Theater Trier – “40 Millionen Euro sind Obergrenze”

40 Millionen Euro seien die Obergrenze bei den Baukosten für das Trierer Theater, sagt Markus Nöhl. Der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion regt zudem an, die Debatte nun zu öffnen. Es sei Zeit für eine Bürgerbeteiligung, sagt der Sozialdemokrat.

40 Millionen Euro seien die Obergrenze bei den Baukosten für das Trierer Theater, sagt Markus Nöhl. Der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion regt zudem an, die Debatte nun zu öffnen. Es sei Zeit für eine Bürgerbeteiligung, sagt der Sozialdemokrat.

TRIER. Die öffentliche Diskussion über den geplanten Neubau des Trierer Theaters hat gerade erst begonnen. Kosten von rund 50 Millionen stehen nach der aktuellen Vorlage von Dezernent Thomas Egger im Raum. Verhandelt und beraten wurde bisher ausschließlich in nichtöffentlichen Gremien. Die SPD geht nun mit ihren konkreten Vorstellungen in die Öffentlichkeit. Für die Sozialdemokraten soll der geplante Architektenwettbewerb mit einer Obergrenze von 40 Millionen Euro gedeckelt werden. “Wir müssen angesichts der finanziellen Situation der Stadt realistisch bleiben, auch wenn das Land den Großteil der Kosten übernehmen wird”, betont Markus Nöhl, der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Stadtrat, am Dienstag gegenüber dem reporter. Ferner regt Nöhl die Öffnung der Debatte an: “Die Zeit ist reif für eine entsprechende Bürgerbeteiligung.” Der jüngsten Forderung der AfD nach einem Bürgerentscheid erteilt Nöhl hingegen eine klare Absage. “14.000 Unterschriften für den Erhalt des Theaters alleine aus Trier, dazu noch 13.000 Unterschriften aus dem Umland und viele weitere aus der ganzen Republik sind für uns bereits ein klarer Bürgerentscheid”, sagt der Sozialdemokrat.

Ausdrücklich lobt Nöhl die Arbeit der Verwaltung um Dezernent Thomas Egger. “Sie hat eine hervorragende Grundlage für das weitere Prozedere geschaffen”, so Nöhl. Die SPD begrüße ferner, dass der Dezernent nun schnellstmöglich einen Architektenwettbewerb ausschreiben wolle. “Das ist der richtige Weg”, sagt Nöhl. Klar sei für die Sozialdemokraten aber auch, dass die Obergrenze der Baukosten für den Wettbewerb bei 40 Millionen Euro liege müsse. “Wir brauchen das kreative Potenzial des Wettbewerbs, um auch mit diesem beschränkten Finanzvolumen eine gute kulturelle Infrastruktur zu ermöglichen “, so Nöhl. Angesichts der finanziellen Lage der Stadt müsse die Politik realistisch bleiben, auch wenn das Land voraussichtlich den Großteil der Kosten übernehmen werde.

Im Wettbewerb will Nöhl den Architekten keine Denkverbote auferlegen. Das heißt, die aktuelle Vorlage aus dem Egger-Amt, die den kompletten Abriss des alten Gebäudes vorsieht, soll keineswegs in Stein gemeißelt sein. “Im Wettbewerb wird sich zeigen, ob und wie eventuell Teile des alten Hauses erhalten werden sollen”, so Nöhl. Allerdings gibt der Sozialdemokrat zu Bedenken, dass die Sanierung von Teilbereichen des Graubner-Baus, die dann in den Neubau integriert werden müssten, unter Umständen teurer kommen könnten als Abriss und Neubau für sich. “Aber das soll der Architektenwettbewerb zeigen”, so Nöhl. “Deswegen ist es wichtig, dass wir den Fachleuten in deren Überlegungen freie Hand für kreative Lösungen lassen.” Am Ende müsse dann die Politik entscheiden, was sinnvoll und auch finanziell machbar sei.

Die öffentliche Diskussion über den Neubau des Trierer Theaters hat gerade erst begommen.

Die öffentliche Diskussion über den Neubau des Trierer Theaters hat gerade erst begommen.

Die SPD legt laut Nöhl auch Wert darauf, das Umfeld am Augustinerhof in die Überlegungen und Planungen einzubeziehen. “Wenn dort schon bauliche Veränderungen stattfinden”, so Nöhl, “dann sollten wir auch darüber nachdenken, wie die Fläche um das Theater herum einbezogen werden kann.” Hoffnungen setzen die Genossen dabei in die Arbeit der baubegleitenden Kommission, deren Einsetzung von den Sozialdemokraten ausdrücklich begrüßt werde. Nöhl regt zwei Stoßrichtungen an. Zum einen müssten die Planungen nun über eben jene Kommission enger gefasst werden. Zum anderen sollte die allgemeine Diskussion jetzt geöffnet werden. “Die Zeit ist reif für eine umfassende Bürgerbeteiligung”, so Nöhl. “Wir müssen die Menschen mitnehmen und ihnen sagen und erklären, was wir vorhaben.”

Der jüngsten Forderung der AfD nach einem Bürgerentscheid erteilte der Sozialdemokrat hingegen eine klare Absage. Nach Ansicht von Nöhl hätten die Bürger sich durch ihr klares Bekenntnis zum Theater Trier bereits eindeutig entschieden. Ohne Aufruf der Politik habe das Theater alleine in Trier 14.000 Unterschriften gesammelt – für den Erhalt des Haues. 13.000 Unterschriften seien aus dem Umland dazugekommen. Im Vergleich zu den Beteiligungen an den letzten Wahlen sei das eine enorm hohe Zahl, so Nöhl. “Diese klare Unterstützung aus der Bevölkerung für das Trierer Theater schließt für uns Sozialdemokraten auch den Neubau ein”, betont Nöhl. Ein weiterer Bürgerentscheid sei daher überflüssig. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Kultur, Politik 7 Kommentare

7 Kommentare zu Theater Trier – “40 Millionen Euro sind Obergrenze”

  1. Thomas Albrecht

    Hört sich ja ganz toll an, was der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion da verkündet: Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass! Die Kosten für das Trierer Theater sollen gedeckelt werden. Toll! Wer will schon viel Geld für einen Theaterneubau ausgeben.
    Doch sieht man sich diese Forderung einmal genauer an, so entpuppt sie sich als als ein ziemlich durchsichtiger Versuch, den Bürgerinnen und Bürgern Sand in die Augen streuen zu wollen.
    Auch die SPD Fraktion weiß: Hat man einmal den Theaterneubau beschlossen, so gibt es ja bekanntlich kein Zurück mehr. Mehrkosten müssen dann akzeptiert werden. Wie oft haben wir das nicht schon in Trier erlebt: Sei es das Südbad oder der berühmte Bahnhaltepunkt in Ehrang und, und und…
    Immer wieder sieht man, was passiert, wenn man von unrealistischen Kostenvorgaben ausgeht:
    Berühmtestes Beispiel: Die Elbphilharmonie in Hamburg.
    Aber es gibt auch andere, weniger prominente Beispiele, die beweisen, was von ursprünglichen Kalkulationen zu halten ist:
    27.12.2014: Drama um Sanierung des Ulmer Theaters: Seit 2008 läuft die Generalsanierung des Theaters Ulm. Jetzt steht der 8. Bauabschnitt an, Gesamtkosten damit nach dem Stand der Dinge: über 23 Millionen Euro. Aber der Vorhang fällt danach noch lange nicht. Überall Mehrkosten
    17.9.2014 Wismar: Meldung vom Der Theaterneubau in Wismar nähert sich dem Finale. Die feierliche Eröffnung ist für den 3. Dezember geplant. Jetzt gibt es aktuell finanzielle Engpässe: Die nachgebesserten und im Dezember 2012 veranschlagten 5,04 Millionen reichen nicht aus.
    Ich empfehle dringend, eine ehrliche Diskussion über die Kosten des Theater Neubau auszuführen. Es ist eine Selbstverständlichkeit und gar keine Frage, dass die Kosten für das Theater in Trier so niedrig wie möglich gehalten werden müssen. Darüber wacht schon der Landesrechnungshof mit Argusaugen. Luxus darf nicht sein, nur das Notwendigste muss gebaut werden, keine Frage. Es muss jedoch ein solider Bau errichtet werden, der die Funktion jahrzehntelang erfüllen kann. Spart man beim Bau am falschen Ende, so führt das später zu wesentlich höheren Mehrkosten. Von unrealistischen Kostenschätzungen auszugehen, hilft also niemanden! Ich habe mich darüber belehren lassen müssen, dass es leider nicht möglich ist, einen Mehrzweckbau als Theater zu errichten, der zum Beispiel auch als Kongress-Zentrum genutzt werden kann. Gleichwohl muss meines Erachtens in erster Linie auch darauf geachtet werden, dass der Neubau für die Bürgerinnen und Bürger so effektiv wie möglich genutzt werden kann. Wie mir bekannt ist, wird derzeit schon an solchen Nutzungsüberlegungen gearbeitet. In diese Richtung muss weitergedacht werden.

     
  2. Markus Nöhl

    Lieber Thomas Albrecht,

    gut gebrüllt Löwe. Aber bitte mehr lesen als nur die Überschrift. Es geht uns darum, beim Architektenwettbewerb die Baukosten zu limitieren. Die teilnehmenden Architekten sollen erstmal zeigen, was mit dieser Summe drin ist. Unwägbarkeiten bei der späteren Umsetzung sind, wie Sie zurecht sagen, nicht auszuschließen.

     
    • V.Clemens

      Wäre es dann nicht sinnvoll, das Limit auf 30 Mio. zu setzen?

       
  3. Mario Hau

    Zitat aus der Beschlussvorlage:
    “Die Kosten für den Architektenwettbewerb werden auf rd. 350.000 Euro geschätzt”

    Wir habens ja…

     
    • V.Clemens

      Die Kosten der Nutzbarmachung der Turnhalle Kürenz sollen unter 300.000 Euro liegen.
      Da kann sich jetzt jeder seine eigenen Gedanken machen.

       
  4. B. Frankreiter

    Auch wenn viele jetzt aufscheien….diese ganze Diskusion ob 30, 40 , 50 oder noch mehr Millionen dürfte sich gar nicht stellen, denn keine dieser Summen rechtfertigt ein weiteres Bestehen des Theaterbetriebes in Trier!!!! Hier werden nämlich die (wie jeder informierte Bürger weiß) laufenden horrenden Zuschüsse in Millionen-Höhe weiterhin fließen müssen, also weiterhin an anderer Stelle fehlen!!!! Hier sollten unsere “Stadtväter” zukunftsorientierte Politik machen und nicht diese ego-geteuerte Klientelpolitik auf Kosten der Allgemeinheit und der Nachkommen…..denn diese Dauerbelastung kann und dürfte sich unsere (höchst verschuldete) Stadt gar nicht leisten!!!Hier könnten diese ein klares Signal setzen, dass sie wirklich Verantwortung für das Wohl ALLER Bürger und die Zukunft unsere Stadt übernehmen!!!
    Hier könnte ein Bürgerentscheid helfen und die “Scheuklappen” etlicher Stadtratsmitglieder beseitigen!
    Aber wie man ja unschwer an der Stellungnahme von H. Nöhl (SPD) sieht, ist das wohl nur Wunschdenken….denn wenn dieser einen Bürgerentscheid für unnötig bzw. überflüssig hält und das mit dem Hinweis auf eine Umfrage auf der Theaterhomepage begründet (wenn wunderts das hier nur Befürworter abstimmen), sieht man wie ignorant hier vorgegangen wird!

    Demokratie geht anders….oder heist es nicht SozialDEMOKRATIsche Partei????

     
  5. Christian R.

    Es ist mir unverständlich, warum mit einer baulichen Struktur, die die Trierer Bürgerschaft in den sechziger Jahren aus eigenem Engagement geschaffen hat, so respektlos umgegangen wird. Auch Architektur der Nachkriegsmoderne ist zu bewahren. In Köln hat erst ein Bürgerbegehren die Politik davon überzeugt, dass der Erhalt des Riphahn-Ensembles nötig ist. Man kann davon ausgehen, dass alles, was mit klammem Budget in Trier gebaut werden wird, auf längere Sicht an baulicher Substanz und ästhetischem Anspruch dem bestehenden Bau am Augustinerhof nicht überlegen sein wird. Eine nachhaltige Renovierung des Trierer Baus stellt nicht nur einen respektvollen Umgang mit den Verdiensten der Trierer Bürgerschaft dar, sondern weist jene in Schranken, die sich mit einem Bau ein Denkmal setzen wollen.

     

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