Theater Trier – “Ich hab’ die Faxen dicke!”

Enttäuscht sei er von den Alleingängen, sagte der OB. Damit war auch Dezernent Egger gemeint. Foto: Rolf Lorig

Enttäuscht sei er von den Alleingängen, sagte der OB. Damit war auch Dezernent Egger gemeint. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Der fristlos entlassene Schauspieldirektor Ulf Frötzschner kehrt zumindest für ein Jahr ans Theater Trier zurück. Das haben Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Kulturdezernent Thomas Egger (beide SPD) am Montag auf der über zweistündigen Pressekonferenz des Stadtvorstandes bekanntgegeben. Damit geht die Stadt auf den Vorschlag Frötzschners vor dem Bühnenschiedsgericht ein. Der Thüringer hatte angeboten, die kommende Spielzeit zu Ende zu bringen und dann gegen eine Abfindung von 50.000 Euro seinen Fünf-Jahres-Vertrag zu beenden. Die Entscheidung fiel laut Leibe während der Klausurtagung der Stadtspitze am Wochenende. Nach Auskunft Eggers ist Theater-Intendant Karl Sibelius mit der Rückkehr Frötzschners einverstanden. Egger räumte selbstkritisch ein, “dass meine Warnlampen nicht angegangen sind, als ich von dem Termin in Frankfurt erfahren habe”. Leibe kritisierte die Alleingänge seines Kulturdezernenten und des Intendanten scharf. “Das geht einfach nicht”, sagte der Stadtchef.

Am Anfang stand eine Kopie. “Allmächtige Intendanten” überschrieb die Journalistin Christine Dössel ihr Essay Ende August in der Süddeutschen Zeitung. Sie behandelt darin die Zustände in München. Weit weg von Trier und doch so nahe. Auf Wunsch Leibes teilte Presseamtschef Hans-Günther Lanfer das Papier an die zahlreichen Journalisten aus, die zur ersten Pressekonferenz des Stadtvorstandes nach der Sommerpause erschienen waren. Es sollte eine werden, die es in sich hatte.

Noch nie war dem Stadtchef der Ärger während seiner 17 Monate dauernden Amtszeit derart ins Gesicht geschrieben wie am heutigen Montag. “Ich hab’ die Faxen dicke!”, platzte der Zorn aus Leibe verbal heraus. Der Sozialdemokrat sprach vom “Reparaturbetrieb Theater”, um den er sich Woche für Woche kümmern müsse. Und er ließ auch keinen Zweifel daran aufkommen, wenn er für das Stottern des Kulturmotors verantwortlich macht: Dezernent Egger und Intendant Sibelius. “Ich bin enttäuscht”, sagte Leibe, “diese Alleingänge gehen nicht.”

“Stoppschilder überfahren”

Schließlich hatte der OB sich “mit viel Mühe” eine Mehrheit im Stadtrat für die neue Doppelspitze am Theater erarbeitet. Und dann das. Egger nimmt die Aufgaben des Verwaltungsdirektors aktuell kommissarisch wahr. Nach Frankfurt zum Gütetermin ließ der Kulturdezernent seinen Intendanten jedoch alleine fahren – nur in Begleitung eines Anwalts. Er selbst habe erst am Morgen des Termins von diesem durch Sibelius erfahren. “Die Terminladung ging Anfang Juli an das Theater, nicht an die Stadt”, so Egger. Dennoch unterließ er es, seinen Parteifreund und Oberbürgermeister davon in Kenntnis zu setzen. “Ja, meine Warnlampen sind nicht angegangen”, räumte Egger ein.


Der Kommentar − Die Geister, die sie riefen…


“Wir haben Stoppschilder aufgestellt, damit genau so etwas nicht passiert”, zürnte Leibe, “und die werden dann einfach überfahren.” Der Stadtchef kündigte an, personalrechtliche Konsequenzen für den Intendanten wegen dessen Alleingangs intern prüfen zu lassen. Der Vorwurf des Dienstvergehens steht dabei im Raum. “Karl Sibelius ist ein städtischer Amtsleiter”, betonte Leibe. Und auch Egger machte klar: “Der Intendant war als Zeuge in Frankfurt, nicht als Verhandlungsführer.” Somit hätte der Österreicher von sich aus überhaupt kein Angebot an Frötzschner unterbreiten dürfen. Allerdings sei der Stadt kein Schaden entstanden.

Erst raus, jetzt wieder rein: Ulf Frötzschner kehrt ans Theater zurück. Foto: Theater Luzern

Erst raus, jetzt wieder rein: Ulf Frötzschner kehrt ans Theater zurück. Foto: Theater Luzern

“Ich habe Karl Sibelius klipp und klar gesagt”, so Egger, “dass keine Entscheidung ohne Absprache mit mir getroffen werden darf.” Während der Verhandlung habe er kurz mit Sibelius telefoniert. Dabei sei man übereingekommen, auf die 14-tägige Widerrufsfrist zu pochen. Und warum fuhr er als kommissarischer Verwaltungsdirektor nicht selbst nach Frankfurt? “Weil ich erst am Morgen von der Verhandlung erfahren habe und meine Termine einfach nicht mehr umlegen konnte.” Sibelius hatte es also unterlassen, den Kulturdezernenten rechtzeitig zu informieren. “Letztlich muss man aber auch sagen, dass der Anwalt auf mich hätte zukommen müssen”, so Egger.

Theaterleitung muss zum Rapport

Der habe zudem signalisiert, dass die fristlose Kündigung Frötzschners rechtens gewesen sei. “Von daher war ich über den Ausgang des Gütetermins schon irritiert”, so Egger, zumal eine juristische Vorprüfung stattgefunden habe. Die Frage, ob der Anwalt auch weiter für die Stadt tätig sein werde, beantwortete der Sozialdemokrat mit einem lauten Lachen. Was soviel hieß, wie: wohl kaum! Ebenso wie Leibe erwartet Egger nun von Frötzschner und Sibelius “professionelles Verhalten in der Sache”. Die Hierarchie sei klar, sagte Leibe.

Der OB ließ aber auch keinen Zweifel daran, wer für die Dauerbaustelle Theater die Verantwortung trägt. “Der Stadtrat wollte, dass alles anders wird, und er wollte die Ein-Mann-Struktur.” Nun sei die Verwaltung eben täglich mit dem Reparaturbetrieb am Augustinerhof beschäftigt. “Deswegen brauchen wir dringend jemanden, der diesen Betrieb kontrolliert.” Laut Leibe wird der neue Verwaltungsdirektor in dieser Woche ausgesucht, der dann am 1. Oktober seine Arbeit aufnehmen soll – vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrates am 29. September.

Zur aktuellen Situation am Theater werden Leibe und Egger zeitnah ein Gespräch mit der Theaterleitung führen. Der OB wird dabei ein 13-Punkte-Papier vorlegen, in dem die Erwartungen des Stadtvorstandes formuliert sind. Drei Kriterien sind dem Stadtchef dabei besonders wichtig: Finanzplanung, Zukunftssicherung und die Geschäftsstruktur. (et)

Extra

Laut Egger fällt die Anzahl der Abonnements am Theater von zuletzt 1816 zu Beginn der Spielzeit 2015/2016 auf 1296 zur neuen Spielzeit. Das entspricht einem Minus von 523 Abonnenten. Die Auslastung unter der Intendanz von Karl Sibelius fiel auf 65,6 Prozent. In der letzten Spielzeit von Gerhard Weber lag sie bei 69,2 Prozent. Während unter Weber noch 97.849 Zuschauer ins Theater kamen, waren es unter Sibelius nur noch 79.452.

Das prognostizierte Defizit von rund 1,3 Millionen Euro für 2016 muss laut Leibe über einen dritten Nachtragshaushalt finanziert werden. 964.000 Euro sind davon nach Angaben Eggers bereits gegenfinanziert, unter anderem durch die Einnahmen bei den städtischen Tempokontrollen. Der bisher noch ungedeckte Betrag beläuft sich auf 325.000 Euro.

Die Kosten der geplanten Theatersanierung sollen frühestens am 15. September in der Sitzung des Kulturausschusses vorgestellt werden. Nach reporter-Informationen steht ein hoher zweistelliger Millionenbetrag im Raum, der deutlich über 30 Millionen Euro liegt. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, inside54.de, Politik 2 Kommentare

2 Kommentare zu Theater Trier – “Ich hab’ die Faxen dicke!”

  1. Det

    Möglicherweise, verbindet unseren Dezernenten und dem “NERO” des Stadttheaters mehr, als nur das berufliche ?

     
    • Christian Miedreich

      ??? …diesen Kommentar sollte man eigentlich ignorieren und kommentarlos löschen…oder spiegelt das das Niveau des Trier Reporter wider?

       

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