OB an Bord – SWT testen Elektrobus – Albrecht bilanziert

Historische Fahrt: Seit Mittwoch rollt wieder ein Elektrobus durch Trier. Foto: SWT

Historische Fahrt: Seit Mittwoch rollt wieder ein Elektrobus durch Trier. Foto: SWT

TRIER. Anfang November hatte er im großen reporter-Interview gesagt, er wolle, “dass endlich, zumindest probeweise, ein Elektrobus durch Trier fährt”. Beweisen wollte Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) ferner, “dass auch ein Elektrobus den Berg nach Tarforst hochkommt”. Am Mittwoch war es soweit. Der Elektrobus fuhr vom Rathaus aus auf den Petrisberg hinauf – ohne Probleme. CDU-Stadtrat Thomas Albrecht war mit an Bord. In einem Beitrag für den reporter schildert er seine Eindrücke von der für Trier historischen Fahrt (siehe Extra).

Energieeffizient, sauber, leise – so könnte man die Vorteile des Einsatzes der Elektromobilität im Öffentlichen Personennahverkehr zusammenfassen. Leibe geht noch einen Schritt weiter: “Der Einsatz von Elektrobussen wird dafür sorgen, dass wir zukünftig den selbst erzeugten Strom aus regionaler Wind- und Solarkraft für unseren ÖPNV nutzen können”, blickt der OB jetzt schon in die Zukunft. Denn das Ziel der Stadtwerke ist es, langfristig die regional erzeugte Energie im Rahmen eines virtuellen Kraftwerks auch im Mobilitätssektor zu nutzen.

Start am Rathaus: Knut Hofmeister (SWT-Abteilungsleiter Fahrdienst / Vertrieb), Jan Liebhäuser (SWT-Abteilungsleiter Technik / Parken), Dr. Olaf Hornfeck (SWT-Vorstand), Roland Franzen (SWT-Personalrat), Wolfram Leibe (Oberbürgermeister von Trier), Arndt Müller (SWT-Vorstand), Patrick Oosterveld (Country Manager, BYD Europe B.V.) (v.l.) Foto SWT Trier

Start am Rathaus: Knut Hofmeister (SWT-Abteilungsleiter Fahrdienst / Vertrieb), Jan Liebhäuser (SWT-Abteilungsleiter Technik / Parken), Dr. Olaf Hornfeck (SWT-Vorstand), Roland Franzen (SWT-Personalrat), Wolfram Leibe (Oberbürgermeister von Trier), Arndt Müller (SWT-Vorstand), Patrick Oosterveld (Country Manager, BYD Europe B.V.) (v.l.) Foto SWT Trier

Um diesen Weg aktiv mitzugestalten und frühzeitig Erfahrungen zu sammeln, testen die Stadtwerke vom 13. bis zum 28. Mai einen elektrisch angetriebenen Solobus der chinesischen Firma Build Your Dreams (BYD), einem der wenigen Anbieter in diesem Segment. “Mit dieser und weiteren Erprobungsphasen möchten wir praktische Erfahrungen sammeln. Der Vergleich der Testergebnisse mit den Energie- und Umweltbilanzen konventioneller Fahrzeuge sowie den Werten von Hybridbussen liefert uns wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des ÖPNV in Trier”, erklärt SWT-Vorstand Dr. Olaf Hornfeck.

Aber wie sieht die Erprobung konkret aus? “Der Bus soll vorwiegend auf der Linie 12 eingesetzt werden. Die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Hochschule ist vergleichsweise kurz, so dass die Kapazität der Batterien für einen ganzen Tag ausreichen sollte”, so Jan Liebhäuser, SWT-Abteilungsleiter Technik/Parken. Der Bus wird über Nacht im Verkehrsbetrieb in der Gottbillstraße an einer provisorisch eingerichteten Ladestation für den Einsatz am nächsten Tag aufgeladen.

Elektrisch durch Trier?

Liegt hierin die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs in Trier? Fast auf den Tag genau 45 Jahre, nachdem der letzte elektrisch betriebene Bus durch Trier fuhr, damals noch mittels Oberleitungen mit Strom versorgt, kam jetzt wieder ein solches Fahrzeug mit dem umweltfreundlichen Antrieb in der Römerstadt zum Einsatz.

Die Stadtwerke Trier wollen sich als innovatives Unternehmen präsentieren und testen deshalb den Elektrobus in der Zeit vom 13. bis zum 18. Mai. Zum Einsatz kommt der elektrisch angetriebene Solobus der chinesischen Firma “Build Your Dreams (BYD), deren Fahrzeuge in China und in vielen europäischen Großstädten (London, Barcelona, Mailand, Kopenhagen) bereits fahren.

Medienvertreter, Mitarbeiter der Stadt und Stadtwerke sowie Mitglieder des Aufsichtsrates der Stadtwerke waren zu einer ersten Probefahrt eingeladen, an der auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe teilnahm. Triers neuer Baudezernent Andreas Ludwig ließ sich vor Beginn der Fahrt ebenfalls über die neue Technik informieren.

Die erste Fahrt führte vom Rathaus durch das Gartenfeld zum Petrisberg hinauf. Hier gab es schon die erste Überraschung: Obwohl der offizielle Prospekt des Herstellers eine Steigfähigkeit von maximal 15 Prozent angibt, schaffte der Bus, der von zwei jeweils 90 Kilowatt (122 PS) starken Elektromotoren in den Radlagern angetrieben wird, problemlos den 17 Prozent steilen Aufstieg.

CDU-Stadtrat Thomas Albrecht schildert seine Eindrücke.

CDU-Stadtrat Thomas Albrecht schildert seine Eindrücke.

Von dort ging es dann – deutlich vernehmbar surrend – über Tarforst und die Porta Nigra zurück zum Ausgangspunkt. Die Geräusche, die der Bus verursacht, waren lauter, als man bei diesem Antrieb vermutet. Eine Erkenntnis, die nachdenklich stimmte, sind doch neben der Schadstoffarmut auch die – hoffentlich – wesentlich geringeren Geräusch-Emissionen ein entscheidendes Argument für die neue Technik.

Peter Hoffmann von den Grünen, der mit Detlef Schieben (SPD) und Hans-Alwin Schmitz (FWG) als Ratsmitglied anwesend war, wohnte lange Zeit in der Saarstraße, fühlte sich dort von den Geräuschen der anfahrenden Diesel-Busse stark gestört und setzt deshalb große Hoffnung in die neue Technik.

Man will alle Vor- und Nachteile noch genau prüfen und testen, so SWT Vorstand Dr. Olaf Hornfeck, der sich aus dem Vergleich der Testergebnisse mit den Energie-und Umweltbilanzen konventioneller Fahrzeuge sowie den Werten von Hybridbussen wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des ÖPNV in Trier erhofft.

Während der Fahrt zeigten sich alle Teilnehmer jedenfalls beeindruckt von dem neuen Transportmittel, man fragte sich jedoch, warum keine deutsche Firma diese neue Technik anbietet.

Die für die Stromversorgung notwendiges Batterien befinden sich auf dem Dach. Eine Ladung reicht für etwa 200 bis 300 Kilometer. Probleme kann es allerdings im Winter geben, so hörte man von Fachleuten, wenn der Bus zusätzlich beheizt werden muss. Auf dem Betriebshof der Stadtwerke ist derzeit eine provisorische Ladestation installiert, die die Stromspeicher in sechs bis zehn Stunden wieder aufladen.

Oberbürgermeister Leibe erläuterte auf der Fahrt, worin er den Vorteil des Elektrobusses sieht: “Wir wollen den Elektroantrieb auch dazu verwenden, von den Stadtwerken erzeugte Energie, die nicht sofort genutzt und gespeichert werden kann, für die Elektromobilität einzusetzen.” Allerdings schränkt er auch ein, es sei klar, “dass wir hier in Trier nicht sofort Elektromobilität einsetzen können, der erste Schritt ist, es überhaupt ausprobiert zu haben”. Sein Ziel sei es aber, macht das Stadtoberhaupt und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke deutlich, “dass in absehbarer Zeit, so lange es noch gute Fördermittel gibt, in regenerative und ökologisch korrekten Antrieb für den ÖPNV investiert wird”.

Wer selbst einmal den neuartigen E-Bus, den der Hersteller “bescheiden” als “elektrische Revolution” bezeichnet, ausprobieren will, kann dies bis zum 28. Mai tun. Der Bus soll auf der Linie 12, der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Hochschule, in diesem Zeitraum eingesetzt werden. Diese Strecke ist so kurz, dass die Kapazität der Batterien von 270 Kilowattstunden für einen Tag ausreicht.

Extra – Daten

♦ Kapazität: 27 Sitz- und 60 Stehplätze
♦ Länge: 12 Meter
♦ Leistung: 2 Elektromotoren, insgesamt 180 kW.
♦ Batteriekapazität: 270 kWh
♦ Ladezeit: 6 bis 10 Stunden
♦ Erwartete Reichweite pro Ladung: 210 bis 300 km


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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