Theater Trier – Rücke vor auf Los

Kulturdezernent Thomas Egger (Mitte) informierte am Mittwoch kurzfristig über die veränderten Pläne der Stadt. Links Eggers Controller Herbert Müller, rechts Pressechef Dr. Hans-Günther Lanfer.

Kulturdezernent Thomas Egger (Mitte) informierte am Mittwoch kurzfristig über die veränderten Pläne der Stadt. Links Eggers Controller Herbert Müller, rechts Pressechef Dr. Hans-Günther Lanfer.

TRIER. Thomas Egger hat am Mittwoch die veränderten Absichten der Stadt zum geplanten Neubau des Theaters vorgestellt. Vor der nichtöffentlichen Sitzung des Kulturausschusses informierte der Dezernent in einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch darüber, dass die bisherigen Pläne zunächst einmal auf Eis liegen. Nun soll geprüft werden, ob die Sanierung des Graubner-Baus am Augustinerhof doch möglich ist. Bisher hatte sich die Verwaltung rein auf die Neubau-Variante fixiert. Bei der Sanierung des alten Gebäudes ist ein zweiter, kleinerer Neubau an einem anderen Standort allerdings unumgänglich. Dort könnten die Werkstätten, die Lager und die Studio-Bühne untergebracht werden. Ob diese Variante dann günstiger kommt als der bisher beabsichtigte Neubau, sollen die weiteren Untersuchungen zeigen. Egger räumte ein, dass der öffentliche Druck, aber auch der Widerstand der Fraktionen zu einem Umdenken im Rathaus geführt hätten. Für den Neubau stehen aktuell Kosten von rund 55 Millionen Euro im Raum. Der Dezernent sprach am Mittwoch sogar von einer Kostenspanne zwischen 50 und 80 Millionen Euro. Die SPD hatte die Deckelung der Kosten im Architektenwettbewerb auf 40 Millionen Euro gefordert. Die AfD hingegen hatte jüngst erneut ihre Forderung nach einem Bürgerentscheid bekräftigt.

“Jetzt halten wir inne und drehen eine Traumschleife.” Bei diesem Satz wirkt die Mine des Dezernenten nicht gerade entspannt, und um den Mund herum liegt ein leicht verkniffenes Lächeln. Eggers Traum ist es nicht, nun auf Los vorzurücken. Zumal sich für den ehemaligen Liberalen anders als beim Monopoly eben nicht die Kasse öffnet und er sogar den doppelten Startzuschuss ausgezahlt bekommt. Doch die Zeiten ändern sich, und seit dem Amtsantritt des neuen Oberbürgermeisters Wolfram Leibe (SPD) hat sich innerhalb von nur vier Wochen sehr viel im Rathaus verändert. Anders als sein Vorgänger Klaus Jensen, der in seiner Schlussphase ob der ständigen Querelen oft ausgelaugt und müde wirkte, mischt der neue Mann sich ein. Der Sozialdemokrat lässt die Dinge nicht einfach laufen – weder in Eggers Dezernat noch in dem seiner Stellvertreterin Angelika Birk (Grüne). So wird Leibe am Donnerstag selbst bei einem Ortstermin in der Halle des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums über den Sachstand bei den Sporthallen informieren.

Politische Dimension

Leibe stellt Fragen, unbequeme zudem. Nicht auf jede habe man eine Antwort gehabt, räumt Egger ein. Ferner bezieht der neue Stadtchef auch die politische Dimension von Entscheidungen in seine strategischen Überlegungen ein. Die öffentliche und veröffentlichte Meinung verzeiht angesichts maroder Sporthallen, verschimmelter Kitas und Schulen und teils menschenunwürdigen Zuständen in den städtischen Wohnungen keine Pläne im kulturellen Wolkenkuckucksheim. “Ich wäre doch mit dem Klammerbeutel gepudert, trüge ich dem nicht Rechnung”, sagt Egger. Die neue Rechnung wird dem Kulturdezernenten durch den Widerstand gegen seine bisherigen Pläne aufgemacht – in der Öffentlichkeit, in den Fraktionen. Zwar betont Triers oberster Kulturhüter, er stehe nach wie vor zu den bisherigen Ergebnissen, die in seinem Dezernat erarbeitet wurden. Er sagt aber auch: “Vor dem Hintergrund der hohen Kosten war die Fixierung auf den Standort Augustinerhof sicher ein Fehler.” Den räumt er unumwunden ein.

Die politische Dimension ist auch Egger bewusst. Die AfD drängt auf einen Bürgerentscheid, die SPD will die Kosten im Architektenwettbewerb auf 40 Millionen Euro gedeckelt sehen. “Und dann haben wir demnächst auch noch Wahlkampf im Land”, sagt der Dezernent, dem vom Berliner Architekten Professor Jörg Springer bereits signalisiert wurde, dass der Neubau am Augustinerhof für 40 Millionen Euro nicht zu haben sein wird. Also muss Egger zurück auf Los. Denn weder er noch die Stadt sind bei dieser Sache autark. Das Land wird wegen der Zuschüsse mitsprechen wollen, die ADD sowieso, weil der Theater-Neubau ein Posten in den sogenannten freiwilligen Ausgaben ist. Und dann ist da auch noch der Landesrechnungshof in Speyer, der mit der Mainzer Regierung ohnehin im Dauer-Clinch liegt und jede Ausgabe kritisch beäugt.

Egger widerspricht am Mittwoch auch der in der Öffentlichkeit kolportierten Information, das Land würde bei Gesamtkosten von circa 55 Millionen Euro rund 40 Millionen Euro, also knapp 80 Prozent übernehmen. CDU-Fraktionschef Dr. Ulrich Dempfle hatte diese Behauptung medial verbreitet. “Wir sprechen hier über die Förderung im I-Stock-Programm des Landes“, sagt Egger, “da sind maximal 50 bis 60 Prozent an Zuschüssen drin.” So blieben selbst im günstigsten Fall immer noch etwa 23 Millionen Euro bei der Stadt hängen. Nur bei jener Variante, die das Theater und die Tufa zusammenzöge, könnten Mittel im europäischen EFRE-Programm beantragt werden. Dann ließe sich die Förderung auf bis zu 90 Prozent steigern. “Aber eben auch nur dann”, betont der Dezernent.

Variante Tufa-Theater geht nicht

Doch die Variante, Teile des Theaters hinter die Tufa zu setzen und das alternative Kulturhaus gleichzeitig zu erweitern, ist schon aus verkehrstechnischen Gründen zwischen Weberbach und Wechselstraße definitiv vom Tisch. “Geht gar nicht”, sagt Egger. Folglich muss der Dezernent nun die Statiker in den maroden Graubner-Bau am Augustiner schicken. Die sollen eruieren und austesten, welche Stücke des 60er-Jahre-Leichnams reanimiert werden können, respektive wo noch Leben drin ist. Die Experten waren jüngst im Haus. Doch nur, weil ein Wassereinbruch die Decke beschädigt hatte und diese statisch untersucht werden musste. Alles andere wurde nicht überprüft.

Möglich also, dass die Fachleute zum Ergebnis kommen: Zieht man auch nur einen Stecker aus dem Graubner-Bau heraus, zerfällt er wie eine altägyptische Mumie im Sandsturm. Lassen sich jedoch Teile erhalten – etwa die Bühne und der Zuschauerraum –, braucht das Theater trotzdem einen Neubau an einem anderen Standort. Kleiner zwar und weniger teuer, doch gebaut werden muss er, weil ein Weiterso am Augustinerhof unmöglich ist. Schon die heutigen Arbeitsvorschriften lassen sich im alten Haus nicht mehr baulich umsetzen. Zudem wurde seinerzeit nach heutigen Maßstäbe völlig falsch gebaut. Die Werkstätten etwa wurden seitlich errichtet und eben nicht in der Flucht hinter der Bühne. “So würde heute niemand mehr bauen”, sagt Egger.

Wo der kleinere Neubau entstehen könnte, dazu kann Egger nur mit den Achseln zucken. Denkverbote will er sich allerdings nicht auferlegen. Das Walzwerk in Kürenz ist als Standort ebenso möglich wie das Gelände der ehemaligen Kabinenbahn in der Zurmaiener Straße oder auch ein Stück in Trier-West. Was der Dezernent aber jetzt schon weiß, ist, dass zwei Gebäude die Folgekosten unter anderem beim Personal deutlich erhöhen würden. “Ich weiß es nicht”, sagt er, “aber wenn wir Glück haben, kostet uns diese Variante dann nur 45 Millionen Euro.” Womit wieder das Land und der Rechnungshof im Spiel wären. Denn Förderung wird gewöhnlich nur dann gewährt, sofern die Sanierungskosten unter dem Schwellenwert von 80 Prozent eines Neubaus liegen.

Projektgruppe um Sibelius

Rissen wirklich alle Stricke, wäre die Stadt wieder bei der ursprünglichen Ausgangslage. Vor drei Jahren hatte Egger die reinen Sanierungskosten im Bestand ohne die später erfolgten Untersuchungen auf rund 20 Millionen Euro beziffert. “Aber auch da kann man heute mindestens fünf Millionen draufpacken.” Wirklich weiterhelfen würde eine solche Sanierung, die kaum mehr als Kosmetik sein könnte, ohnehin nicht. In einigen Jahren stünde die Stadt nämlich vor dem gleichen Problem wie heute. Das Theater wäre erneut marode.

Der alte Bau am Augustinerhof wird nun erneut untersucht.

Der alte Bau am Augustinerhof wird nun erneut untersucht.

Ungeachtet der veränderten Ausgangslage strebt Egger den Grundsatzbeschluss des Stadtrates noch in diesem Jahr an. Ursprünglich wollte Triers oberster Kulturhüter seine Pläne schon bis zum November letzten Jahres im I-Stock-Programm des Landes anmelden. Das muss geschehen, um im Folgejahr die Fördermittel zu erhalten. Doch dieser ehrgeizige Zeitplan war nicht zu halten. Also soll das Theater nun zum kommenden November hin in Mainz angemeldet werden. Bis Mai wird eine Projektgruppe um den neuen Intendanten Karl M. Sibelius klären, wie sich die Räume, Bühnen, Werkstätten und Lager auf zwei Standorte aufteilen lassen. Die Ergebnisse der statischen Untersuchungen im Graubner-Bau sollen in zwei bis drei Monaten vorliegen. Der Beteiligungsprozess der Öffentlichkeit, den die ehemalige Baudezernentin von Regensburg, Stephanie Utz, leiten soll, wird erst anlaufen, wenn alle Fakten zusammengetragen sind.

Die Sorgen des Dezernenten werden also nicht kleiner. Über den Ausgang der Landtagswahl im kommenden März macht Egger sich allerdings keine Gedanken: “Egal, wer in Mainz an der Regierung ist”, sagt der Kulturchef, “er kann es sich nicht erlauben, dem Oberzentrum Trier ein Theater zu verweigern.” (et)

ZUM KOMMENTAR von Eric Thielen


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Kultur, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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