Preis für Zivilcourage – Mutige Helfer, besonnene Köpfe

Matthias Kern, Josua Klein, Till Werkhausen und Louis Ziegler entdeckten einen Mann, der sich das Leben nehmen wollte, alarmierten Polizei und Rettungskräfte. Foto: Gabi Böhm

Matthias Kern, Josua Klein, Till Werkhausen und Louis Ziegler entdeckten einen Mann, der sich das Leben nehmen wollte, alarmierten Polizei und Rettungskräfte. Foto: Gabi Böhm

TRIER. Sie sind Vorbilder: Ein Mann verhindert in letzter Sekunde, dass ein Jugendlicher in den Tod springt. Ein Bankangestellter setzt dem Bankräuber nach – und nimmt ihm die Beute ab. Ein zufälliger Passant bemerkt Feuer in einem Wohnhaus, alarmiert die Feuerwehr, sucht nach Verletzten und beginnt eigenhändig mit den Löscharbeiten. Und ein Trio verhindert eine Vergewaltigung. Sie und viele weitere besonnene Köpfe wurden jetzt mit dem Zivilcourage-Preis der Stadt Trier und des Polizeipräsidiums ausgezeichnet.

Von Gabi Böhm

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Helfer wandeln, weiß natürlich Oberbürgermeister Klaus Jensen. Helfen, aber sich nicht selbst in Gefahr bringen. Vorbild sein, aber nicht leichtsinnig werden. Mut zeigen, aber nicht den Held spielen. “Wer nichts tut, macht mit!” Der Polizei-Slogan erfasst griffig, um was es geht: Sich um Menschen kümmern, wachsam sein, eingreifen, wo es erforderlich ist und die Profis von der Polizei und Feuerwehr rufen. Das zeigten die Geschichten der Geehrten am Donnerstagabend im Großen Ratssaal eindrucksvoll. Seit drei Jahren vergibt die Stadt Trier gemeinsam mit dem Trierer Polizeipräsidium den Preis für Zivilcourage. 31 Bürger waren am Abend in den Ratssaal gekommen, um aus den Händen von OB Klaus Jensen und Polizeipräsident Lothar Schömann Urkunden und ein kleines Präsent entgegen zu nehmen. Beide waren von der grassierenden Erkältungswelle betroffen – die Auszeichnung nahmen sie in Anwesenheit von Stadtratsmitglieder und Polizeibeamten dennoch persönlich vor. Alle couragierten Helfer haben im vergangenen Jahr Großartiges geleistet, wie sich bei den kurzen Beschreibungen der oft dramatischen Ereignisse zeigte.

31 Bürgerinnen und Bürger wurden am Donnerstagabend im Ratssaal von OB Jensen und Polizeipräsident Schömann mit dem Preis für Zivilcourage geehrt (Namen siehe unten). Foto: Gabi Böhm

31 Bürgerinnen und Bürger wurden am Donnerstagabend im Ratssaal von OB Jensen und Polizeipräsident Schömann mit dem Preis für Zivilcourage geehrt (Namen siehe unten). Foto: Gabi Böhm

Wie beispielsweise Fritz Zahnd, ein Jurist in Luxemburg, der schon zum zweiten Mal einen Lebensmüden von der Biewerbachtalbrücke rettete. Im vergangenen Jahr war es ein junger Mann, der bereits ein Bein über die Brüstung geschwungen hatte, als Zahn auf die Brücke fuhr. Zahnd bremste ab, stellte sein Auto quer zur Fahrbahn und rannte zu dem Mann – in diesem Moment hatte der Lebensmüde bereits das andere Bein jenseits des Geländers. Zahnd nahm ihn in den Schwitzkasten und verhinderte, dass er sprang. “Ich freue mich über die Auszeichnung heute, aber mehr noch über die Dankesworte der Polizisten damals!”, sagt er. Hatte er keine Angst, mit in den Tod gerissen zu werden? “Ja, das war gefährlich, aber das realisierte ich damals nicht. Gefährlicher war es wohl, quer über die Fahrbahn zu laufen!” Kontakt zu dem jungen Mann gebe es heute keinen, dessen Eltern bedankten sich aber damals bei ihm.

Eigentlich wäre jede Geschichte erzählenswert. Wie die von Jasmin und Karin Herrmann. Sie verhindern, dass eine junge Frau im Ostallee-Parkhaus in die Tiefe springt. Oder die von Ferdinand Tix, der einen Brand in einem Haus bemerkt, die Feuerwehr alarmiert und sogleich eigenhändig mit den Löscharbeiten beginnt. “Da sollten wir die Personalstärke der Feuerwehr nochmal überdenken, wenn das alles auch so gut geht!”, flachst Jensen, der genauso wie Schömann warme und aufrichtige Dankesworte an die verdienten Bürger richtet.

Daniel Hoff, Christian Spieles und Eric Thielen verhinderten eine versuchte Vergewaltigung in der Trierer Kochstraße. Foto: Gabi Böhm

Daniel Hoff, Christian Spieles und Eric Thielen verhinderten eine versuchte Vergewaltigung in der Trierer Kochstraße. Foto: Gabi Böhm

Fast immer ist es ein Zufall, dass die richtigen Leute an der richtigen Stelle sind – und richtig reagieren. So wie Eric Thielen, Herausgeber des reporters. Er steht in der Nacht von Rosenmontag auf Fastnachtdienstag rauchend auf dem Balkon seiner Wohnung, als er die Schreie einer Frau hört. Das entpuppt sich nicht als harmloses Rosenmontags-“Palawer”, sondern als versuchte Vergewaltigung (“Hilfe, der bringt mich um!”). Thielen, im Schlafdress, reagiert, läuft auf die Straße, vertreibt mit Christian Spieles und Daniel Hoff den Täter und kann der Polizei den Fluchtweg beschreiben. Einige Minuten später hat die Polizei den Mann gefasst. Zur rechten Stelle sind auch Matthias Kern, Josua Klein, Till Werkhausen und Louis Ziegler. Die Schüler entdecken bei einer Fahrradfahrt einen Mann, der sich das Leben nehmen will und informieren die Rettungsdienste.

“Sie haben aus Überzeugung und instinktiv gehandelt, um zu helfen”, lobt Oberbürgermeister Jensen seine Gäste. Mit dem Verhalten der Geehrten hätte sich Zivilcourage ganz konkret auf die Bürgerinnen und Bürger ausgewirkt. Der Einsatz der Geehrten sei mehr als eine Unterstützung polizeilicher Arbeit, schließt sich Polizeipräsident Schömann an. “Sie helfen in erster Linie einem Opfer und unserem staatlichen Gemeinwohl.”

Aufmerksame Nachbarn, die die Polizei verständigen, so dass Einbrecher noch an Ort und Stelle festgenommen werden, Passanten, die Laden- oder Straßendiebe festhalten… Etliche der couragierten Aktionen kann man als aufregende Lebenseinschnitte an Gestik und Mimik der Geehrten ablesen. Manche sind gelassen bei der Ehrung, andere eher gerührt. So wie zum Ende der Feierstunde kurz vor einem kleinen Empfang, als das Querflötentrio der Karl-Berg-Musikschule mit Mira Weis, Veronika Tombers und Gillian Lorenz (Dirigentin: Gertrud Pazen) den Titanic-Song “My heart will go on” als Gänsehaut-Interpretation vorträgt. Großer und ehrlicher Applaus, so wie für jeden der mutigen Helfer. (gb)

DIE GEEHRTEN

Nicole Hey aus Rückweiler, Karl Heinz und Christopher Lauer aus Palzem, Matthias Kern, Carina Roth, Martin Roth aus Kordel, Josua Klein aus Mehring, Till Werkhausen aus Hetzerath, Louis Ziegler aus Schweich, Eric Thielen, Georg Peter Staudt, Klaus-Jürgen Kehr, Olivia Ostrovski, Christian Lamberty, Bernhard Tönnes, Sascha Nyenhuis, Johannes Immanuel Ranalletta, Rachel Buckingham, Jasmin Herrmann, Karin Herrmann, Christian Spieles, Isabel Störmann, Fritz Zahnd aus Trier, Daniel Hoff aus Forchheim, Jürgen Berger aus Holsthum, Michaela Becker aus Konz, Stephan Denis aus Naurath, Georg Barthen aus Wittlich, Ferdinand Tix aus Peffingen, Werner Josef Greif aus Trierweiler und Christian Mentges aus Traben-Trarbach.


Drucken
Erstellt am Autor Gabi Böhm in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.