“Stele des Friedens” erinnert an die einstige Schulzeit

Sie sind stolz auf ihre “Stele des Friedens” – der Einschulungsjahrgang 1955 zusammen mit den anwesenden Gästen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Seit 110 Jahren gibt es die Schule im Stadtteil Heiligkreuz. Die heutige Grundschule war vormals die Volksschule, in der Kinder bis zu ihrer Schulentlassung blieben – sofern sie keine weiterführenden Schulen besuchten. Zahllose Kinder haben hier ihre Schulbildung genossen. Ein Jahrgang, der Einschulungsjahrgang 1955, erinnert sich besonders gerne an diese Zeit. Stellvertretend gab Hanspitt Weiler bei zwei Trierer Künstlern eine Stele in Auftrag, die am Samstag in Anwesenheit der früheren Mitschüler und verschiedenen Gästen nun offiziell vorgestellt wurde.

m Vorgarten der Grundschule hat die Stele des Friedens ein würdigen Platz gefunden

“Wir hatten eine gute Zeit”

“Wir hatten eine gute Zeit in unserer Volksschule, die uns gerade in den Nachkriegsjahren Heimat vermittelt und die uns den Weg in eine gesicherte Zukunft geebnet hat.” Wer bei diesen Worten den Blick in die Runde schweifen lässt, bemerkt zustimmendes Nicken und ein leises Lächeln in den Gesichtern. Die Frauen und Männer, die an diesem Nachmittag im Vorgarten der heutigen Grundschule rund um die Stele stehen, haben längst das Rentenalter erreicht. Doch die Erinnerungen an ihre Schulzeit, an die “sehr geliebte Klassenlehrerin Fräulein Fey”, nach ihrer Hochzeit hieß die Lehrerin Laux, sind noch lebendig. Und man erinnert sich, dass Frau Laux bis zu ihrem Tod im Jahr 2004 alle Klassentreffen begleitet hat, zu denen der Einschulungsjahrgang 1955 seit 1985 im Fünf-Jahres-Rhythmus eingeladen hatte.

Allerdings sind Klassentreffen nicht selten, wohl aber die Tatsache, dass ein Jahrgang eine Stele an der früheren Schule anbringt und sich damit in besonderem Maße mit seiner Schule identifiziert. Wie ist es dazu gekommen? Hanspitt Weiler beantwortet diese Frage: “Die meisten von uns sind Jahrgang 1949 und damit jetzt genau so alt, wie die Bundesrepublik Deutschland. Wir haben gelernt und erlebt, was die Begriffe Friede und Freiheit bedeuten. Und wir haben gesehen, wie dadurch peu á peu ein Europa der Einigkeit herangewachsen ist. Und genau daran wollen wir mit dieser Stele erinnern, die wir ‘Stele des Friedens’ genannt haben.”

Zwei Trierer Künstler, Henning Wirtz und Britta Rösler, haben die Stele geschaffen

Auf der Rückseite findet sich auch der Name des Stifters

Zwei Trierer Künstler haben die “Stele des Friedens” realisiert: der Ehranger Steinmetz Henning Wirtz und die Trierer Kupferkünstlerin Britta Rösler, die für die Friedenstaube auf der Stele verantwortlich zeichnet.

Die Stele selbst besteht aus rotem Sandstein und Basaltlava. Zwei Steinarten, die in der Region vorkommen und schon vielfach bei Bauten und Kunstwerken – auch die Pfeiler der Römerbrücke bestehen aus Basaltlava – Verwendung gefunden haben. Mit einer Höhe von 2,75 Metern und einem Gewicht von etwa 800 Kilogramm erinnert sie auch ein wenig an das in Trier allgegenwärtige römische Erbe: “Keine 100 Meter von diesem Ort stand in römischer Zeit das südliche Stadttor, die Porta Alba”, macht Weiler die Zusammenhänge deutlich. Folglich sind denn auch das Postament und die Säulenbasis nach römischem Vorbild aus rotem Sandstein gefertigt. Auf die Säulenbasis aufbauend entwächst der obere Teil des Säulenschaftes aus Basaltlava. Die Kanneluren, also die senkrechten, konkav eingeschnittenen Vertiefungen am Schaft der Säule, gehen vom Sandstein in die Basaltlava über und verlaufen sich dort. “Dies symbolisiert, dass die positiven römischen Errungenschaften bis heute fortstrahlen”, sagt Weiler. Im oberen Teil der Basaltsäule befindet sich ein Ornamentband, das Schüler und Lehrer symbolisiert, die Hand in Hand einander zugewandt sind. Und auf dem Kopf der Säule thront schließlich die von Britta Rösler geschaffene Friedenstaube mit dem Palmzweig.

Beeindruckt von diesem Geschenk zeigt sich Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der im Namen der Stadt das Geschenk annimmt. Offiziell hat das bereits der Stadtrat getan, der sich einstimmig für die Annahme ausgesprochen habe, berichtet der OB. Die Symbolkraft der Stele erscheint ihm passend zum Schulgebäude: Trotz seines Alters strahle die alte Schule noch viel Optimismus aus. Säule und Schule passen seiner Meinung nach deshalb sehr gut zusammen. Wie wichtig diese Symbolkraft ist, veranschaulicht der Oberbürgermeister so: “Frieden ist die Grundlage für ein gemeinsames Europa.” (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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