Schnellzugdampflokomotive zu Besuch in Trier

Die 01 1066 der Ulmer Eisenbahnfreunde wurde 1939 bei der BMAG in Berlin gebaut Foto: Marcus Henschel

Die 01 1066 der Ulmer Eisenbahnfreunde wurde 1939 bei der BMAG in Berlin gebaut
Foto: Marcus Henschel

TRIER. Freunde der Dampfloks kommen am 3. September garantiert auf ihre Kosten. Auf der Fahrt von Stuttgart über Saarbrücken machen die Ulmer Eisenbahnfreunde bei ihrer Sonderfahrt Station in Trier. Gezogen wird der historische Zug von der legendären  Schnellzugdampflokomotive 01 1066.

Für die meisten Kinder und Jugendliche ist der Anblick einer Dampflokomotive eine nicht gerade alltägliche Begegnung, die sich nicht zuletzt durch den Dampf, den Klang der Pfeife und die Urgewalt der Masse nachhaltig einprägt. Bei den älteren Mitbürgern dagegen werden bei der Einfahrt des Sonderzuges – voraussichtlich gegen 12:55 Uhr – Erinnerungen der unterschiedlichsten Art aufkommen.

Die Schnellzugdampflokomotive 01 1066 der Ulmer Eisenbahnfreunde wurde 1939  bei der BMAG in Berlin gebaut und 1940 an die Deutsche Reichsbahngesellschaft abgeliefert. Sie war zu dieser Zeit mit einer Stromlinienverkleidung ausgestattet. Die Deutsche Bundesbahn rüstetete die Lokomotive 1954 mit einem neuen Hochleistungskessel der Firma Henschel aus; im Jahre 1957 wurde die Feuerung von Kohle auf Schweröl umgebaut. In diesem technischen Zustand war die Lokomotive bis zum Jahre 1975 im planmäßigen Einsatz. Das letzte Einsatz-Bahnbetriebswerk war Rheine am Südende der legendären Emslandstrecke.

Danach kam die Lokomotive zu den Ulmer Eisenbahnfreunde und absolvierte bis 1977 zahlreiche Sonderfahrten, ehe das Dampfverbot im Westen Deutschlands eine Abstellung der Maschine erzwang. Die Deutsche Bundesbahn hatte in diesem Jahr mit der Stilllegung der schweren Güterzugmaschinen offiziell die Ära der Dampflokomotiven beendet. Und um das Unternehmen nach außen als modern und fortschrittlich darzustellen, durften selbst zu Nostalgiefahrten keine Dampfloks mehr auf die Strecke. Ein Verbot, das sich bis zum 150-jährigen Jubiläum der Bahn im Jahr 1985 halten sollte.

Doch die 110 Mitglieder des Ulmer Eisenbahnfreunde wollten sich von ihrem Traum nicht verabschieden. Von 1982 bis 1984 unterzogen Vereinsmitglieder die Lokomotive in ehrenamtlicher Arbeit einer gründlichen Hauptuntersuchung und nahmen sie schließlich wieder für Sonderfahrten in Betrieb.

Heute ist die Schnellzugdampflokomotive im Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Heilbronn stationiert und wird vom Verein UEF – Historischer Dampfschnellzug e. V. unterhalten und betrieben. Mit seinen historischen Schnellzugwagen veranstaltet der Verein zahlreiche Sonderfahrten in ganz Deutschland und auch im benachbarten Ausland. Die technischen Daten zeigen auf, dass das alte Dampfross auch heute noch gut bei Puste ist: Mit einer Leistung von 2470 PS könnte die 01 auch heute noch 140 km/h schnell sein. Meist aber bescheide man sich mit 120 km/h, sagt Vereinssprecher Burkhard Pick. Das Gewicht der dienstbereiten Lok beträgt 180 Tonnen, die Länge von Puffer zu Puffer 24,13 Meter. Beeindruckend auch die Radgröße: Der Durchmesser der Treib- und Kuppelräder beträgt zwei Meter.

Die Reisenden des Sonderzuges haben einige Stunden Zeit und Gelegenheit, sich in der alten Römerstadt umzuschauen. Laut dem derzeitigen Fahrplan soll der Sonderzug um 17:25 Uhr wieder die Heimreise antreten. Vorher aber wird die Lok mit einer Fahrt über das Gleisdreieck bei Konz gedreht, so dass sie wieder mit der Rauchkammer voraus die Heimreise antreten kann. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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