Osterworkshop: 25 Jahre und kein bisschen leise…

Gute Laune und eine entspannte Atmosphäre kennzeichnen die Osterworkshops des Trierer Jazz-Clubs. Alle Fotos: Gitte Buddig

TRIER. Der Jazz-Club Trier hat in diesem Jahr mit dem Jazz-Osterworkshop ein echtes Jubiläum: Seit 25 Jahren lädt der Club Menschen aller Altersschichten vier Tage lang zu einem intensiven Training in die Tufa ein, das vor allem eines will: ‟Lernen, wie Jazz funktioniert‟. Der reporter hat mit Nils Thoma, dem Vorsitzenden des Trier Jazz-Clubs über den Oster-Workshop gesprochen.

Von Rolf Lorig

Drei Dinge braucht der Club immer um die Osterzeit: Dozenten, Teilnehmer und einen Veranstaltungsort. Wobei, das alleine reicht nicht aus, sagt Nils Thoma und verweist auf einen weiteren Punkt. Helfer braucht es auch. Vor allem einen Mann: Helmut ‟Daisy‟ Becker. Er ist es, der seit Jahren die Fäden zu den Dozenten in der Hand hält. Die besondere Herausforderung dabei liegt in einer selbst verordneten Regel: ‟Damit unsere Teilnehmer ein möglichst breites Spektrum an Dozenten kennenlernen, engagieren wir diese Leute nie öfter als zweimal hintereinander‟, sagt Nils Thoma. Die einzige Vorgabe: ‟Sie müssen immer Absolventen einer Musikhochschule sein.”

Noch haben sie die Bühne im Großen Saal für sich alleine.

Keine Groß-Sponsoren, keine großen Gagen

Die Sorge, es sei schwer, hier geeignete Kandidaten zu finden, steht dabei nicht im Raum. ‟Seit 2000 hatten wir 73 verschiedene Dozenten bei uns zu Gast.”

Helmut “Daisy” Becker ist selbst ein gefragter Musiker, ist fest in der Szene verankert. “Er kennt die Künstler, die für uns als Kandidaten infrage kommen. Und das ist besonders deshalb wichtig, weil es in dem Bereich ganz tolle Künstler gibt, die man aber auf keine Schüler loslassen darf‟, schmunzelt der Vorsitzende. ‟Zum anderen kennen sich die Musiker auch bestens untereinander, spielen immer wieder in unterschiedlichen Bands und sind so bestens vernetzt. Das erklärt es dann, dass wir auch immer wieder Initiativbewerbungen bekommen.

Was macht den Workshop bei den Dozenten denn attraktiv? Etwa die Gage? Thoma winkt ab. Hohe Gagen kann der Jazz-Club wegen fehlender Groß-Sponsoren nicht zahlen, erklärt er. Die knapp vierstelligen Honorare, die der Trierer Jazz-Club zahlt, sind da eher eine Anerkennung. ‟Nein, da gibt es zwei Gründe. Zum einen ist das hier ein ‘Heiratsmarkt’. Beim Konzert der Dozenten spielt man zusammen und lernt sich noch besser kennen. Und daraus hat sich schon so manche Konstellation ergeben. Was diese Leute aber noch mehr reizt, ist die Vita. Bei Bewerbungen können sie auf ihre Dozenten-Tätigkeit hier im Trierer Jazz-Club hinweisen. Und so etwas kommt durchaus an.”

Jährlich melden sich bis zu 80 Teilnehmer

Womit die Frage der Dozenten dann auch geklärt ist. Doch was bezweckt der Workshop? Und woher kommen die Teilnehmer? ‟Frage eins ist rasch geklärt: Wir wollen in diesem Musikgenre den Nachwuchs fördern. Leider gibt es in Trier keine Musikhochschule, also müssen wir als Verein da in die Bresche springen. Und das tun wir mit Erfolg: Seit Beginn melden sich jedes Jahr bis zu 80 Teilnehmer. Da wir immer nur mit acht Dozenten arbeiten, ist da auch schnell die maximale Gruppenstärke erreicht.”

Die Teilnehmer kommen laut Thoma vor allem aus der Stadt Trier, dem Landkreis Trier-Saarburg, dem Saarland und aus Luxemburg. Einige aber würden auch von weiter her anreisen. Etwa aus Düsseldorf oder anderen Großstädten. ‟Manche unserer Teilnehmer kommen schon seit zehn Jahren oder noch länger regelmäßig zum Osterworkshop nach Trier.”

Auch zwischen Malutensilien kann man trefflich proben

Die Teilnehmerkosten für die vier Tage sind nicht hoch: ‟Mitglieder zahlen 110 und Nichtmitglieder 140 Euro‟, rechnet Thoma vor. Geprobt wird an allen Tagen in der Tufa, wo auch die Bewirtung stattfindet: ‟Unser großes Glück ist, dass die Tufa über Ostern geschlossen hat und wir damit dank der Unterstützung durch die Stadt das Haus durch unsere Gruppen komplett belegen können‟, freut sich Thoma.

Gruppenarbeit wird beim Workshop großgeschrieben. An den Vormittagen bestimmen Theorie- und Instrumentalunterricht auf dem Stundenplan. Die Nachmittage sind dem Ensemblespiel gewidmet.

Von zwölf bis Mitte 70

Die Teilnehmer sind in jedem Jahr altersmäßig gemischt: ‟Die jüngsten sind etwa zwölf oder 13 Jahre alt, die ältesten Mitte 70. Was kein Problem darstellt, ganz im Gegenteil. Wir erleben zudem in jedem neuen Workshop, dass gestandene Musiker dazu stoßen, um sich hier neue Impulse und Techniken abzuholen und auch um sich neue Ideen zu erschließen.” Die einzige Voraussetzung für eine Teilnahme sei die grundlegende Beherrschung des Instrumentes. Und die Bereitschaft, beim Teilnehmerkonzert mit nach vorne auf die Bühne zu gehen. ‟Was bei dem oder der ein oder anderen schon mit etwas Überwindung verbunden ist‟, weiß Thomas.

Bleibt zum Schluss noch eine Frage: ‟Was ist das derzeit angesagteste Instrument?” Nils Thoma muss nicht lange überlegen: ‟Hier gibt es klare Strömungen. Über lange Jahre waren Saxophone. Doch das ist schon wieder Vergangenheit. Aktuell sind es Bassgitarren. Und auch der Jazz-Gesang erfreut sich größter Beliebtheit”. Und welches Instrument erfährt aktuell die geringste Nachfrage? ‟Das sind sind derzeit die Posaunen…‟

 

Der 25. Jazz Workshop

Der Workshop startet am Donnerstag, 13. April um 20:30 Uhr mit dem Konzert der Dozenten im Großen Saal der Tufa. Am Freitag und Samstag dauert die Arbeitsphase von 10 – 18 Uhr, am Sonntag, 16. April von 10:30 – 17 Uhr. Der Workshop endet am Sonntag um 20:30 Uhr mit dem Teilnehmerkonzert. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur 2 Kommentare

2 Kommentare zu Osterworkshop: 25 Jahre und kein bisschen leise…

  1. moselblues

    Von dieser Stelle ein großes Lob und meine tiefen Respekt an die Organisatoren des Jazz Club Trier. Ich hatte das Vergnügen schon zweimal am Workshop teilzunehmen und kann dies nur jedem am Jazz und Blues interessierten Musiker empfehlen! Auch wenn ich diese Jahr aus Zeitgründen nicht teilnehmen kann werde ich mit Sicherheit das Teilnehmerkonzert besuchen. Auf die nächsten 25 Jahre und eine aktive Jazzszene, die ohne den Club in Trier so nicht vorstellbar ist!

     
  2. Frank Holstein

    Ich

     

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