Roland Jankowsky und die Kunst des Mordens

Mal ohne die Sonnenbrille des Kommissars Overbeck, dafür aber mit Bart und skurrilem Humor unterwegs: Roland Jankowsky. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Seit 20 Jahren gibt er bei “Wilsberg” den etwas trottligen Kommissar Overbeck. Dass Roland Jankowsky aber auch ganz anders kann, stellte er am Sonntag mit einer Lesung im Großen Saal der Tufa unter Beweis.

Von Rolf Lorig

Als der Schauspieler um 20 Uhr die Bühne betritt, empfängt ihn ein warmer Applaus. Etliche der Anwesenden kennen ihn jedoch nicht nur aus dem Fernsehen. Jankowsky war schon mal mit seinem Programm in der Tufa zu Gast. Damals noch im Kleinen Saal. “Der war aber zu klein”, erinnert er sich, “wir mussten eine Dame nach Hause schicken, weil es keine Karte mehr gab.”

Eine nette kleine Anekdote, die im Grunde eigentlich nur einen Sinn hat: Sie soll das Eis brechen. Doch das ist nicht erforderlich, Jankowsky wird vom Fleck weg von seinen Trierer Fans getragen. Der Veranstalter “Popp Concerts” hat gut daran getan, das aktuelle Gastspiel relativ kurzfristig in den Großen Saal zu verlegen. Zwar ist der nicht restlos ausverkauft, doch die Zahl der freien Plätze ist überschaubar.

Der Mann, den die Fernsehzuschauer jüngst zum “coolsten TV-Kommissar” gewählt hatten, geht auch seine Lesung in Trier total cool an. Was schon mit seinem Outfit beginnt: Roland Jankowsky betritt die Bühne mit Bart. “Das sei im ersten Schritt reine Faulheit gewesen”, sagt er nach der Vorstellung gegenüber dem reporter. Dann aber habe er sich mit dem neuen Aussehen angefreundet und beschlossen, den Bart erst einmal stehen zu lassen. Bestärkung bekommt er da vom Kollegen Rainer Laupichler, der an diesem Abend eigentlich als Zuschauer in die Tufa gekommen ist. Doch als Veranstalter der erfolgreichen “Eifel Kulturtage” ist man nie “nur” Zuschauer. Jankowsky sitzt an diesem Abend an einem Tisch, für das Leselicht sorgt eine etwas altertümliche Leuchte, die den Nachteil hat, dass – je nachdem, wo man sitzt – der Leuchtenkorpus das Gesicht des Schauspielers verdeckt. Was Laupichler am liebsten im Interesse des Publikums geändert hätte. Aber, wie gesagt, auch er ist an diesem Abend einfach “nur” Zuschauer…

Dass man sich in dieser Rolle auch sehr wohlfühlen kann, unterstreichen die Besucher, die Jankowsky bei seinen Lesungen förmlich an den Lippen hängen. Er hat vier Kurzgeschichten mitgebracht, jede in etwa eine halbe Stunde lang. Wobei das kurze, aber höchst unterhaltsame Gedicht an dieser Stelle ebenso außen vor bleibt wie die Zugabe am Ende der Lesung.

Makaber, grotesk, surreal und unterhaltend

Nur hin und wieder einen Schluck Wasser – dann geht es weiter mit mörderischer Spannung

Roland Jankowsky hat eine warme, markante, leicht basslastige Stimme. Eine Stimme, die auf Anhieb Sympathien erzeugen kann. Nicht zuletzt deswegen wird er auch bei Hörspielen, Hörbüchern und auch in der Werbung gebucht. Dem Trierer Publikum hat er an diesem Abend Krimiliteratur mitgebracht. Und die hat es in sich. Da wird gemeuchelt und gemordet, dass es nur so eine Wonne ist. Dabei geht es derart makaber, grotesk und surreal zu, dass man gar nicht anders kann als lachen. Tiefschwarzer Humor im Stil eines Tom Sharpe.

Jankowsky spielt mit seiner Stimme, setzt sie ein wie ein Musiker sein Instrument. Er lockt, schmeichelt, gurrt, schmatzt, schreit und flüstert, lullt seine Zuhörer mit Wohlklang ein und reißt sie schon im nächsten Moment mit einem kräftigen Fortissimo aus dieser Wohlfühlumgebung, um detailliert und nicht ohne eine gewisse Vorfreude den nächsten Mord zu beschreiben, der mit Sicherheit niemals als solcher erkannt wird.

Das Publikum jedenfalls hat seinen Spaß, bereitet Roland Jankowsky die emotionale Bühne, die ein Schauspieler für seinen Erfolg braucht. Eine klare Win-Win-Situation, die nur Gewinner kennt. Beide, Schauspieler und Publikum, buhlen um die Gunst des jeweils anderen. Das wird auch in der Pause deutlich, die Jankowsky nicht zur Erfrischung nutzt, sondern sich an den Büchertisch setzt, wo man neben Hörbüchern auch die Literatur käuflich erwerben kann, die an diesem Abend zum Vortrag kommt. Mehr noch: Jankowsky nimmt sich für Autogramme und Fotos mit Fans so viel Zeit, dass er die Pause gnadenlos überzieht. Doch darüber mag sich niemand beklagen, schließlich hatte doch jeder, der wollte, gerade Gelegenheit zu einem Plausch mit dem sympathischen TV-Kommissar gehabt.

Aber jeder Abend hat irgendwann mal ein Ende. So auch dieser Abend. Immerhin gelingt es dem Publikum, mit einem nicht enden wollenden Applaus dem Fernsehstar noch eine Zugabe abzuringen. Die der dann auch gerne vorträgt und seine Zuhörer ein letztes Mal mit der Kunst des Mordens vertraut macht.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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