Pogromnacht – “Erinnerung lebendig halten”

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verurteilte auf ihrem Rundgang in Trier die Angriffe auf geplante Asylbewerberunterkünfte in Deutschland.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verurteilte auf ihrem Rundgang in Trier die Angriffe auf geplante Asylbewerberunterkünfte in Deutschland.

TRIER. Bei einem Rundgang entlang der sogenannten Stolpersteine in Trier hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Montag den gesamtgesellschaftlichen Auftrag betont, die Erinnerung an die grausame Zeit der NS-Diktatur wach zu halten. “Wir haben eine gemeinsame Verantwortung dafür, dass die Verbrechen der Nationalsozialisten und das Leid der Opfer nicht vergessen und Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden”, so die Ministerpräsidentin. Gemeinsam mit Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) besuchte sie drei der inzwischen rund 60 Standorte in Trier, an denen Gedenksteine an Opfer des Naziregimes erinnern. Erst im April waren unter anderem in der Neustraße weitere Stolpersteine verlegt worden.

“Die meisten Menschen in Deutschland kennen die Zeit der NS-Diktatur nicht aus eigenem Erleben. Gerade deshalb ist es wichtig, mit Mahnmalen die Erinnerung lebendig zu halten. Junge Menschen müssen um unsere Geschichte wissen. Sie müssen erfahren, wie es zur Herrschaft des Nationalsozialismus kommen konnte und welche Verbrechen begangen wurden”, sagte die Ministerpräsidentin. Mit Stadtführungen, die beispielsweise unter dem Motto “Stolpersteine erzählen” speziell für Schülergruppen angeboten werden, leiste die AG Frieden wichtige Erinnerungsarbeit und setze sich aktiv gegen das Vergessen ein. “Dafür danke ich Ihnen”, sagte die Ministerpräsidentin.

Neben der zentralen Gedenkfeier in der Synagoge in der Kaiserstraße gedenkt die AG mit einem "Rundgang gegen das Vergessen" der Pogromnacht vor 77 Jahren.

Neben der zentralen Gedenkfeier in der Synagoge in der Kaiserstraße gedenkt die AG mit einem “Rundgang gegen das Vergessen” der Pogromnacht vor 77 Jahren.

“Gedenkarbeit ist in besonderer Weise Präventionsarbeit. Sie zeigt, dass wir heute mutig und entschlossen jeder Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus widersprechen müssen. Es ist bedrückend, dass wir in einer Zeit leben, in der fremdenfeindliche Parolen und Gewalt wieder zunehmen. Das Gedenken an den 9. November verpflichtet uns, mit der Kraft der ganzen Gesellschaft dem energisch entgegenzutreten. Und es verpflichtet uns auch, unserer humanitären Verantwortung gegenüber Menschen, die Schutz bei uns suchen, nachzukommen. Wer die Kultur des Erinnerns pflegt, stärkt unsere Demokratie und schützt sie vor rechten Gefahren”, so Dreyer. Erneut verurteilte sie in diesem Zusammenhang die Angriffe auf geplante Asylbewerberunterkünfte. “Wer Schutz suchend zu uns kommt, der muss selbstverständlich auch in Sicherheit leben können. Ausländerfeindlichkeit und rechtsextremistische Rhetorik haben in unserem Land keinen Platz”, betonte die Ministerpräsidentin.

Mit ihren individuellen Geschichten seien die Stolpersteine außerdem Mahnmale für Demokratie und Frieden. “Diese Werte müssen wir verteidigen, damit Hass, Gewalt und Intoleranz keine Chance haben, damit sich die Katastrophe aus NS-Diktatur und Zweitem Weltkrieg niemals wiederholt”, sagte Dreyer.

Das Stolpersteinprojekt wurde 1992 vom Künstler Gunter Demnig initiiert. Inzwischen existieren die Gedenksteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. Die im Boden eingelassenen Steine erinnern an das Schicksal der Menschen, die in der NS-Zeit verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden. Ihre Namen sind jeweils in einer Gedenktafel aus Messing auf der Oberseite der Steine verewigt. Sie markieren den letzten selbstgewählten Wohnort der Opfer des Nationalsozialismus und sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. 2005 brachten die AG Frieden und der Kulturverein Kürenz das Projekt nach Trier. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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