Petrus, der OB und die Macht des Schicksals

Pyrotechnik zu den Klängen von Tschaikowskis "Ouvertüre 1812". Fotos Rolf Lorig

Pyrotechnik zu den Klängen von Tschaikowskis “Ouvertüre 1812”. Fotos Rolf Lorig

TRIER. Es gibt Abende, die vergisst man nicht. Das kostenlose Picknickkonzert für alle Bürger am Freitagabend mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Trier zählt mit Sicherheit dazu. Generalmusikdirektor Victor Puhl hatte hoch gepokert: Sollte es an dem Abend regnen, würde das Konzert ausfallen. Doch wie schon beim Altstadtfest bemühte  Oberbürgermeister seinen berühmt guten Draht zu Petrus. Und der hatte schließlich ein Einsehen mit den Trierer Bürgern…

Von Rolf Lorig

Es gibt eine Reihe von Sprichwörtern, die man bemühen könnte: ‟Das Glück ist mit den Tüchtigen‟, ‟Wer wagt, gewinnt‟ und viele mehr. Fakt ist, dass die Wetterkarte in den letzten Tagen nichts Gutes für den Freitagabend in Aussicht gestellt hatte. Was aber mehr als 1000 Menschen nicht davon abgehalten hatte, sich mit Decken, Campingstühlen und Picknickkörben auf den Weg zur Porta Nigra zu machen. Und es sieht zunächst auch danach aus, als ob das Wetter doch halten würde. Das Orchester eröffnet das Konzert mit ‟Freude schöner Götterfunken‟, was das Publikum in bester Night-of- the-proms-Manier zum Mitsingen nutzt. Oberbürgermeister Wolfram Leibe kommt auf die Bühne, freut sich über die vielen Menschen und bedankt sich bei Victor Puhl, der die Idee zu diesem Konzert hatte. Dass diese Umgebung die akustische Perfektion eines Konzertsaales vermissen lassen würde, ist dem Oberbürgermeister klar. Doch das ist ihm egal: ‟Es muss nicht immer alles perfekt sein: Wir haben ein herausragendes Orchester und einen hervorragenden Generalmusikdirektor‟, ruft der OB unter dem Jubel des Publikums und stellt dann die rhetorische Frage, was dagegen spreche, wenn man sich selbst unter diesen Gegebenheiten mit diesem Konzert ein Geschenk mache. Mit dem Ausruf ‟Ich bin stolz, dass unser Orchester heute für uns spielt‟ liefert er dem Publikum erneut eine tosende Applausvorlage und damit gehört die Bühne dann endgültig Generalmusikdirektor (GMD) Victor Puhl und dem Philharmonischen Orchester.

Ungemach droht

GMD Victor Puhl

GMD Victor Puhl

Die Musiker haben sich mit Barbara Ullmann, die für die Moderation verantwortlich zeichnete,  und dem Bariton Nico Wouterse die passende Verstärkung mitgebracht, was das Publikum schon bald zu hören bekommen soll. Dass aber Ungemach drohen könnte, macht gegen 20:07 Uhr der erste Donner deutlich. Doch noch hält das Wetter. Das Orchester eröffnet mit  einer Ouvertüre aus Verdis ‟Die Macht des Schicksals‟ und stellt damit schon seine feinen Antennen unter Beweis. Doch das Wetter hält immer noch. Dann hat Nico Wouterse mit Verdis ‟Monolog des Jago‟ seinen Auftritt. Und dann geschieht es. Erst sind es nur wenige Tropfen, die vom Himmel fallen. Die Musiker spielen tapfer weiter. Dann regnet es stärker und dem GMD bleibt wegen der kostbaren Instrumente nichts anderes übrig als um 20:18 Uhr mitten im Stück abzubrechen. Eilig bringen die Musiker ihre Instrumente in Sicherheit während sich das Publikum mit Schirmen und Regencapes wappnet.

Über 1000 Menschen bevölkern den Vorplatz und die benachbarte Simeonstraße.

Über 1000 Menschen bevölkern den Vorplatz und die benachbarte Simeonstraße.

20:21 Uhr. Es fällt kaum noch Regen vom Himmel, Hoffnung macht sich im Publikum breit. Doch schon wenige Minuten später platzt diese Hoffnung wie eine Seifenblase.

20:32 Uhr. Noch kann niemand sagen, wie und ob es weitergeht. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. In diesem Moment starten die Blechbläser ihre Initiative, blasen mit ihren Instrumenten gegen die Wirren des Wetters an. Das Publikum spendet reichlich Applaus, ist begeistert. Petrus aber offenbar auch. Mehr und mehr lichtet sich der Himmel.

20:35 Uhr. Techniker ziehen Planen von den Pauken, Musiker packen erneut ihre Instrumente aus. Der Blick zum Himmel gibt Hoffnung. Zwar sind die Gewitterwolken nach wie vor nicht zu übersehen, aber das Wetter beruhigt sich zusehends.

Ein kurzer Schreckmoment

Ein kurzer Schreckmoment

20:38 Uhr. GMD Puhl hebt den Taktstock, das Konzert wird fortgesetzt. Kurz brandet Jubel auf, dann stellt sich die gebührende Ruhe ein. Das Orchester spielt das Adagio von Aram Chatschaturjan aus dem Film Spartacus. Die richtige Musik zur Besänftigung des Wettergottes, wie sich zeigt. Es bleibt trocken, die Außentemperatur stabilisiert sich bei 24 Grad.

Ungetrübter Genuss

Und dann gibt es nichts mehr, das den Genuss des Abends noch beeinträchtigen könnte. Die Freude des Publikums an der gebotenen Musik überträgt sich auf die Musiker. Man kann es förmlich spüren, vor allem aber hören, wie sehr sie alle diesen Abend genießen. Das Programm ist überaus abwechslungsreich, reicht von Verdi bis John Williams. Besonders die jüngeren Besucher applaudieren begeistert, als die ersten Takte von ‟Star Wars‟ erklingen.

Volksfeststimmung auf dem Porta Nigra-Vorplatz

Volksfeststimmung auf dem Porta Nigra-Vorplatz

Gegen 21:40 Uhr kommt dann der Höhepunkt des Abends: Die “Ouvertüre 1812‟ von Peter Iljitsch Tschaikowski, mit der der russische Komponist den Sieg Russlands über Frankreich in den napoleonischen Kriegen thematisierte. Für die in der Komposition aufgenommenen Kanonenschüsse hatte sich der GMD etwas Besonderes einfallen lassen: Pyrotechnik ersetzte nicht nur den Gefechtslärm sondern brachte auch noch die dazu passende audiovisuelle Umrahmung. Minutenlang anhaltende standing ovations und nicht enden wollende Zugaberufe. Und dem folgen die Musiker gerne und machen erneut mit der Filmmusik von ‟Indiana Jones‟ vor allem die jüngeren Zuhörer zu treuen Fans.


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur 3 Kommentare

3 Kommentare zu Petrus, der OB und die Macht des Schicksals

  1. Monika

    Ein wundervoller Abend mit wundervollen Zuhörern.
    Man sah und hörte das Akteure und Publikum Spaß hatten.
    Ein Dank auch an die Zuschauer, das sie (fast) keinen Müll hinterlassen haben. Wir hoffen auf weitere solch “guter Ideen”.
    Gerne hätte ich für dieses Event etwas gespendet.

     
    • Dr. Liane Arimond

      DANKE für diesen wundervollen Abend!
      Mögen noch viele solche “gute Ideen” mit dem hoch geschätzten GMD Herrn Puhl folgen.

       
  2. Giesela Seutter

    Ein Hauch von Verona vor der Porta – na endlich ! danke an alle , die das möglich machten , die Akteure und dem Publikum , das samt Kind , Kegel und Hunden diesen schönen Klängen vereint lauschten – es war eine wunderschöne Stimmung . Es kam einem der Glanz von Ustinov aus den Zeiten der Antikenfestspiele in den Sinn … Dieses Konzert wird sich hoffentlich etablieren im jährlichen Kalender der Stadt …eine Mischung aus ´´ Waldbühne ´´ und ´´ last night of the proms “ – halten wir uns alle die Daumen dafür und auch ich hätte gern etwas gespendet

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.