende die meisten Besucher am Ausgang verabschiedet“, resümiert er.

2017, wenn das Festival die Etat-Grenze von mehr als einer Million Euro überschreitet, tritt Hermann Lewen kürzer, aus Altersgründen. Sein Nachfolger heißt Tobias Scharfenberger, ist ausgebildeter Sänger und Kulturmanager. Er übernimmt ab 2017 die Geschäftsführung des Mosel Musikfestivals, 2018 die komplette Intendanz. (tr/et)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Kultur, Moselmusikfestival 1 Kommentar

Kommentar zu Momente – Mosel. Musik. Festival.

  1. Jessica Niemeyer

    ein wunderbares Festival ! seit Jahren eine Bereicherung für die ganze Region – ein Highlight in der Kulturlandschaft . Dank an alle Organisatoren . Es schafft Aufmerksamkeit und generiert Touristen – Gäste , die wir mehr denn je brauchen . Es fehlt Trier nur auch ein Festival für junge Leute – Indie ,Pop , Elektro ,Newcomer …da sind auch die Radiosender gefragt wie Cityradio Trier ,RTL und RPR – der SWR hat unsere Region sowieso schon abgehakt .

     

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