Musik für einen lauen Sommerabend

Das Philharmonische Orchester der Stadt Trier unter Leitung von Jochem Hochstenbach und das Bossarenova Trio um die brasilianische Sängerin Paula Morelenbaum. Fotos: Anke Emmerling

TRIER. Im 3. Mixed Zone Konzert des Theaters Trier sind das Philharmonische Orchester der Stadt Trier unter Leitung von Jochem Hochstenbach und das Bossarenova Trio um die brasilianische Sängerin Paula Morelenbaum zusammengetroffen. Heraus kam ein entspannter musikalischer Mix aus klassischen, lateinamerikanischen und modernen Hiphop-Anklängen. Für den reporter war Anke Emmerling dabei.

Das Bossarenova Trio aus Trompeter und ECHO-Preisträger Joo Kraus, Pianist Ralf Schmid und der in Rio de Janeiro lebenden Sängerin Paula Morelenbaum hat sich vor genau zehn Jahren aus einem Projekt der SWR Bigband geformt. Es ging darum, Klassiker des Bossa Nova durch moderne Jazz-Arrangements neu zu beleben. Mit ähnlicher Zielsetzung ist auch die Begegnung des Trios mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Trier verbunden. Wie ein streicherbetontes Intro des Orchesters bereits zu Anfang verdeutlicht, steht hier vor allem eine Melange mit klassischen Elementen im Vordergrund, bei der das Zusammenspiel von Trio und Orchester hervorragend funktioniert. Jochem Hostenbach steuert seine Musikerinnen und Musiker auf einem äußerst feinfühligen Kurs, der Raum für leise und zart ausklingende Töne lässt. Fein tariert er mit seinem Ensemble Lautstärke und Tempo aus, so dass Nuancen wahrnehmbar sind und die Solisten des Trios volle Wirkungskraft entfalten können.

Klassiker und spezielle Arrangements

Auf dem Programm stehen Klassiker des Bossa Nova wie “Samba de Verão/ So Nice“, “Blackbird“ oder als Zugabe das weltberühmte “Mas Que Nada“. Dazu gibt es aber auch spezielle Arrangements des Trios, zum Beispiel Schuberts “Ständchen“ als traumschöne portugiesisch gesungene Ballade oder ein Stück über den Frühling, das Bossa Nova mit klassischen Motiven und Sprechgesang in Hiphop-Rhythmik verbindet.

Die brasilianische Sängerin Paula Morelenbaum.

Die Grundnote all dieser Musik ist eine sanft-melancholische, die besonders vom sehr weichen Spiel des Virtuosen Joo Kraus auf Flügelhorn oder Trompete getragen wird. Und die Arrangements, die Kraus und Schmid geschrieben haben, folgen offenbar dem Ideal von Reduzierung und Zartheit. Effekthascherei ist ihre Sache nicht. Ihre Stücke präsentieren sich so schnörkellos wie der Gesang von Paula Morelenbaum, klar und essentiell. Das ist angenehm zu hören, jedoch auch spannungsarm, besonders in der ersten Konzerthälfte. Hier wirkt der Einsatz des Trios, insbesondere Morelenbaums, etwas verhalten, so als müsse erst eine gewisse Souveränität in der neuen Konstellation mit dem Orchester gefunden werden.

Nach der Pause nimmt das Konzert jedoch Fahrt auf, die musikalische Bandbreite wird mit sanften Balladen, einigen schnelleren Latinorhythmen, Hiphop und Chanson deutlich größer, und es entstehen schöne subtile Klangbilder wie etwa ein Zweiklang von Harfe und Flügelhorn. Paula Morelenbaum wirkt lockerer, gibt sich kokett und liefert sich sowohl Sprechgesang- als auch Pfeif-Duette mit Joo Kraus. Läge etwas mehr Timbre in ihrer Stimme und dürfte die Rhythmus-Gruppe des Orchesters auch mal Gebrauch von all den um sie herum aufgebauten Perkussionsinstrumenten machen, könnte sich ein wirklich feuriger brasilianischer Abend entwickeln. Doch es bleibt eher beim eleganten Lounge-Charakter, nicht zuletzt, weil Schlaginstrumente nur gelegentlich und in handlicher Ausführung von der Sängerin eingesetzt werden.

Der Wohlklang gefällt, das Publikum bedankt sich beim Trio und dem wieder einmal hervorragend aufgetretenen Orchester mit überwältigendem Applaus.

Am 24. Oktober um 20 Uhr findet in der Europahalle Trier das nächste Mixed Zone Konzert statt. Gäste sind diesmal Maria Markesini und die Klazz Brothers, die kubanische Klänge mitbringen.


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Erstellt am Autor Anke Emmerling in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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