SPD fordert breitere Debatte zur Stadtentwicklung

Die SPD hat das Gespräch mit der Bürgerinitiative vom Brubacher Hof gesucht.

Die SPD hat das Gespräch mit der Bürgerinitiative vom Brubacher Hof gesucht.

TRIER. Die Trierer SPD sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Ausweisung von Flächen im neuen Flächennutzungsplan (FNP) für die Stadt. Nach den Grünen und der CDU positionieren sich nun auch die Sozialdemokraten vor den weiteren Beratungen zum FNP am Donnerstag im Dezernatsausschuss. “Wer in Trier arbeiten und leben möchte, braucht Arbeitgeber mit Perspektivstandorten sowie bezahlbare vier Wände. Fehlt eines von beidem, dann kommt es zu noch mehr Pendelverkehr, der unsere Straßen zusätzlich belastet. Weniger Flächen für Wohnen heißt also nicht allein ‘mehr Erholung’, sondern heißt auch ‘mehr Lärm’“, kommentiert der Sprecher für Stadtentwicklung der SPD-Fraktion, Rainer Lehnart, die Debatte über die aktuelle Aufstellung des neuen Flächennutzungsplans.

“Der derzeit gültige Flächennutzungsplan ist aus dem Jahre 1982, und er ist in seinen Flächenreserven schon seit vielen Jahren ausgeschöpft. Es ist dringender Handlungsbedarf geboten, um die städtische Entwicklungen so lenken zu können, dass sie den Menschen dient und nicht nur der Gewinnmaximierung einiger Weniger“, betont der Fraktionsvorsitzeden der SPD, Sven Teuber. “Der vorliegende Entwurf des FNP ist auch aus Sicht der SPD-Fraktion noch nicht der große Wurf und weist ferner erheblichen Veränderungs- und Anpassungsbedarf auf. Wir müssen als Stadt die Themen der Naherholung, der landwirtschaftlichen Nutzung, aber auch des bezahlbaren Wohnens und der guten Arbeit in einen Einklang bringen. Dabei werden alle Beteiligten Zugeständnisse im Sinne unserer gesamtstädtischen Entwicklung machen müssen. Um die einzelnen Bedürfnisse und Kritiken abwägen und für eine Kompromisssuche übereinander legen zu können, braucht es das längst überfällige echte Beteiligungsverfahren”, so Teuber.

Ob sich dies in einem runden Tisch mit den einzelnen Interessenvertretern organisieren lasse, in einer örtlichen und stadtteilbezogenen AG oder in größeren Beteiligungsrunden, sollte bald zwischen den Beteiligten abgestimmt werden. Letztlich gehe es darum, ein Verfahren zu finden, das es zeitnah ermögliche, gleichberechtigt die verschiedenen Interessen zu hören, auszutauschen, zu gewichten und am Ende zu entscheiden. “Klar muss sein”, so Teuber weiter, “ein FNP ist eine Angebotsplanung für die Zukunft, der erst über die Erstellung von jeweiligen Bebauungsplänen weitere Konkretisierung erfährt, und nicht für das unmittelbare Heute. Wer sich hier schlecht aufstellt, versäumt es, Familien, Unternehmen und der nächsten Generation Perspektiven im Wettbewerb der Regionen zu bieten.“

Die SPD sehe daher die Verwaltung und den Rat am Zug, gemeinsam und verantwortlich mit der Aufstellung eines Flächennutzungsplanes umzugehen. Demzufolge habe sich die SPD-Fraktion mit Vertreterinnen und Vertretern der Bürgerinitiative Brubacher Hof vor Ort getroffen, um den Startschuss für gemeinsame Gespräche zu setzen. In der Offenlegung des FNP wäre dies ganz genauso möglich gewesen, doch habe die Stadtratsmehrheit diesen formal vorgesehenen Weg zunächst blockiert. “Nichtsdestotrotz sollten wir uns davon nicht entmutigen lassen, sondern im Sinne des für alle notwendigen FNP 2025 nun die Gespräche aufnehmen und zügig zu einem konstruktiven Ergebnis führen”, betonen die Genossen. “Dies gilt selbstverständlich für die im Planentwurf vorgesehenen Gebiete in Zewen gleichermaßen“, so Lehnart.

Darüber hinaus habe die SPD-Fraktion alle Ortsbeiratsmitglieder der Partei in den Trierer Stadtteilen zu einer gemeinsamen Konferenz eingeladen, um die Interessen und Standpunkte vor Ort zu hören, die für eine Beschlussfassung des FNP hilfreich sind. “Wir wollen nicht warten, bis sich die Triererinnen und Trier zu dem FNP formal äußern dürfen. Wir haben nun selber den Prozess gestartet, um nicht noch mehr wertvolle Zeit zu verlieren“, erklären Lehnart und Teuber unisono.

Weniger Flächen für Wohnen heißt also nicht allein 'mehr Erholung', sondern heißt auch 'mehr Lärm'“, sagt Rainer Lehnart.

Weniger Flächen für Wohnen heißt also nicht allein ‘mehr Erholung’, sondern heißt auch ‘mehr Lärm’“, sagt Rainer Lehnart.

Beide Sozialdemokraten betonen auch, wo sie Veränderungsbedarf im Entwurf der Verwaltung sehen: “Die Wirtschaft braucht eine Perspektive. Es kann nicht sein, dass Trier keine Flächen für die Zukunft unserer Handwerker, Dienstleister und erfolgreichen Mittelständler bereithält und damit Entwicklungsperspektiven ins Umland verlagert. Daher bedauern wir es, dass das Gebiet Kockelsberg von der Verwaltung ausgeplant wurde und plädieren dringend für die Aufnahme von neuen Gebieten wie dem Bereich Herresthal und der dortigen Anbindung an die Autobahn. Ebenso müssen Flächen in Ehrang oder auch Trier-West bereitgestellt werden. Bei der Ausweisung von Wohnraum hingegen müsse man in Zewen und beim Brubacher Hof sicherlich genau hinschauen, was dort verträglich und was insgesamt für die Stadt brauchbar ist.”

Die Debatte über mehr Wohnraum für immer mehr Zuziehende müsse breiter geführt werden, fordert die SPD. Schließlich sei eine wachsende Stadt wie Trier eine enorme Chance, die es erlaube, mehr Zuweisungen an Geldern aus Bund und Land nach Trier zu lotsen und so die städtische Infrastruktur wie Schulen, Theater und Straßen nachhaltig zu erhalten und zu verbessern. Eine steigende Einwohnerzahl bringe somit mehr Einnahmen in die städtischen Kassen, und darüber hinaus bleibe Trier eine lebendige Stadt, die für alle Kulturen offen und lebenswert sei. (tr/et)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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