Pfiffige Lösungen für preiswerten Wohnraum gesucht

So soll das Burgunderviertel nach seiner Fertigstellung einmal aussehen. Grafik: Stadtplanungsamt

TRIER. Die Stadt braucht dringend neuen, bezahlbaren Wohnraum. Die Möglichkeiten dazu sind nicht gerade üppig gegeben. Viele junge Familien richten deshalb ihre Hoffnungen auf das Burgunderviertel. Eine ehemalige Wohnsiedlung der Franzosen, die nun von der Entwicklungsgesellschaft egp und der Stadt Trier wiederbelebt werden soll. Am Dienstag hatte das Stadtplanungsamt zu einer Frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung auf den Petrisberg eingeladen.

Von Rolf Lorig

Welche Möglichkeiten bietet dieses Quartier? Den Rahmen hatte David Becker, Geschäftsführer der egp, vorgegeben: “Wir wollen hier keine großen Grundstücke, die niemand bezahlen kann.” Vielmehr seien pfiffige Lösungen gefordert, die einer möglichst großen Zahl von Menschen preiswerten Wohnraum bringe.

Wie das aussehen kann, darüber hatte sich im Auftrag der egp das Wiesbadener Büro “Stadt.Quartier” einige Gedanken gemacht. Das Ergebnis dessen stellte Mareike Borkeloh den zahlreichen Zuhörern vor. Ihren Ausführungen zufolge können im Burgunderviertel zwischen 340 bis 390 Wohneinheiten entstehen. Dazu kommen rund 60 Einfamilienhäuser sowie 45 Wohneinheiten in besonderen Wohnformen.

Vorhanden sind 50 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern, die nach erfolgter Sanierung auch künftig genutzt werden können. Dazu gibt es Potenzial für bis zu 80 weitere Wohneinheiten. Alles in allem ergebe sich aus diesen Zahlen ein Dichtewert von 50 bis 61 Wohneinheiten pro Hektar.

Nur 13% der Wohneinheiten werden Einfamilienhäuser

Eine erste kurze Zusammenfassung: 54 Prozent der künftigen Wohneinheiten finden sich demnach in Mehrfamilienhäusern, die von der egp gebaut werden, 11 Prozent in bestehenden Mehrfamilienhäusern, weitere 13 Prozent werden durch die Stadt neu gebaut, neun Prozent finden sich in besonderen Wohnformen (Bauherr ebenfalls egp) und lediglich 13 Prozent der Wohneinheiten werden Einfamilienhäuser (Bauherr: egp) sein. Der Anteil des geförderten Wohnraums bei der egp beträgt 25 Prozent und der der Stadt 100 Prozent.

Zahlen, die deutlich machen, dass dem Gedanken des freistehenden Einfamilienhauses mit Garten keine Bedeutung zukommt: “Hier handelt es sich um eine Fläche, die sich sehr gut für eine etwas andere Wohnform anbietet und zu schade für die klassischen Einfamilienhäuser ist”, hatte eingangs des Abends bereits Iris Wiemann-Enkler, die Leiterin des Stadtplanungsamtes, festgestellt.

Eine Ansicht, die Mareike Borkeloh teilt. Den Besuchern präsentierte sie ein Konzept, das in der Tat eine Fülle von architektonischen Ideen in sich birgt und das in seiner Ideenbreite vom Mikrohaus mit einer Wohnfläche um die 80 m2 über Kettenhäuser bis hin zu gestaffelten Geschosswohnanlagen reicht. Klassischen Überlegungen (“Braucht wirklich jeder einen Garten, um darin eine Schaukel für die Kinder aufzubauen? Die verlagert man besser auf Gemeinschaftsflächen.”) erteilt sie dabei eine klare Absage. Der Vorschlag des Wiesbadener Entwicklers sieht stattdessen öffentliche Freiflächen vor, wo sich viele Menschen begegnen, anstatt sich zu separieren. Dazu zählen auch Gemeinschaftshöfe mit Gemeinschaftsgärten.

Das alles findet sich im zentral gelegenen Burgunder Bogen, dessen architektonische Form für den Namen verantwortlich zeichnet. Ein feingesponnenes Wegenetz verbindet von dort aus aus die Wohnungen im Quartier. Wer aber unbedingt einen eigenen Garten anstrebt, muss sich um eines der eher raren Grundstücke bemühen, die in einer überschaubaren Größe und Anzahl die Form des althergekommenen Wohnens ermöglichen.

Geschosswohnungen am Bogen soll Quartiersbezug stärken

Entlang des Bogens haben die Geschosswohnungen ihren Platz, erst dahinter findet sich die Einfamilienhaus-Bebauung. Der Gedanke ist, dass durch diese Bauweise ein starker Bezug zum Quartier aufgebaut werden kann. Auch in der Nachbarschaft zur Robert-Schuman-Allee und damit neben den Studentenwohnungen, wird die Geschossbauweise fortgeführt. Alles in allem, so Mareike Borkeloh, werde durch die Durchmischung eine Wechselwirkung zwischen Wohnbebauung und Freiräumen angestrebt.

Bei der Ideenfindung wurde in der Tat alles Gewohnte infrage gestellt. Selbst die Abfallbehälter finden sich nun an zentralen Punkten – natürlich eingehaust, aber eben nicht direkt am Haus.

Ein Thema, das im Zusammenhang mit dem Burgunderviertel immer wieder aufploppt, ist der Verkehr. Klar ist, es wird nicht die von der SPD im Kürenzer Ortsbeirat geforderte autofreie Siedlung geben. Aber eine verkehrsberuhigte. Wer mit dem Auto in das Burgunderviertel kommt, hat kaum eine Chance, mit dem Wagen bis ans Haus zu kommen. Ausnahme: Rettungsdienste und Müllabfuhr. Versenkbare Poller sollen das sicherstellen.

Doch wohin mit dem Auto? Die Zufahrt in das Burgunderviertel wird über zwei Zufahrten ermöglicht: von der Pluwiger Straße her und von der Robert-Schuman-Allee aus. Beide Zufahrten führen zum Burgunder Bogen, wo sich ein viergeschossiges Parkhaus in Hochbauweise befindet, dem die Planer den klangvollen Namen “Mobilitätskultur” gegeben haben. Den Grund dafür erläuterte Mareike Borkeloh: “Das Gebäude wird mehr als ein reines Parkhaus sein, hier werden sich auch Möglichkeiten für alternative Formen der Mobilität finden.” Soll heißen, dass es hier Angebote und Ladestationen für E-Bikes, Car-Sharing oder aber auch ein Bollerwagen-Verleih geben soll, der den Transport von Einkäufen vom Auto hin zum Haus erleichtern soll. Neben diesem Parkhaus soll es aber noch weitere Stellflächen, darunter auch in privaten Tiefgaragen, geben.

Ob das Viertel in der Nord-Süd-Achse durchfahren werden kann, muss allerdings erst noch ein Verkehrsgutachten klären. Für die Ost-West-Achse, die die Zufahrt zur Kita ermöglicht, soll es dagegen keine Zufahrtsbeschränkung geben.

Und so geht es weiter

Wie geht es nun weitergeht, erläuterte abschließend Iris Wiemann-Enkler. Abgeschlossen ist demnach die Verkehrsuntersuchung, die auf der Kohlenstraße in Richtung Alt-Kürenz eine Erhöhung des Verkehrs um 3,2 Prozent und in Richtung Petrisberg/Sickingenstraße 1,3 Prozent mehr Fahrzeuge prognostiziert. Keine Veränderung werde es in Richtung des Tarforster Plateaus geben. In Arbeit sei derzeit noch die schalltechnische Untersuchung zum aktuellen städtebaulichen Konzept. Die artenschutzfachliche Erfassung zu Avifauna und Fledermäusen inklusive dem Bericht zur artenschutzfachlichen/rechtlichen Bewertung “ist in Bearbeitung”, vorhanden der Bericht zur Untersuchung der Versickerungsfähigkeit des Bodens.

Nach der Einarbeitung der Stellungnahmen aus der frühzeitigen Beteiligung erfolgt dann die Vorbereitung der Bebauungsplan-Entwurfes, der dem Stadtrat im Herbst 2019 zum Beschluss über die öffentliche Auslegung und eines erneuten Aufstellungsbeschlusses vorgelegt werden soll. Dann folgt die gemeinsame Beteiligung von Behörden und Öffentlichkeit sowie die Abwägung der öffentlichen und privaten Belange. Im Frühjahr 2020, so die Leiterin des Stadtplanungsamtes abschließend, könnte es schließlich zum Satzungsbeschluss und damit zum baldigen Start der Bautätigkeiten kommen.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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