Sieben Frauen riefen TAGG ins Leben

TRIER. Sieben Frauen haben im April 2016 das Trierer Archiv für Geschlechterforschung und Digitale Geschichte (TAGG) gegründet. Am 13. Juni 2017 stellten sie den Verein in der Tufa der Öffentlichkeit vor. Knapp 100 Interessierte kamen um zu erfahren, was TAGG vorhat.

TAGG – das sind Christel Baltes-Löhr, Professorin für Geschlechterforschung an der Universität Luxemburg, Tamara Breitbach, Historikerin aus Trier, Liesel Rieker, Beraterin aus Trier, die Unternehmerin Ute Klasen, die Frauenbeauftragte der Stadt Trier, Angelika Winter, sowie Bianca Schröder, Ada-Lovelace-Koordinatorin an der Universität Trier und die Kunsthistorikerin Alexandra Orth vom Städtischen Museum Simeonstift. Das von ihnen gegründete Archiv widmet sich der Sammlung und Aufarbeitung der vielfältigen Geschichte von Frauen, Männern, trans- und intergeschlechtlichen Menschen in und um Trier. Mithilfe von Dokumenten wie Flyern, Broschüren, Postern, Audio- und Videozeugnissen, persönlichen Erinnerungen und Fotos möchte TAGG einen Beitrag zur Bewahrung der jüngsten Stadtgeschichte leisten.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion erläuterte Bernhard Simon, Leiter des Trierer Stadtarchivs und einer der Kooperationspartner von TAGG: “Unsere städtischen Quellen sind verpflichtend auf die amtlichen und offiziellen Dokumente ausgerichtet. Um eine gute Quellenlage für die spätere Erforschung der Vergangenheit zu haben, sind Initiativen wie die von TAGG für uns von besonderer Bedeutung, weil sie uns die gesellschaftliche Vielfalt bewahren helfen.“

Für Bürgermeisterin Angelika Birk, ebenfalls Teilnehmende an der Podiumsdiskussion, stand im Hinblick auf TAGG die Wissensvermittlung im Vordergrund: “Ich persönlich weiß, dass die zweite Frauenbewegung in den 1970er Jahren zunächst glaubte, neu zu sein, weil das Wissen um Vorkämpferinnen beispielsweise für das Frauenwahlrecht nicht präsent war. TAGG beugt dem Vergessen vor.“ Sie warnte vor anti-feministischen Strömungen und zeigt die politische Bedeutung des Archivs für die Sichtbarmachung auch von sogenannten Minderheiten auf.

Margarethe Kees vom i.d.a. Dachverband der Lesben- und Frauenarchive, – bibliotheken und Dokumentationsstellen betonte in ihrem Beitrag zur Podiumsdiskussion die Motivation für die 38 deutschsprachigen Einrichtungen, die sich in i.d.a zusammengefunden haben. “Frauen, Lesben, trans- und intergeschlechtliche Menschen müssen am Anfang immer selbst dafür sorgen, dass sie nicht vergessen werden.“ Sie freute sich über die Neugründung von TAGG, nicht zuletzt auch hinsichtlich einer möglichen zukünftigen Kooperation zwischen TAGG und dem Deutschen Digitalen Frauenarchiv, das zurzeit von i.d.a. im Auftrag des Bundesfrauenministeriums aufgebaut wird.

Für die Aktivistin Liesel Rieker, die für den Verein TAGG am Podium teilgenommen hat und die selbst seit den späten 1970er Jahren in Trier Material und Dokumente privat sammelt, ist TAGG die Gelegenheit, die Archivalien professionell aufzubewahren und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Nach gut zwei Stunden Informationen und Austausch bedankte sich die Vorsitzende Christel Baltes-Löhr nochmals ausdrücklich bei der Tufa für die Aufnahme von TAGG im Herbst 2016 in den Tufa-Dachverband und die aktive Unterstützung von TAGG durch Teneka Beckers, Klaus Reeh, Anett Bauer sowie aller Mitarbeiter der Tufa, die den Abend in dem kleinen Saal möglich gemacht hatten.

Das nächste Treffen findet am Montag, den 3. Juli um 19 Uhr in der Zuppa, Supen und Café Bar in Trier, Sichelstr. 18 statt. Weitere Informationen auf der Webseite von TAGG oder unter Telefon 0170 4857358. (tr)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Die Reporter-Meldungen Hinterlasse einen Kommentar

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