Partnerschaften zugunsten von Europa intensivieren

Gemeinsam hissen die Teilnehmer die beiden neuen Fahnen auf dem Basilika-Vorplatz; seit dem gestrigen Samstag wehen hier nun auch die Europafahne und die polnische Flagge auf dem Basilika-Vorplatz. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Die Förderung des Austauschs zwischen Ehrenamtlichen und Politik ist die Intention des Partnerschaftstages, den die Stadt Trier in diesem Jahr bereits zum dritten Mal gemeinsam mit dem Landkreis Trier-Saarburg beging. Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Landrat Günther Schartz begrüßten dazu in der Kreisverwaltung zahlreiche aktive Bürger und Politiker. Die weiteste Anreise hatte wohl der stellvertretende Landrat des nordpolnischen Kreises Puck, Tomasz Herrmann, gefolgt von Marko Wolfram, dem Landrat des Kreises Saalfeld-Rudolstadt.

Die hohe Symbolik des Partnerschaftstages vor dem Hintergrund der kommenden Kommunalwahl betonte Landrat Günther Schartz in seiner Begrüßung. Gleichzeitig unterstrich der die Bedeutung der Kommunen, die seinen Worten zufolge das Fundament bilden, auf dem Europa ruht. Ebenfalls eine hohe Symbolik kommt Katarina Barley zu. Die Bundes-Justizministerin hat einen englischen Vater und eine deutsche Mutter. Schartz begrüßte sie als ehemaliges Kreistagsmitglied, “das wir nicht halten konnten” und das dann nach Berlin gegangen sei. Dass Barley nun bei der anstehenden Europawahl für die SPD antritt, begrüßte der Landrat ebenso wie die Bewerbung von Simone Thiel, die für die CDU bei dieser Wahl ins Rennen geht. Schartz wäre durchaus damit einverstanden, wenn beiden Frauen ihr Ziel erreichen würden: “Möglichst viele von uns sollten sich für diese Region einsetzen.”

Müssen bei den anstehenden Wahlen zu Europa stehen

Zufrieden äußerte sich der Landrat zu den Partnerschaften des Kreises. Die seien lebendig, “wir alle verstehen uns hervorragend”. Das gute Miteinander fördere den Austausch von Initiativen: “Wir leben Europa in jeder Hinsicht.” Das komme auch in der hohen Anzahl an neuen Mitbürgern zum Ausdruck, die bei den jährlichen Einbürgerungen die deutsche Staatsangehörigkeit erhielten. Dass dabei aktuell ein besonders hoher Anteil aus Großbritannien dabei ist, wunderte den Landrat nicht: “Es zeigt zum Teil auch die Wertschätzung, die wir in Großbritannien genießen.” Daraus resultiere aber auch die Verpflichtung, sich bei den anstehenden Wahlen auch aktiv mit einzubringen und zu Europa auch zu stehen.

Ein Appell, den Oberbürgermeister Wolfram Leibe unterstrich. Vor wenigen Tagen erst ist er aus der Trierer Partnerstadt Gloucester zurückgekehrt. Dort habe er ein ähnliches Verhalten wie in Deutschland erlebt, wonach Menschen all das Europa in die Schuhe schieben, was aus unterschiedlichen Gründen nicht so richtig funktioniert. Hüben wie drüben müsse man den Menschen Europa besser erklären, da käme insbesondere den Partnerschaftsorganisationen eine besondere Rolle zu. Positiv aber habe es ihn gestimmt, dass die jüngere Generation den Sinn von Europa in Gloucester erkannt habe und diesem Gedanken auch fördernd gegenüberstehen würde.

Die Stimmungslage auf der Insel ist Katarina Barley ebenfalls nicht unbekannt: “Es gibt eine ganz tiefe Spaltung quer durch alle Schichten.” Auch sie fordert eine Fortführung der “klugen und wichtigen Arbeit” der Partnerschaftsorganisationen zugunsten einer weiteren Annäherung der Menschen. Der Anteil derer, die Europa zugeneigt seien, steige weiter, “daran hat der Brexit mit Sicherheit seinen Anteil”. Dass es überhaupt zum Brexit kommen konnte, begründete Barley so: “Für viele Menschen war Europa weit weg, vieles war selbstverständlich geworden.” Dabei hätten die Menschen auch vergessen, “dass Europa ein Garant für den Frieden ist”. Dass Frieden nicht selbstverständlich sei, müssten die Briten am Beispiel von Nordirland gerade wieder erfahren, wo nach dem Karfreitagsabkommen im Jahr 1998 jüngst wieder Unruhen aufgeflammt seien. Zwar traue sie den Briten die Rückkehr zu. Aber das sei eine lange Reise, die es zu bewältigen gelte. Und gerade in dieser wichtigen Phase bedürfe es vieler menschlicher Begegnungen: “Denn die können viel mehr ausrichten als zahlreiche Staatsbankette.”

Durchaus kritisch richtete die Ministerin den Blick auch nach Osten. Bei aller Kritik müsse man aber bedenken, dass die Menschen in einem Land und die jeweilige Regierung “immer zwei Paar Schuhe” seien. Das zeige nicht zuletzt auch die Partnerschaft des Kreises mit dem polnischen Puck.

Einträchtig wehen die Fahnen von Europa (links) und Polen (3. von links) neben den Nationalflaggen der Partnerstädte und der Trierer Stadtfahne (rechts).

Viele Polen haben hier eine neue Heimat gefunden

Dessen Repräsentant, der stellvertretende Landrat Tomasz Herrmann, ließ keinen Zweifel über seine Haltung zu Europa. Polen begehe nun den 15. Jahrestag des Beitritts zur Europäischen Gemeinschaft. Dem Land habe das sehr viel gebracht und auf dem Weg in eine moderne Gesellschaft geholfen. Ganz besonders habe die Jugend davon profitiert, die seither auch an europäischen Schulen und Universitäten lernen könne. Wobei man auch die Reisefreiheit nicht vergessen dürfe. Auch dadurch hätten viele Polen in Deutschland – auch in der Großregion Trier – ein neues Zuhause gefunden. Für den Politiker sind das alleine schon genügend Gründe, nicht im Ringen um eine gemeinsame Zukunft innerhalb von Europa nachzulassen.

Dem schloss sich Landrat Marko Wolfram aus Rudolstadt vollumfänglich an. Als in Deutschland die Mauer fiel, sei er gerade 15 Jahre alt gewesen. Als junger Student, der nun frei reisen konnte, habe er dank des europäischen Erasmus-Programms auch in Großbritannien studieren können. Aus eigener Erfahrung könne er nachvollziehen, wie wichtig der Austausch unter den Völkern sei. Zur Bewältigung der aktuellen Krise empfahl Wolfram einen Blick in die Weimarer Verfassung, die in diesem Jahr 100 Jahre alt wird. Schon hier habe man sich mit der Zähmung des Kapitalismus beschäftigt. Ein Blick, der für Europa ganz wichtig sein könnte.

Im Anschluss an den Festakt, der vom Bläserquintett “Tiny Brass” musikalisch in bester Weise umrahmt wurde, stand auch noch eine symbolische Handlung auf dem Programm. Auf dem Basilika-Vorplatz, wo die Nationalflaggen der Trierer Partnerstädte wehen, waren zwei weitere Fahnenmasten angebracht worden, wo die Teilnehmer gemeinsam die polnische Fahne und die Europa-Fahne hissten. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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