Neue Fahrradstation “Gleis 11” am Hauptbahnhof

Braucht nur eine Tasse Wasser für eine Reinigung: die Fahrrad-Waschanlage des Bürgerservice. Fotos: Clemens Sarholz

TRIER. Fahrradverleih, Fahrradreparatur, Fahrradverkauf. Das gibt es jetzt alles bei der neuen Fahrradstation “Gleis 11” des Trierer Bürgerservice (BüS) am Hauptbahnhof in Trier. Sogar eine Fahrradwaschanlage gibt es dort. Doch solange die Stadt die Infrastruktur nicht auf Fahrräder auslegt, bleibt es ein Trendgeschäft. Das weiß auch Bauderzernent Andreas Ludwig. Er berichtet, dass “man dran arbeitet.“ Zu genau diesem Thema habe sich ein Arbeitskreis zusammengefunden.

Von Clemens Sarholz

Zwischenzeitlich habe man 20.000 Verleihtage gezählt, erzählt Bürgermeisterin Elvira Garbes bei der Eröffnung der neuen Fahrradstation am Hauptbahnhof Trier. Seit 1996 betreibt der Trierer Bürgerservice (BÜS) ununterbrochen seinen Verleih am Hauptbahnhof. Die Werkstatt in der Hornstraße musste hingegen aus wirtschaftlichen Gründen 2011 schließen und wurde daraufhin mit der Verleihstation am Bahnhof zusammengelegt. “Mit einem guten Konzept in der Schublade hat man auf den Neustart gewartet, der mit der heutigen Eröffnung endlich erfolgen kann“, führt sie fort.

Nach dem üblichen Lob bei den Eröffnungsreden schnappt sich Hubert Ries, ein Trierer Bürger, das Mikrofon. Auch er freut sich über die Fahrradstation. Doch mit einem Lächeln im Gesicht fordert er die dazugehörigen Fahrradwege. Mit einer Reisegruppe aus Ungarn habe er vom Hauptbahnhof an der Porta vorbei bis hinunter zur Mosel fahren wollen. Doch die Infrastruktur sei dafür einfach nicht gegeben.

Damit spricht er Anja Reinermann aus der Seele. Die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen fordert dasselbe. “Wenn man von der Kürenzer Straße aus zur Fahrradstation möchte, dann darf man nicht einfach durchfahren.“ Der reporter hat das überprüft. Und ja – es stimmt. Vier “Durchfahrt verboten“-Schilder hindern den Fahrradfahrer an der legalen Weiterfahrt. Als Fahrradfahrer müsse man erstmal an der Post vorbeifahren, um zur Station zu kommen.

“Gleis 11” hält für jeden Interessenten zu günstigen Preisen das passende Fahrrad bereit.

Verbotsschilder bremsen Radler aus

Die nutze Reinermann nämlich gerne, um ihr Fahrrad unterzustellen. Kürzlich sei sie mit einer Radgruppe unterwegs gewesen, die alle ihre Räder bei der Station abstellen wollten. Weil immer nur ein Fahrrad abgestellt werden kann, und nicht alle gleichzeitig in die Garage hineinkönnen, habe sich vor der Garage eine Menschentraube gebildet, die wiederum ständig mit den Autos in Konflikt kam. Auch Reinermann fordert eine bessere Infrastruktur. Beispielsweise einen Aufstellbereich zum Sammeln der Räder.

Baudezernent Andreas Ludwig ist auch Radfahrer. Er erklärt bei der Eröffnung, dass sich zu genau diesem Thema ein Arbeitskreis gebildet hat: “Wie binden wir den Hauptbahnhof an die Innenstadt an?“ Das sei eines der großen Themen.

Die Station “Gleis 11” wird vom Bürgerservice geleitet. Das ist ein Unternehmen, das soziale Verantwortung übernimmt. Deshalb sind auch die Preise sozial verträglich. Eine Inspektion kostet im Sommer 66 Euro und im Winter 46 Euro. Die Differenz gebe es, weil man im Sommer stärker ausgebucht sei. Zu diesen Preisen würden die Bremsen, die Ketten, das Licht, die Schaltung überprüft und neu eingestellt. Acht Zweiradmechaniker arbeiten in dem Meisterbetrieb der auch Lehrlinge ausbildet.

Bernhard Riedel gehört zum Bürgerservice und erklärt, 30 Prozent der Arbeitnehmer seien Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen benachteiligt sind. Körperlich Beeinträchtigte, geistig Beeinträchtigte, Schwerbehinderte. Menschen die auf dem normalen Arbeitsmarkt keine großen Chancen hätten.
Da ist beispielsweise Michael Wolf, der bis 2013 als Schlosser gearbeitet hat. Nach einem Herzinfarkt durfte er diesen Beruf nicht mehr ausüben. Er begann eine Umschulung zum Zweiradmechaniker und plaudert ein wenig, während er einem Kunden sein altes Zündapp-Fahrrad wieder zurechtschraubt. Zwischendurch, kostenfrei. Er zeigt die hydraulische Hebebühne für Fahrräder, die es jedem ermöglicht, ohne viel Kraftaufwand aus jedem Winkel an Fahrrädern zu arbeiten. Die Fahrradstation des BüS ist technisch auf dem besten Stand. Sogar eine Fahrradwaschanlage gibt es, die für einen Waschgang nicht mehr als eine Tasse Wasser verbraucht.

Wer sich traut, kann sich am morgigen Samstag auch mal auf ein Hochrad setzen.

E-Bike-Ausleihe für 30 Euro am Tag

Bei der Eröffnung zeigt sich: Das Fahrrad liegt im Trend. Garbes sagt: “Fahrradfahren macht Spaß. Und noch mehr, wenn man sich nicht mehr anstrengen muss im Berg.“ Eine Anspielung auf E-Bikes. Die kann man sich bei der Station für 30 Euro am Tag ausleihen. Eine ganze Woche kostet 130 Euro. Je länger man ein Rad leiht, desto günstiger wird es. Natürlich gibt es aber auch Räder, die günstiger sind. Für 12 Euro bekommt man ein Tourenrad für einen Tag.

Zur Feier des Tages hat Ivan Sojc seine Fahrradausstellung nach Trier gebracht, die noch bis einschließlich Samstag am Gleis 11 besichtigt werden kann. “Mit dem Fahrrad durch drei Jahrhunderte“ heißt sie, und man hat sogar das etwas zweifelhafte Vergnügen sich auf eins dieser Fahrräder zu setzen, die viel zu große Räder haben. Eine wacklige Angelegenheit. Doch Angst braucht man keine zu haben. Sojc´s Sohn Jonas Buchmann hilft den Interessenten gerne beim Ausprobieren.

Die Station scheint ein voller Erfolg zu werden. Sojc, der sich ja wirklich mit Rädern auskennt, sagt: “Das hier ist eine wirklich runde Sache. Ganz stark.“ Hubert Ries: “Cäsar hat keine Schlacht gewonnen, das waren die Soldaten; kein Fürst hat je ein Schloss gebaut, das waren die Untertanen, und hier stehen unsere Steuergelder und das wurde toll gemacht.“


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Erstellt am Autor Clemens Sarholz in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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