Römisches Leben auf römischem Erbe

Auch Gladiatorenkämpfe stehen auf dem Programm. Fotos: Rolf Lorig

Auch Gladiatorenkämpfe stehen auf dem Programm. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Mit der Einladung zu einem Römerfest hatte die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz den berühmten Nagel auf den Punkt getroffen. Bereits am Vormittag pilgerten Hunderte durch die Zeltstadt auf dem Gelände der Kaiserthermen, informierten sich über das Leben der Römer vor rund zwei Jahrtausenden.

‟Venite!” Die gebieterische Stimme des Kommandeurs lässt keinen Zweifel, die Mannschaft muss antreten. Auch wenn der ein oder andere ‟Miles‟ (Soldat) noch unverhohlen gähnt – Pflicht ist Pflicht. So richtig frisch sieht die Truppe nicht gerade aus. Entweder war der gestrige Abend zu lang oder aber das Wetter setzt den Kämpfern zu. Zu warm ist es mit 24 Grad Außentemperatur nicht. Das Problem liegt eher in der Luftfeuchtigkeit: 67 Prozent, das hat schon eine tropische Qualität.

Ulrich Bantes (rechts) fertigt unter dem Namen Cultellus originalgetreue Messer und Schwerter.

Ulrich Bantes (rechts) fertigt unter dem Namen Cultellus originalgetreue Messer und Schwerter.

Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums, scheint das aber nicht wirklich etwas auszumachen. Wie so oft wird er auch an diesem Morgen von seinem Dackel begleitet, der das bunte Treiben um ihn herum gelassen beobachtet. Reuter freut sich über das Interesse der Besucher. Wenn das Wetter mitspielt, können an beiden Tagen rasch 10.000 Menschen und mehr hier zusammenkommen, schätzt er. Gerne hätte er noch mehr Informationen mit auf den Weg gegeben. Doch ein Team des Fernsehsenders ‟arte‟ wartet auf ihn, die TV-Kollegen werden mit ihm über die Wurzeln Europas sprechen. Man habe mit dieser Veranstaltung eine neue Qualität geschaffen um zeigen, dass Hollywood und reale Geschichte zwei unterschiedliche Dinge seien, betont der Direktor zum Schluss.

Ganz schön schwer so ein Helm, stellt David fest.

Ganz schön schwer so ein Helm, stellt David fest.

Und in der Tat – dieser Ansatz ist gelungen. Wie spannend und interessant Geschichte und Wissenschaft  sein kann, erfahren die Besucher auf spielerische Art. Rund 200 Mitwirkende tragen dafür Sorge. Die Besucher können beobachten, wie Kettenhemden hergestellt werden. Oder was zur Herstellung von Schwertern, Messern und Dolchen erforderlich ist.

Ulrich Bantes ist aus Siegburg gekommen. Im richtigen Leben ist er Industriekaufmann, hat aber auch eine Schlosserlehre absolviert. Die kommt ihm nun zugute. Denn schon seit einigen Jahren stellt Bantes unter dem Szenenamen ‟Cultellus‟ hochwertige Schwerter und Messer her. Wie die Römer das früher angestellt haben, darüber hat er zahllose Bücher gelesen und sich in unzähligen Gesprächen mit Archäologen informiert. Bei der Wahl seiner Werkstoffe geht Bantes keine Kompromisse ein. Naja, fast keine Kompromisse. Denn der Stahl, den ‟Cultellus‟ einsetzt, ist von höchster Qualität. Den hätten die Römer bestimmt früher auch gerne gehabt…

Waffenmeister Andre Verkamp führt das sehr treffsichere Torsionsgeschütz vor.

Waffenmeister Andre Verkamp führt das sehr treffsichere Torsionsgeschütz vor.

Das Thema ‟Waffen‟ treibt ein paar Zelte weiter auch Andre Verkamp und Joachim Lommen um. Als Waffenmeister stellt der gelernte Bauingenieur Verkamp Kettenhemden und Rüstungen her. Der junge David findet Gefallen an einem Soldatenhelm, fragt, ob er ihn mal aufziehen darf. Joachim Lommen nickt. David greift den Helm und stülpt ihn sich über. Überrascht ist er von dem Gewicht. Etwa zwei Kilo wiegt ein Bronzehelm, der je nach Ausschmückung noch deutlich schwerer werden kann.

Furchtloser Legionär

Furchtloser Legionär

Überhaupt ist die Ausrüstung eines Soldaten nichts für Schwächlinge. Alleine das Kettenhemd bringt acht bis zwölf Kilo auf die Waage. Insgesamt betrug das Gewicht der reinen Schutzbewaffnung wie Helm, Schild, Kettenpanzer, Beinschienen wischen 22 bis 28 Kilogramm. Dazu kamen dann die Angriffswaffen wie Schwert, Dolch, Speer und Gürtel,  deren Gewicht sich auf weitere sechseinhalb bis achteinhalb Kilo addierte. Doch damit nicht genug: die Legionäre mussten auch noch ihre persönlichen Habe wie Kleidung und Schuhmaterial transportieren. Was in Summe weitere neun Kilo ausmachte. Wobei die Liste der transportierten Gegenstände immer noch nicht komplett ist, fehlen doch noch Nahrungsmittel, Kochutensilien etc. Alles in allem konnte das Gewicht des Maximalgepäcks bis zu 69 Kilogramm betragen.

Römische Legionäre beim Appell.

Römische Legionäre beim Appell.

Doch bestand das Leben der Römer nicht nur aus Krieg. Dass sie den Genüssen des Lebens gegenüber mehr als aufgeschlossen waren, veranschaulichen zahlreiche weitere Stände. Produkte römischer Glaskunst finden sich hier ebenso wie die Herstellung von Lederarbeiten; es wird Bronze gegossen, getöpfert und Körbe geflochten, es gibt Originalrezepte aus der römischen Küche und praktische Tipps für die Zubereitung; man kann sehen und erfahren, auf welche Hilfsmittel römische Apotheker zurückgriffen; es wird Schmuck angeboten und Einladungen zu Brettspielen ausgesprochen und wer will, kann Gladiatoren beim Zweikampf zuschauen und sie beobachten.

Alles in allem wurde hier ein mehr als spektakuläres zweitägiges Römerfest aufgeboten, von dem viele Besucher hoffen, dass es in den kommenden Jahren ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Stadt Trier werden wird.

Auch am morgigen Sonntag besteht noch einmal von 10 bis 18 Uhr die Gelegenheit zur Begegnung mit dem römischen Leben.  (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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