Römerschiff am Haken

Die Laurons2 hängt an den Haken.

TRIER. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde der originalgetreue Nachbau eines römischen Handelsschiffes (Informationen siehe Extra) vom Campus der Universität Trier hinunter zum Bauhof des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Trier transportiert. Das interdisziplinäre Trierer Forschungsprojekt der Uni Trier und der Hochschule Trier soll erstmals die Leistungsfähigkeit eines seegängigen römischen Handelsschiffes untersuchen und wird seine erste Daten auf der Mosel im Oberwasser der Staustufe Trier sammeln. Zu diesem Zweck wird es bis auf weiteres im Bauhof des WSA Trier seinen Heimathafen haben.

“Wir freuen uns sehr, eine solche Besonderheit bei uns im Hafen liegen zu haben und damit den Forschungsstandort Trier unterstützen zu können”, sagt Albert Schöpflin, Leiter des WSA Trier.

Mittels zweier Schwerlastkräne wurde das Holzschiff auf heutigen Donnerstag vom Lkw auf die Helling gehoben, von der es nun langsam zu Wasser gelassen werden kann.

Die feierliche Schiffstaufe findet am 5. Juli statt. Taufpatin wird die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sein.

Extra

Das Projekt ist Teil der Wissenschaftsallianz Trier. Es beruht auf der engen und langjährigen Zusammenarbeit von Universität Trier durch Christoph Schäfer (Fachbereich Alte Geschichte) und Hochschule Trier durch Michael Hoffmann und Karl Hofmann-von Kapherr (Fachbereich Technik, Fachrichtung Maschinenbau) bei der Erforschung antiker Schiffe. Neben einer computerunterstützten 3D-Rekonstruktion und der Ermittlung von Simulationsdaten entstand seit Anfang Mai 2017 auf dem Besucherparkplatz Ost der Universität Trier die originalgetreue Rekonstruktion eines römischen Handelsschiffes vom Typ “Laurons2”.

Es handelt sich dabei um ein Segelschiff, das vermutlich gegen Ende des 3. nachchristlichen Jahrhunderts in einem kleinen Hafen an der südfranzösischen Küste nahe Marseille einem Sturm zum Opfer fiel und unterging.

Im römischen Reich waren Handelsverbindungen bis nach Indien und in den Norden Europas fest etabliert. Tatsächlich lässt sich die Globalisierung schon in der römischen Kaiserzeit beobachten, und in deren Mittelpunkt stand der Transport auf dem Schiffsweg sowohl über die See als auch auf den Binnenwasserstraßen. Um die Intensität des antiken Seehandels im Bezug auf die heutige Globalisierung nachzuvollziehen, ist es wichtig, herauszufinden, wie sich die Transportkosten zusammensetzten. Entscheidend ist die Analyse der Fahreigenschaften der Frachter, insbesondere unter Segel.

Mit der “Laurons2” sollen die Fahreigenschaften zunächst in der Mosel gemessen und mit Simulationsdaten verglichen werden. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen, Featured 1 Kommentar

Kommentar zu Römerschiff am Haken

  1. franz-georg horras

    meine Frau und ich waren heute Nacht beim Transport des Schiffes von der Uni zur Mosel dabei. Es ist mir ein Bedürfnis, meine Bewunderung für die technische Leistung zu
    zeigen. Sowohl die Mitarbeiter der Fa.Steil als auch die Polizei und die Begleiter haben
    eine tolle Leistung erbracht- und genau zum Start begann auch noch ein ziemlich starkes Gewitter mit Sturmregen- eine echte Herausforderung, was Respekt abverlangt.

     

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