“Sie sind ein sehr professioneller Menschenfreund”

Wechsel an der Spitze der Vereinigten Hospitien: Auf Hubert Schnabel (links) folgen gleichberechtigt Yvonne Russel und Tobias Reiland. Foto: Helmut Thewalt

TRIER. Nach 28 Jahren an der Spitze der Vereinigten Hospitien wurde Direktor Hubert Schnabel am Mittwoch erst mit einem Gottesdienst, dann mit einem Festakt im Römersaal von Mitarbeitern sowie Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Kirche in den Ruhestand verabschiedet. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Domorganist Josef Still und drei Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters Trier.

Von Rolf Lorig

Als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Stiftung “Vereinigte Hospitien” war es die Aufgabe von Oberbürgermeister Wolfram Leibe, durch diese Veranstaltung zu führen. Was seinem früheren Amtskollegen Helmut Schröer seinerzeit noch eine diebische Freude bereitete, dass der Bischof von Trier gemäß der Verfügung von Kaiser Napoleon der Stellvertreter des Trierer Oberbürgermeisters bei dieser Stiftung ist, darauf muss Wolfram Leibe verzichten. Denn die Kirche hat Domprobst Werner Rössel mit der Stellvertreterfunktion beauftragt. Was dieser Feier aber keinen Abbruch tat. Denn neben dem Domprobst war auch Bischof Ackermann zur Verabschiedung von Hubert Schnabel und der Vorstellung des neuen Direktoriums gekommen.

Zahlreiche Besucher konnte Oberbürgermeister Wolfram Leibe zur Verabschiedung von Hubert Schnabel im Römersaal willkommenheißen. Fotos (2): Rolf Lorig

“Er erkannte die Zeichen der Zeit”

Oberbürgermeister Leibe lobte bei seiner Begrüßung der Gäste die gute Zusammenarbeit mit der Kirche, wobei er explizit seinen Stellvertreter Werner Rössel ansprach. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand jedoch Hubert Schnabel, der im Alter von 38 Jahren die Leitungsfunktion bei den Hospitien übernommen hatte. Der Anfang sei für den gebürtigen Koblenzer, der aber immer wie ein Trierer agiert habe, schwierig gewesen, erinnerte der OB. So sei es um die Zukunft des Hospitals Irminen schlecht bestellt gewesen, schon damals sei die bestehende Trierer Krankenhaus-Infrastruktur kritisch hinterfragt worden. Doch Schnabel habe die Zeichen der Zeit erkannt und eine kluge Entscheidung gefällt, “die gleich zu Beginn Ihr Meisterstück war.” Hubert Schnabel baute das vielen Trierern noch bekannte Bürgerhospital St. Irminen von einem Krankenhaus in eine Geriatrische Rehabilitationsklinik um. “Damit hat er frühzeitig auf eine der großen Herausforderungen der Zeit reagiert“, betonte Leibe. Ebenso habe Schnabel die stationären Altenhilfeeinrichtungen St. Irminen und Helenenhaus komplett saniert und modernisiert. “Hubert Schnabel ist es aber auch zu verdanken, dass bei den Vereinigten Hospitien neue Versorgungs- und Betreuungsformen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Notsituationen geschaffen worden sind“, sagte Leibe weiter, ebenso sei eine Krisenintervention und eine Gerontologische Beratungsstelle auf seine Initiative hin geschaffen worden und auch das stiftungseigene Weingut sei gestärkt und zukunftsfähig gemacht worden. “Mit all Ihrem Engagement haben Sie die Vereinigten Hospitien zu dem gemacht, was sie heute sind: Eine der ersten Adressen in der ganzen Region, wenn es um den ganzheitlichen Dienst am Menschen geht“, dankte der Oberbürgermeister, “Sie hinterlassen eine grundsolide und gut aufgestellte Stiftung.“ Seinen Respekt vor diesem Arbeitsleben kleidete Leibe in diese Worte: “Sie sind ein sehr professioneller Menschenfreund.” Zum Abschied überreichte der Verwaltungsratsvorsitzende dem scheidenden Direktor eine Schmiedearbeit mit dem heiligen Jakobus. Auf die Arbeit von Hubert Schnabel können nun Yvonne Russell (45) als Stiftungsdirektorin und Tobias Reiland (33) als Kaufmännischer Direktor aufbauen. Ab dem 1. März übernehmen sie die Geschäfte der Stiftung.

Den Dank der Belegschaft an den scheidenden Direktor überbrachte Alexandra Wagner-Schreiner, die amtierende Personalratsvorsitzende. Ihren Worten zufolge hinterlässt Hubert Schnabel eine große Lücke, die von seinen beiden Nachfolgern nicht so ohne weiteres geschlossen werden kann. Dennoch bot sie den beiden gleichberechtigten Direktoren für die Zukunft ihre Zusammenarbeit an. Für Hubert Schnabel hatte sie ein Bild mitgebracht, das im Juli 2014 bei einem Betriebsfest entstand und an dem viele Mitarbeiter mitgewirkt haben.

Auch Personalleiterin Anette Conrady machte aus ihren Gefühlen keinen Hehl: “Sie waren ein prima Chef”, sagte sie. Schnabel habe seine Mitarbeiter immer wertgeschätzt und geachtet. Auch sie hatte ein Bild mitgebracht, das der in Trierweiler wohnende Künstler Josef Hammen gemalt hatte und das gerade rechtzeitig fertiggestellt werden konnte. Als Motiv zeigt das Bild das Willibrord-Stift auf dem Gelände der Vereinigten Hospitien Trier.

Mit einer schmiedeeisernen Plakette, die den heiligen Jakobus zeigt, verabschiedet der Verwaltungsratsvorsitzende Direktor Hubert Schnabel

Drei Oberbürgermeister und drei Bischöfe

Hubert Schnabel selbst trägt wegen des Abschieds zwei Seelen in seiner Brust. Knapp drei Jahrzehnte waren die Vereinigten Hospitien sein Lebenswerk. Das sieht er nun bei Yvonne Russell und Tobias Reiland in den besten Händen. Was ihm den Abschied zweifellos erleichtert. Doch seien 28 Jahre eine lange Zeit, in der er viel erlebt habe: “Drei Oberbürgermeister und drei Bischöfe.” Fraglos sei nun der Zeitpunkt eines Wechsels gekommen. Doch galt sein erstes Wort des Dankes nicht diesen Würdenträgern sondern seinen Mitarbeitern, denen er für ihre hochqualifizierte Arbeit und für ein nicht nachlassendes Engagement dankte. Erst dann kamen der Verwaltungsrat sowie zahlreiche anwesende Gäste, darunter die Leitungen der beiden Trierer Krankenhäuser, an die Reihe. Ein ganz besonderes Wort des Grußes galt hier dem Orden der Borromäerinnen und dem der Johannes-Schwestern.

Und dann kamen “die Neuen” zu Wort. Den Aufschlag machte Yvonne Russell. Die neue Doppelspitze will den Worten der promovierten Psychologin zufolge die Schwerpunkte ihrer Arbeit vor allem im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen des Fachkräftemangels und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Stiftungen in der heutigen Zeit legen. “Uns ist es ein Anliegen, dass die Vereinigten Hospitien mit ihrer caritativen Arbeit an den Menschen sowie als attraktiver Arbeitgeber stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“, sagte die frühere Leiterin der Personalentwicklung im Bistum Trier, die zusammen mit ihrem Kollegen am Freitag die Leitung der Stiftung übernehmen wird. Eine vordringliche Aufgabe sieht sie darin, die Umsetzung des Stiftungszwecks, d.h. die sozialen Einrichtungen und Angebote für alte, kranke, behinderte und pflegebedürftige Menschen, kontinuierlich den aktuellen Bedarfen der Menschen in Trier und Umgebung anzupassen.Bei der Suche nach verstärkenden Pflegekräften strebt Russell eine Zusammenarbeit mit den beiden Trierer Kliniken an, “obwohl wir hier eigentlich Konkurrenten sind.” Vom gemeinsamen Vorgehen aber erhofft sie sich die kreativen Ideen, die alle beteiligten nach vorne bringen könnten.

Als Verwaltungsbetriebswirt und Stiftungsberater weiß Tobias Reiland um die großen Entwicklungsaufgaben, die für die Stiftung anstehen. “Die aktive Bewirtschaftung des Stiftungsvermögens ist einer der Wege, die wir gehen werden, damit die Stiftung auch in Zukunft der Bedeutung für die Stadt und die Menschen gerecht werden kann“, sagte der frühere persönliche Referent des Oberbürgermeisters. Zum Stiftungsvermögen der Vereinigten Hospitien gehören neben dem Weingut mit Sitz am Trierer Krahnenufer und rund 25 Hektar Rebfläche an Mosel und Saar auch ein Forstbetrieb mit vielen Wäldern rund um Trier sowie zahlreiche Liegenschaften. Erlöse aus der Verpachtung, Vermietung sowie der direkten Vermarktung von Land- und Forstwirtschaftsflächen, Rebflächen, Gewerbeflächen und Immobilien dienen der Erfüllung des Stiftungszwecks der Vereinigten Hospitien.

Die Vereinigten Hospitien in Trier sind eine gemeinnützige Stiftung des öffentlichen Rechts, deren Einrichtung auf Dekrete Napoleons aus den Jahren 1804 bis 1806 zurückgeht. Napoleon verfügte die Zusammenfassung vieler bis dahin in Trier und Vororten bestehender katholischer Hospitäler sowie sozialer, gesundheits- und krankenpflegerischer Anstalten unter eine gemeinsame Verwaltung. Diese Einrichtungen wurden im ehemaligen Kloster St. Irminen und dessen direkter Umgebung untergebracht. Dort befinden sich die Vereinigten Hospitien noch heute.

 

 


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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