Theater Trier – Freie Wähler wollen Strukturreform

Die FWG mit Sprecher Hermann Kleber (Mitte) fordert "eine Strukturreform des Theaters ohne Denkverbote". Foto: Rolf Lorig

Die FWG mit Sprecher Hermann Kleber (Mitte) fordert “eine Strukturreform des Theaters ohne Denkverbote”. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Die große Allianz im Trierer Stadtrat zum Erhalt des Theaters als Mehrspartenhaus bröckelt anscheinend. FDP und AfD haben bereits mehrfach eine breite und ergebnisoffene Strukturdebatte zur Zukunft des Kulturhauses gefordert. Nun rücken auch die Freien Wähler (FWG), ausgelöst durch die anhaltende Finanzkrise am Theater, vom Blankoscheck für das Mehrspartenhaus ab. Nach der jüngsten Fraktionssitzung am Montagabend fordert die FWG “eine Strukturreform des Theaters ohne Denkverbote”. Zu prüfen sei ferner, so FWG-Sprecher Hermann Kleber, “ob der gültige Stadtratsbeschluss zum Erhalt des Mehrspartenhauses aufgehoben oder abgeändert werden muss”. Außerdem soll die Entscheidung über die geplante Sanierung aufgeschoben werden. Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) und Intendant Karl Sibelius werfen die Freien Wähler “grobe Pflichtverletzungen” im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit gegen den entlassenen Schauspieldirektor Ulf Frötzschner vor.

Die Freien Wähler gehen auf Distanz. Auf Distanz zum Kulturdezernenten, auf Distanz zum Intendanten, auf Distanz zum Blankoscheck für das Mehrspartenhaus, den der Stadtrat 2013 ausgestellt hatte. Sprecher Hermann Kleber gilt seit jeher als konstruktiver, aber kritischer Begleiter des Kulturhauses am Augustinerhof. Nach der heutigen Fraktionssitzung der FWG formuliert Kleber ungewöhnlich scharf. Offensichtlich sind auch die Freien Wähler nach den monatelangen Personalquerelen und der anhaltenden finanziellen Krise am Ende ihrer Geduld angelangt.

Künftig sei “der Spielbetrieb am Theater nicht mehr durch die Erhöhung der freiwilligen Leistungen gesichert”. Deswegen müsse “unverzüglich eine Strategie über geeignete Alternativen entwickelt und den entsprechenden Gremien zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden”. Heißt im Klartext: Der Erhalt des Mehrspartenhauses ist für die FWG kein Dogma mehr.


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Doch dieser Strukturdebatte “ohne Denkverbote”, wie sie die Freien Wähler jetzt fordern, steht der Beschluss des Stadtrates diametral entgegen. Den will die FWG nun womöglich kippen. Daher soll geprüft werden, ob der Beschluss abgeändert oder möglichweise sogar aufgehoben werden muss.

In der Konsequenz sollen alle Pläne zur geplanten Sanierung des Theaters vorerst auf Eis gelegt werden, bis geklärt ist, “welche Rolle das Theater in der Stadt und in Region spielen soll”. Eng verbunden damit sei die Frage, so Kleber, “welches Theater Stadt und Region sich dauerhaft leisten können und wollen?”.

Bei der Aufarbeitung des Rechtsstreits zwischen der Stadt und dem entlassenen Schauspieldirektor Ulf Frötzschner unterstützt die FWG offensichtlich die jüngste Forderung der SPD – und geht sogar noch darüber hinaus. Während die Genossen eine Abmahnung für Sibelius fordern, sehen die Freien Wähler nicht nur beim Intendanten, sondern auch bei Kulturdezernent Egger “grobe Pflichtverletzungen”. Daher seien in beiden Fällen personalrechtliche Konsequenzen, aber auch Schadensersatzansprüche der Stadt zu prüfen und gegebenenfalls auch geltend zu machen. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Die Reporter-Meldungen, Dossier Theater, Featured, inside54.de 2 Kommentare

2 Kommentare zu Theater Trier – Freie Wähler wollen Strukturreform

  1. Stephan Jäger

    „In der Konsequenz sollen alle Pläne zur geplanten Sanierung des Theaters vorerst auf Eis gelegt werden, bis geklärt ist, “welche Rolle das Theater in der Stadt und in Region spielen soll”.“

    Und wer klärt das? Und wann? Und wie klärt man sowas?

    Fragen über Fragen, bei deren Beantwortung die völlig inhaltsleere Sprechblase, die ich da gerade gelesen habe, nicht wirklich weiter hilft. Aber, Denken nicht zu verbieten, ist ja schonmal ein progressiver Ansatz für den Verein. Und, eine Forderung der SPD zu unterstützen, ist ja fast schon Hochverrat am Ehrenvorsitzenden.

     
  2. Marco Berweiler

    Es geht doch nicht darum, was andere Parteien vorher gesagt haben, sondern um die Sache an sich.

    Wenn andere Parteien Forderungen in die gleiche Richtung stellen, ist es umso besser … die Chancen auf Umsetzung steigen und beide haben was davon.

    Wer wie wann was klärt, muss natürlich noch festgelegt werden, hier ist aber dann auch die Verwaltung gefordert.

    Fakt ist: das Theater in der bisherigen Größe und dem bisherigen Aufwand ist dauerhaft nicht finanzierbar, von den morgen veröffentlichten Sanierungskosten mal ganz zu schweigen.

    Also: erst mal den langfristigen Bedarf ermitteln und dann in Ruhe über eine Sanierung entscheiden als vorschnell eine Sanierung oder / und Anbau bzw. zweite Spielstätte in Auftrag zu geben und am Ende an den zu hohen Kosten und einem nicht ausgelasteten Theater zu scheitern.

    Lieber also alles ’ne Nummer feiner, kleiner und machbar als zu groß und auf Dauer nicht bezahlbar.

    Bei solchen Großprojekten ist doch meist vorhersehbar, dass es am Ende leider teurer wird als vorher geplant … und das kann sich Trier nun wirklich nicht leisten.

     

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