Nero – Ein Kaiser macht die Massen mobil

Sie freuen sich auf das Nero-Jahr: Die drei Direktoren Marcus Reuter, Elisabeth Dühr und Markus Groß-Morgen. Alle Fotos: Rolf Lorig

Sie freuen sich auf das Nero-Jahr: Die drei Direktoren Marcus Reuter, Elisabeth Dühr und Markus Groß-Morgen. Alle Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Am 14. Mai beginnt in Trier das Nero-Jahr. Rund 150.000 Besucher aus aller Welt werden bis zum 16. Oktober in der Moselstadt erwartet. An 156 Tagen besteht die Gelegenheit, eine oder alle drei großen Ausstellungen im Rheinischen Landesmuseum, dem Stadtmuseum Simeonstift und dem Museum am Dom zu besuchen. Mehr noch: Die Besucher erwartet an 113 Tagen ein sehr abwechslungsreiches Programm, das sich in den unterschiedlichsten Formaten mit dem legendären römischen Kaiser befassen und auseinandersetzen wird.

Von Rolf Lorig

Was macht einen Mörder, Tyrannen und Brandstifter so interessant, dass man sich über ein halbes Jahr hinweg mit ihm befasst? Für Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Trier und geistiger Vater des Nero-Jahres, liegt die Antwort auf der Hand: “Weil er der spannendste Kaiser der römischen Geschichte ist und es in Mitteleuropa noch keine ihm gewidmete große Ausstellung gegeben hat.“ In Trier sei er zu Lebzeiten zwar nie gewesen, dennoch habe sein Tod auch in der Region durch den gewaltigen Bürgerkrieg direkte Auswirkungen gehabt. Doch die seien nicht das Initial für die Ausstellung gewesen. Vielmehr habe die Forschung neue Erkenntnisse gewonnen, die dem bisherigen Klischee entgegentreten.

Auch die beiden Trierer Mischa Martini und Johannes Kolz freuen sich auf das Nero-Jahr.

Auch die beiden Trierer Mischa Martini und Johannes Kolz freuen sich auf das Nero-Jahr.

Das bestätigt auch Elisabeth Dühr, Leiterin des Stadtmuseums Simeonstift. Sie unterstreicht die Ausführungen ihres Kollegen und verweist auf “die Popularität dieser Figur, die bis heute anhält”. Neros Popularität sei Hollywood-vermittelt, was der Film Quo Vadis belege. Und ihr Kollege Markus Groß-Morgen weist darauf hin, dass Neros Image als Prototyp des Christenverfolgers falsch dargestellt wird: “Dass er als erster die Christen verfolgt hat, ist einfach damit zu erklären, dass er nach dem Brand in Rom politische Sündenböcke brauchte.“

Führungen für Blinde, Sehbehinderte und Hörgeschädigte

Mit ihren Ausstellungen, die auch Führungen für Blinde, Sehbehinderte und Hörgeschädigte anbieten, widmen sich die drei Museen den unterschiedlichen Facetten des Herrschers. Das Rheinische Landesmuseum präsentiert “Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“, das Museum am Dom “Nero und die Christen“, und das Stadtmuseum Simeonstift beleuchtet die Facette “Lust und Verbrechen. Der Mythos Nero in der Kunst”. Wer alle Ausstellungen besucht, hat viel zu tun: Auf über 2000 Quadratmetern werde man anhand von 700 Exponaten spannende Einblicke Neros Persönlichkeit, seine Epoche und die Tradition seiner Darstellung in der Kunst erhalten, versprechen die drei Museen. Dazu konnten hochkarätige Leihgaben aus 15 Ländern nach Trier geholt werden; zum Teil stammen die verschiedenen Stücke aus den Vatikanischen Museen in Rom, dem Louvre in Paris, der Eremitage in St. Petersburg, dem Museum der Mailänder Scala und dem Britischen Museum in London.

Unterstützt von 19 Partnern, darunter das Theater Trier, das Mosel Musikfestival und die Trierer Kulturstiftung, haben die Organisatoren rund um die Ausstellungen ein Programm auf die Beine gestellt, das ebenso spannend wie abwechslungsreich ist, und das auch schon Kinder ab sieben Jahren einbezieht. Die Spanne ist breit gefächert: Sie reicht von einem Kolloquium im Rheinischen Landesmuseum, bei dem neueste Forschungen von renommierten Wissenschaftlern allgemeinverständlich präsentiert werden über ein Römerspektakel in den Kaiserthermen (24./25. Juli), das Einblicke vom Handwerk bis zur Kriegskunst vermitteln will, bis hin zum Poetry Slam zum Thema Religionsfreiheit. Dass man mit dem Erbe Neros auch in der heutigen Zeit etwas anfangen kann, veranschaulicht ein Motivationstraining im Stadtmuseum Simeonstift, das mit Theater- und Stimmübungen für ein selbstbewusstes Auftreten sorgen soll. Motto: “Einen majestätischen Eindruck hinterlassen ohne als Tyrann zu wirken.” (O-Ton Alexandra Orth).

Antike Stätten in Trier künftig wieder verstärkt Spielorte

Nero überall - auch ials Rot- oder Weißwein...

Nero überall – auch als Rot- oder Weißwein…

Auf großes Interesse wird nach Meinung des Trierer Intendanten Karl Sibelius sicherlich auch die Open-Air-Performance “NEROHERO“ vor der Porta Nigra (05./06. August) stoßen. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Stadt Trier in Kooperation mit dem Mosel Musikfestival, für das der Intendant als Kurator verantwortlich zeichnet. Mitwirkende werden laut Sibelius Tänzer und Sänger aus der Region sein. Sibelius zeigte sich erfreut darüber, dass dank der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz die antiken Stätten in Trier künftig wieder verstärkt als Spielorte genutzt werden können, womit man der Trauer um die verblichenen Antikenfestspiele entgegentreten könne. Zudem plane das Theater noch eine Aufführung, die weitere Facetten des Kaisers beleuchten wolle. Dafür habe man acht Autoren gewonnen. Das Stück soll am 17. Mai im Stadtmuseum Premiere feiern.

Dessen Chefin Elisabeth Dühr zeigte sich sehr zufrieden mit der bisherigen Resonanz auf das Nero-Jahr. Es gebe eine sehr starke Nachfrage aus dem In- und Ausland. So seien bisher schon über 1.200 Zeitfenster in allen drei Museen gebucht worden, berichtete sie.

Das komplette Programm findet sich unter nero-ausstellung.de. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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