Steff Becker – ein Mann mit vielen Qualitäten

Abwechslungsreich und spannend wie seine Lieder sind auch die Bilder von Steff Becker. Fotos: Rolf Lorig

TRIER/ORENHOFEN. Den Sänger und Musiker Steff Becker kennt hierzulande jeder. Mit seiner wandlungsfähigen Stimme zieht er die Menschen in seinen Bann. Doch wer kennt den Maler Steff Becker? Rolf Lorig hat das musikalische Schwergewicht in seinem Atelier in der Eifel besucht. Und dabei einen Künstler entdeckt, der auch im Umgang mit Farbe und Leinwand zu begeistern weiß.

Der Mann sitzt nachdenklich in der Küche, vor sich ein Glas Wasser, die Zigarette in der Hand. Es ist mollig warm in dem Raum. Ein Kaminofen spendet wohlige Wärme. Wärme, für die auch der Hund dankbar ist, der auf dem Boden liegt. Nach einer Weile, die Zigarette ist aufgeraucht und das Glas Wasser geleert, steht der Mann auf und verlässt die Küche. Der Raum, in dem er sich jetzt befindet, ist sein Atelier. Es ist deutlich kühler hier. Der Mann schließt die Jacke, rückt seine Mütze zurecht, geht zu einer Staffelei und nimmt den Pinsel auf. Das Bild, an dem er arbeitet, ist eine Mischung aus Bob Marley und Karl Marx. “Bob Marxley”, murmelt er und lächelt verschmitzt.

Ein Mix aus Bob Marley und Karl Marx: Bob Marxley…

Wenn Musik und Politik zusammenkommen

Bob Marxley – auf solch eine Idee kann eigentlich nur ein Musiker kommen. Steff Becker ist Musiker. Ihn in Trier vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Schon seit langen Jahren prägt er die musikalische Szene in der Region. Immer mit verschiedenen Besetzungen. Vom Trio bis zur Big Band. Der Sänger Steff Becker hat eben viele Facetten.

Und er ist ein musisch mehrfach begabter Mensch. Eben ein Mann mit vielen Qualitäten. Schon als Schüler hatte er ein Faible für die Malerei. Wenn ein Theaterstück anstand, Steff war der Mann für das Bühnenbild.

Doch die Kunst musste noch eine Weile zurückstehen. Denn zuerst kam die Berufsausbildung. Ein Beruf alleine reichte nicht. Wie gesagt, der Mann hat viele Qualitäten. Erst erlernte Becker den Beruf des Schreiners. Dann den des Heizungsbauers. In der Eifel und in Luxemburg setzte er Kachel- und Kaminöfen, arbeitete später für das “Palais” als Heilerziehungspfleger, auch hier handwerklich.

Die Liebe zum Handwerk liegt in der Familie. Schon sein Ur-Großvater mütterlicherseits verband Handwerk und Kunst: Er fertigte das 1:1-Modell der Igeler Säule an, das heute im Rheinischen Landesmuseum steht.

Abgeschottetes Europa

Vom Maarviertel nach Orenhofen

Seit gut einem Jahr hat Steff Becker, der aus dem Maarviertel kommt, nun die Malerei wieder für sich entdeckt. Das Haus in Orenhofen, in dem zuletzt seine Mutter gelebt hatte, ist heute sein Zufluchtsort, wenn er sich auf die Malerei konzentrieren will. Dass hier ein Künstler lebt, zeigt schon der Außenanstrich des Hauses, der in einem warmen Sonnengelb gehalten ist. Dazu orangefarbene Tür- und Fensterumrandungen sowie ein türkis und hellblau gehaltener Anstrich an Fensterläden und Haustür. Eine fröhliche Farbkombi, die Lust auf Urlaub macht. Bei schönem Wetter gibt es in Orenhofen sogar mitten im Winter feinstes Sommer-Feeling.

Hier wohnt ein kreativer Mensch: Steff Becker vor seinem Haus in Orenhofen

Handwerk pur

Die Gemälde von Steff Becker malerisch zu verorten, ist nicht ganz so einfach. Dass er, ein Kerl wie ein Bär, dem Expressionismus verbunden ist, verwundert nicht. Seine Bilder sind kraftvoll, wie der Mensch selbst. Am liebsten arbeitet er in Acryl und dann mit der Spachtel. “Für mich ist das Handwerk pur.”

Wenn er mit einem neuen Werk anfängt, weiß er oft selbst nicht, was mal daraus entstehen wird. Wie bei der Musik, ist er auch hier allen Einflüssen gegenüber offen. Chancen situativ erkennen, das hat er von dem berühmten Trierer Jakob Schwarzkopf gelernt. “Wenn ich mit Menschen zusammen bin, die ihr Handwerk beherrschen, dann schaue ich immer genau hin, das war auch früher schon in meiner Lehrzeit so”, sagt Becker und schaut nachdenklich auf ein anderes Bild, auf dem es bei genauem Hinsehen zahlreiche Köpfe zu entdecken gibt. “Die habe ich nicht bewusst angelegt, die haben sich beim Arbeiten ergeben.” Jakob Schwarzkopf habe ihn früher gelehrt, auf solche Details zu achten und diese dann auch zu nutzen.

Den wollen viele haben: Karl Marx, wie Steff Becker ihn sieht

Mit den Augen gelernt

Steff Becker hatte noch einen anderen Trierer Künstler, dem er ebenfalls immer gerne auf die Finger sah: Helmut Schwickerath. Als Aktionskünstler arbeitet der gerne auch mit Tusche. “Das ist auch eine Kunst, in die man sich hineinfinden muss”, sagt Becker. Für seinen Bob Marxley (“Keine Ahnung, ob ich das Gemälde tatsächlich so nennen werde”) hat er mit Tusche und Aquarellfarben gearbeitet. Und logischerweise auch mit Pinseln.

Anders als andere Künstler gibt Steff Becker seinen Bildern gerne Namen. Wobei er die nicht willkürlich auswählt. “Der Betrachter sollte sehen können, weshalb ich meinem Bild diesen ganz bestimmten Namen gegeben habe.” Was er damit meint, zeigt sein Bild “Europa”: Der Betrachter sieht ein Lattengerüst. Hölzer, die als Sperre angeordnet sind. Zwischen den Lücken im Holz leuchten (die europäischen) Sterne im dunkelblauen Nachthimmel. Der Blick nach außen gelingt, nach innen aber ist kein Durchkommen. Ein Bild, das über den inneren Zustand Europas mehr als 1000 Worte sagt…

Hat er jemals eine künstlerische Ausbildung genossen? Nein, Becker schüttelt den Kopf. Er wollte als junger Mann mal nach Saarbrücken, in die dortige Werkkunstschule. Dafür musste er eine Bewerbungsmappe einreichen. Die Arbeiten dafür zeigte er seinen künstlerischen Vorbildern Schwarzkopf und Schwickerath. Die hatten keine Einwände, fanden die Sachen gut. Trotzdem gab es dann aus Saarbrücken eine Absage: “Vermutlich war ich denen da mit Ende 20 schon zu alt”, mutmaßt er heute. Einen Groll empfindet er nicht. Eher ein Gefühl aus der Kategorie “Wer weiß, wozu es gut war…”

Kreative Pause in der Küche vor dem Ofen

“Er hat echtes Potenzial”

Denn der Vorteil ist: Rein künstlerisch betrachtet, ist Steff Becker zwar ein Edelstein – wenn auch noch roh und ungeschliffen. Er ist deshalb nicht auf einen bestimmten Stil oder eine vorgegebene Richtung festgelegt. “Er hat echtes Potenzial, seine Arbeiten sind geprägt von solider Arbeit”, attestiert Gab Lohberg, die Leiterin der Europäischen Kunstakademie. Und dieses Potenzial will Steff Becker auch ausschöpfen: “Ich weiß zwar nicht, ob ich jemals meinen eigenen Stil haben werde, der mich unverwechselbar macht”, sagt er. “Aber so lange mir meine Arbeit Spaß macht und die Menschen auch meine Bilder sehen wollen, so lange werde ich weiter malen.”

Dass die Menschen seine Arbeiten mögen, wurde zuletzt im Dezember vor mehreren Hundert Konzertbesuchern deutlich. Steff Becker feierte in Schweich im dortigen Bürgerzentrum sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Eigentlich hatte an diesem Abend auch Armin Sommer, ein enger Freund und Musikerkollege mit auf der Bühne stehen sollen. Doch der war kurz vorher verstorben. Vor seinem Tod aber hatte er eine Stiftung ins Leben gerufen, die humanistische Ziele wie das Schaffen von lebensfreundlichem und bezahlbarem Wohnraums für Bedürftige oder die Gewährung von Hilfen für Personen, die der besonderen Unterstützung bedürfen, verfolgt. Zu Gunsten dieser Stiftung hatte Steff Becker eines seiner Bilder gestiftet, das an diesem Abend durch Maximilian Monzel für 740 Euro versteigert wurde. Doch muss man nicht auf solche Anlässe warten, um seine Werke zu betrachten. Becker nutzt auch das Internet und die sozialen Medien gezielt dazu, um der treuen Fangemeinde die neuesten Bilder zu präsentieren.

Bei aller Begeisterung für das Malen – eines mag er gar nicht: “Etwas auf Bestellung malen.” Wer da einen ganz speziellen Wunsch hat, stößt in der Regel bei Steff Becker auf Granit. “Ich kann nicht wissen, was genau sich im Kopf des Auftraggebers abspielt, deswegen sind Probleme oder Missverständnisse fast schon vorprogrammiert. Wenn jemand einen bestimmten Wunsch hat, lade ich ihn oder sie zu mir ins Atelier ein. Und da wird sich dann auch ganz bestimmt etwas finden, das diesem Wunsch sehr nahekommt.”


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.