Theater Trier – Müller soll’s machen

Herbert Müller (links), hier mit Dezernent Egger, soll neuer Verwaltungsdirektor am Theater werden.

Herbert Müller (links), hier mit Dezernent Egger, soll neuer Verwaltungsdirektor am Theater werden.

TRIER. Herbert Müller, derzeit noch Dezernats-Controller von Thomas Egger (SPD), soll neuer Verwaltungsdirektor am Theater Trier werden. Egger bestätigte am heutigen Mittwoch entsprechende reporter-Informationen. Am Donnerstag wird der Personalrat über den Vorschlag des Kulturdezernenten beraten, danach sind Steuerungsausschuss und Stadtrat gefragt. Müller soll seine Arbeit als neuer Verwaltungsdirektor am Theater in der Doppelspitze mit Intendant Karl Sibelius am 1. Oktober aufnehmen. “Sollten die Gremien zustimmen”, so Egger gegenüber dem reporter, “verliere ich selbst einen guten Mann, der aber hochqualifiziert dafür ist, diesen Job zu machen.” Nach bisher noch unbestätigten reporter-Informationen soll die geplante Theater-Sanierung mindestens 55 Millionen Euro kosten. Egger will die vom Münchener Büro theapro ermittelten Zahlen allerdings erst morgen in einem Pressegespräch präsentieren. Am frühen Abend wird sich dann auch der Kulturausschuss mit dem Sanierungsthema befassen.

Also Müller: Der 55-Jährige gilt im Rathaus als enger Vertrauter Eggers. Ehe Müller ins Dezernat des Sozialdemokraten wechselte, arbeitete er unter der Regie von Bürgermeisterin Angelika Birk (Grüne). Müller gehört nach reporter-Informationen zu jener Riege von Mitarbeitern, die wegen Differenzen mit der Grünen Versetzungsanträge stellten. Ex-Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) griff damals persönlich in die Angelegenheit ein, um die Personalquerelen im Birk-Dezernat zu beenden. Müller verließ das Amt der Grünen und wechselte schließlich nach einer kurzen Zwischenstation auf anderer Stelle im Rathaus als Controller ins Egger-Dezernat.

Der 55-Jährige war in den vergangenen Monaten wegen der anhaltenden Finanzkrise am Theater ohnehin dauerhaft mit dem Kulturhaus am Augustinerhof beschäftigt. “Deswegen kennt er sich bestens aus”, so Egger, “und kann sich auch sehr kurzfristig in die gesamte Materie einarbeiten.” Der Sozialdemokrat ist sich sicher, dass Müller “das administrative und kaufmännische Knowhow mitbringt, um die sicher nicht einfache Aufgabe zu meistern”.


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Nach weiteren reporter-Informationen soll sich auch der am Theater fristlos entlassene Opern-Sänger Christian Sist als Verwaltungsdirektor beworben haben. Der gebürtige Kärntner ist von Hause aus studierter Wirtschaftswissenschaftler, war Unternehmensberater, ehe er als Sänger ins Kulturfach wechselte. Sist klagt derzeit gegen seine fristlose Entlassung durch Intendant Sibelius. Der Gütetermin vor dem Bühnenschiedsgericht ist für Oktober angesetzt. Sibelius hatte seinem Landsmann Arbeitsverweigerung vorgeworfen, weil Sist ohne Genehmigung einer Einladung zu einem Festival nach Kolumbien gefolgt war.

Als Verwaltungsdirektor soll Müller die anhaltende Finanzkrise am Theater beheben.

Als Verwaltungsdirektor soll Müller die anhaltende Finanzkrise am Theater beheben.

Auch Jörg Jansen vom Amt Zentrale Dienste/Finanzen soll Interesse an der Stelle des Verwaltungsdirektors bekundet haben, zog seine Bewerbung dann aber zurück. Der Stellvertreter von Amtsleiter Elmar Kandels beabsichtigte nach weiteren reporter-Informationen, Dirk Eis mit ans Theater zu nehmen. Eis war ursprünglich in der geplanten Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) als stellvertretender Intendant für die Finanzen vorgesehen. Nach schweren Differenzen mit Sibelius verließ Eis jedoch das Theater und wechselte ins Rathaus. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) soll sich als Personaldezernent persönlich in die Angelegenheit eingeschaltet haben. Inzwischen arbeitet Eis an der Seite von Kandels und Jansen im Amt Zentrale Dienste/Finanzen. Die von Jansen ins Spiel gebrachte Rückkehr Eis’ ans Theater stieß nicht nur bei Sibelius, sondern auch bei Egger auf erheblichen Widerstand.


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Egger betonte gegenüber dem reporter: “Ich halte Herbert Müller für die beste Wahl, aber natürlich sind wir noch mitten im Verfahren.” Morgen wird der Personalrat sich mit der Angelegenheit befassen, dann sind Steuerungsausschuss (22. September) und Stadtrat (29. September) gefragt. Leibe drängt auf den Ratsbeschluss, um so dem Verdacht zu begegnen, die Personalsache werde von der Verwaltung im Alleingang entschieden. Die neue Doppelspitze am Theater geht auf die Initiative des Oberbürgermeisters zurück. Im Juli hatten Ausschuss und Stadtrat zugestimmt. (et)

Extra

Nach bisher noch unbestätigten reporter-Informationen soll die Sanierung des Theaters nach den Plänen des Münchener Büros theapro mindestens 55 Millionen Euro kosten – in der preiswertesten Variante. Die sieht die Erweiterung und den Ausbau des Graubner-Baus am Augustinerhof und eine zweite Spielstätte, etwa im alten Kürenzer Walzwerk, vor – allerdings ohne den Neubau der Kammerspiele, der auf einem Grundstück an der Hindenburgstraße errichtet werden könnte. Egger wollte sich am Mittwoch nicht zu den Zahlen äußern. Der Kulturdezernent will die Ergebnisse der Untersuchungen von theapro erst morgen um 15 Uhr vor der Sitzung des Kulturausschusses (17 Uhr, Theater) den Medien präsentieren. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, inside54.de, Politik 22 Kommentare

22 Kommentare zu Theater Trier – Müller soll’s machen

  1. Sascha

    Ein enger Vertrauter von Eggers?
    Nachtigall ick hör dir trapsen…
    Hoffentlich sind Teppich und Besen groß genug.

    Vielleicht hat der heilige Petrus aber doch ein Einsehen mit uns Trieren und im Gegensatz zu Dezernent und Intendant ist der “neue” Mann eine kompetente Fachkraft.

    55 Millionen für die Sanierung? Plus jährliche Millionen-Beträge von Stadt und Land?
    Also ehrlich, macht den Laden zu.
    Schaut dass die Mitarbeiter in anderen Bereichen der Stadt weiterbeschäftigt werden können (das Gehalt muss ja so oder so gezahlt werden) und gebt das Geld denen, die es wirklich brauchen.
    Krankenpflege, Kindergärten oder dem Tierheim.

    Trier hat auch ohne ein Theater genug Kultur um zwei Großstädte damit zu versorgen.

     
  2. Volker P

    Was sind denn das für Machenschaften und “Klüngeleien”. Ein enger Vertrauter vom “Egger” wird jetzt da im Theater eingesetzt!!! Unglaublich !!!! Da muss ein “Neuer” hin der Neutral ist!!!! Herr OB wie können Sie so was zulassen??? Herr Egger, Sie schämen sich wohl vor gar nichts mehr!!!

     
  3. Hans Maier

    … und wechselte als Controller ins E–Dezernat. Was würde denn da controlled ? Doch nicht etwa die Finanzen?
    Intern ausgeschrieben wurde die Stelle doch bestimmt, oder?

     
  4. Controlling im Rathaus?

    “Wie beim Theater versagte auch bei der ttm offensichtlich das Controlling. Das hat Egger inzwischen “nach außen” vergeben. … Wegen der finanziellen Schieflage unterbrach der Wirtschaftsprüfer Mitte Juli die Sichtung der Bücher.
    Egger holte daraufhin in Absprache mit Leibe einen externen Steuerberater sowie einen unabhängigen Buchhalter ins Haus….Bei der ttm fehlt bis heute die Bilanz für das Geschäftsjahr 2015. ”
    Quelle Bericht Trier Reporter “ttm in Schieflage – Leibe greift durch”

    Das war aber nicht derselbe? 😉

    Ich finde, ein externer Kandidat für die Position ohne Verknüpfungen zur Trierer Stadtverwaltung wäre ein gutes Zeichen!

     
    • Anna Majewski

      Ja, bloß ein externer Kandidat würde den Laden hochgehen lassen können nach Einsicht in die desaströsen Abläufe seit Beginn der Tätigkeite des KMS. Also musste es ein Vertrauter sein, ganz einfach. Darf man das Korruption nennen? Oder wurde die Stelle offiziell ausgeschrieben und von einem Gremium besetzt?

       
  5. Melanie

    Ein neutraler Vierter hatte sich ebenfalls beworben, leider wird er hier nicht einmal erwähnt! Schade! Was steckt hier wohl dahinter?

     
  6. Volker p

    Das Egger und Sibelius total gegen den Koll Eis sind zeigt doch nur von Angst! Das einer noch viel mehr aufdecken kann was die Beuden verursacht haben
    Es zeigt , dass sie gar nicht interessiert sind , dass das Theater auf Kurs kommt. Beide wollen weiter ihren ‘Schmuh’ treiben ohne Rücksicht auf Verluste . Herr Leibe lassen Sie das nicht zu was die Beiden da treiben . Ziehen Sie die Notbremse bevor es ganz zu spät ist

     
  7. augur

    Hoffentlich ist diese Personalentscheidung im Kreise der Dezernenten, zumindest jedoch mit dem OB abgesprochen und gut überlegt, keinen externen Verwaltungsdirektor einzustellen.

     
  8. Annette

    Muss man auf einen solchen Vorschlag von Herrn Egger hören? Das grenzt ja an totale Klüngelei. Lieber Steuerungsausschuss und lieber Stadtrat ihr solltet euch diese Entscheidung gut überlegen! Einen Controller einzusetzen,der bisher bereits dauerhaft mit dem Kulturausschuss beschäftigt war, na ob das so eine kluge Entscheidung ist. Warum wird unten von einem vierten geredet, der sich ebenfalls beworben hat? Ist hier etwa der Trier Reporter nicht richtig informiert worden oder wird auch er im Vorfeld schon parteiisch? Also überlegt euch die Entscheidung gut, man sollte vielleicht des Öfteren auch manches hinterfragen und sich nicht alles in den Mund legen lassen. Eure eigene Meinung ist gefragt und nicht die eines Herrn Eggers.

     
  9. Dietmar Marx

    Ich bezweifle, dass dies die richtige Wahl ist. Hier hätte ein “Externer” ans Ruder gehört, der unbelastet und vor allem unvoreingenommen ist.

     
  10. innenansicht

    @Volker P.:Herr Eis hatte seine Gelegenheit am Theater das Controlling aufzubauen und leider versagt!
    Dann hat er um dringende Versetzung ersucht. So sieht es aus!

     
    • Anna Majewski

      Genau, was war dem mit dem stylischen Herrn Eis, der zum “Wir haben uns alle so lieb” Dream-Team der ersten Stunde der bislang erfolglosen Intendanz von Herrn Maier S. gehörte. Man kann von den beiden halten was man will, aber unter Weber/Schäfer lief der Laden halbwegs. So ein entsetzliches Gezerre seit die Prinzessin in Trier aufschlug, gab es nie.

       
  11. Stephan Jäger

    Warum wird hier eigentlich nicht einfach dem richtungsweisenden Vorschlag der Fraktion der Freien Wähler gefolgt:
    Ganz neu über die Zukunft und Struktur des Theaters abstimmen und dabei DIESES MAL das Denken erlauben!

    http://www.trier-reporter.de/theater-trier-freie-waehler-wollen-strukturdebatte-trier/

    Das scheint ja vor der Beschlussfassung im Herbst 2013 verboten gewesen zu sein, wodurch das ganze Dilemma überhaupt erst zustande kommen konnte.

     
    • Tom

      Endlich mal ein guter Konmentar in den ganzen Vorwürfen hier, Herr Jäger. Die Grundproblematik muss gelöst werden, dann erledigt sich alles andere von alleine. Übrigens hat die FDP schon immer dementsprechend interveniert, jetzt ist scheinbar auch die FWG klüger [geworden] .

       
      • Stephan Jäger

        Schöner Nick! ;o)

         
  12. Stephan Jäger

    Ach ja, …und zu Sist/Eis:
    Was das Theater, neben der jetzt denn wohl unausweichlich bevorstehenden einjährigen Dauerfehde zwischen Sibelius und dem Schauspieldirektor Ulf Frötzschner, sicher am allerwenigsten gebrauchen kann, ist einen weiteren internen privaten Kleinkrieg auf dem Rücken und zum Schaden von Stadt und Belegschaft.

     
  13. Controlling im Rathaus?

    “Egger betonte gegenüber dem reporter: “Ich halte Herbert Müller für die beste Wahl, aber natürlich sind wir noch mitten im Verfahren.”

    Aha, ohne andere Kandidaten zu kennen, ist er schon die beste Wahl?

    “Nach schweren Differenzen mit Sibelius verließ Eis jedoch das Theater und wechselte ins Rathaus.”

    mhh, nur mal so ne Frage, wer hat eigentlich keine Differenzen mit Herrn Sibelius? Scheint ja ein Teamplayer zu sein!

     
  14. RaWa

    Einen Verwaltungsdirektor (Controller) von Eggers Gnaden in dieser verfahrenen Situation einzusetzen, würde dieser Posse die Krone aufsetzen.

     
  15. Petra

    @Es gibt keine Dauerfehde Sibelius – Frötzschner. Der Prozess lautet Theater Trier (Stadt Trier) gegen Frötzschner und wenn Sie die Presse verfolgen, hat der Kulturdezernent Konsequenzen für Herrn Frötzschner gefordert, ebenso wie diverse Mitarbeiter des Theaters.

     
    • Watt?

      @Petra
      Welch Erkenntnis!
      Ja klar stehen sich im Prozess die Stadt Trier und Herr Frötzschner gegenüber, die Stadt Trier ist ja auch sein Arbeitgeber, genau wie der von Herrn Sibelius. Und dem drohen personalrechtliche Konsequenzen, da er sich nicht an Weisungen gehalten , seinen Dienstherrn nicht informiert hat und über seine Kompetenzen finanzielle Angebote vor Gericht gemacht hat, was er hätte entsprechend dem Stadtratsbeschluss nicht tun dürfen. Ist das denn alles so schwer zu verstehen? 😉
      Nur mal so ne Frage: Gehören Sie zu den “diversen Mitarbeitern”? 😉

       
      • Besserwisser

        In der heutigen Printausgabe des TV steht, dass es keine personalrechtlichen Konsequenzen geben wird. Traurig, aber es scheint so zu sein.
        Vermutlich wird auch weiter gewurstelt wie bisher.
        Also war alles ganz anders und gar nicht so schlimm. Einer weiß nichts, der andere kann nichts, macht nichts, schade.

         
    • Stephan Jäger

      @Petra:

      Was „der Kulturdezernent und diverse Mitarbeiter des Theaters fordern“ ist ja zunächst einmal von untergeordneter Bedeutung. Entscheidend wird sein, was am Ende juristisch durchsetzbar ist.

      Und falls es hier letztlich tatsächlich zu einer Weiterbeschäftigung des Schauspiedirektors für eine weitere Spielzeit (wie im seitens der Stadt, vor allem vom Oberbürgermeister, bevorzugten Vergleichsangebot vorgesehen) kommen wird, wie stellen Sie sich denn dann die Zusammenarbeit mit dem Intendanten Sibelius vor? Freundlich, einvernehmlich und konstruktiv?

       

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