Tanja Gräf: Ermittlungen sind eingestellt

Über die Gründfe für die Einstellung des Verfahrens informieren Christian Soulier (Kripo), Staatsanwalt Eric Samel, Leitender Oberstaatsanwalt Peter Fritzen, Polizeidirektor Franz-Dieter Ankner und die Leiterin der Kriminaldirektion Trier, Brigitte Nilges. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Die Ermittlungen im Fall Tanja Gräf sind eingestellt. Nach Auswertung aller vorliegenden Spuren und Hinweise geht die Staatsanwaltschaft Trier davon aus, dass die Studentin ‟mit hoher Wahrscheinlichkeit‟ einem Unglücksfall erlegen ist. Für ein Fremdverschulden gebe es keinen belastbaren Hinweis, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen am heutigen Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz mit.

Noch einmal ließ der Leitende Oberstaatsanwalt die Erkenntnisse der Ermittler, die gut und gerne zwölf Meter Akten füllen, in konzentrierter Form Revue passieren. Die Studentin Tanja Gräf war vor zehn Jahren nach einer Party auf dem Gelände der damaligen Fachhochschule Trier spurlos verschwunden. Mehrfach war danach mit einem enorm hohen Aufwand nach ihr gesucht worden.

Im Fall von Tanja Gräf geht der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen von einem Unfall aus.

Keine neuen Hinweise auf Fremdverschulden

Fritzen betonte, dass man allen Hinweisen intensiv nachgegangen sei, sich daraus allerdings keine neuen Hinweise auf ein Fremdverschulden ergeben hätten. Nach dem Auffinden der Leiche vor zwei Jahren seien die polizeilichen Ermittlungen wieder komplett neu aufgenommen worden. Eine Polizeipsychologin hatte in einem Gutachten die Vermutung aufgestellt, dass ein Streit zwischen Tanja und ihrem vermutlichen damaligen Freund dazu geführt hatte, dass die Studentin eine etwas abseits gelegene Stelle zum Nachdenken aufgesucht habe und dabei abgestürzt sei. Im Rahmen der Ermittlungen habe man auch ihre Kleidung genauestens untersucht. ‟Es gab hier weder Hinweise auf Einstiche wie beispielsweise einem Messer noch Indizien für eine Sexualstraftat‟, sagte Fritzen. Der Gürtel der Hose sei geschlossen gewesen, auch habe sich die Unterwäsche in einem geordneten Zustand befunden.

Die Frage, weshalb die Leichenspürhunde bei der großräumigen Suche keine Witterung von der Toten aufgenommen hatten, obwohl die Suchmannschaften auch in unmittelbarer Nähe der späteren Fundstelle der Leiche gesucht hatten, beantwortete Franz-Dieter Ankner, der stellvertretende Polizeipräsident. Es gebe an der Felswand starke thermische Aufwinde, die eine Aufnahme der Witterung verhindert hätten. Natürlich habe man auch oberhalb auf dem Wanderpfad gesucht. Jedoch seien die Hunde nicht an den Rand geführt worden, da dieser keinen Bewuchs hatte. Weshalb die Tiere dort auch keine Witterung aufnehmen konnten.

Christian Soulier und Eric Samel vor den Akten, die sich im Laufe der zehnjährigen Ermittlungszeit gefüllt haben.

Vorläufiges Ende einer zehnjährigen Ermittlung

Damit endet vorerst eine zehnjährige Ermittlung, ‟die ich in diesem Umfang mit einem solchen personellen und materiellen Aufwand zuvor noch nicht erlebt habe‟, so Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. Allerdings gebe es nach wie vor ungelöste Fragen. So wisse man nach wie vor nicht, welchen Weg Tanja Gräf damals bis zu der Absturzstelle genommen habe und wie es letztendlich zu dem Absturz gekommen sei.

Der Leitende Oberstaatsanwalt will nicht ausschließen, dass der Fall nicht doch noch einmal aufgerollt werden könnte: ‟Das wäre dann der Fall, wenn wir neue Hinweise oder Erkenntnisse erhielten. Die werden wir dann bewerten und gegebenenfalls den Fall wieder neu aufnehmen.” (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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