Theater Trier – SPD fordert Abmahnung für Sibelius

Im Gespräch mit dem reporter betont Ministerpräsidentin Malu Dreyer, dass die Landesregierung sich nicht in die Krise am Theater Trier einmischen werde. SPD-Chef Sven Teuber setzt seine Hoffnungen auf die Arbeit des neuen Verwaltungsdirektors. Foto: Rolf Lorig

Im Gespräch mit dem reporter betont Ministerpräsidentin Malu Dreyer, dass die Landesregierung sich nicht in die Krise am Theater Trier einmischen werde. SPD-Chef Sven Teuber setzt seine Hoffnungen auf die Arbeit des neuen Verwaltungsdirektors. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Die Trierer SPD fordert eine Abmahnung für Theater-Intendant Karl Sibelius wegen dessen Rolle im Rechtsstreit mit dem fristlos entlassenen Schauspieldirektor Ulf Frötzschner. Der Österreicher hatte es unterlassen, Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) frühzeitig über den Gütetermin in Frankfurt zu informieren. Zudem führte Sibelius die Verhandlungen vor Gericht ohne städtischen Auftrag, da ihm die Entscheidung in den finanziellen und personellen Angelegenheiten zu diesem Zeitpunkt bereits entzogen war. “Dieses Verhalten muss Konsequenzen haben”, betont SPD-Chef Sven Teuber gegenüber dem reporter. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärte am Samstag erstmals öffentlich gegenüber dem reporter, das Land werde sich in die Krise am Theater nicht einmischen. Allerdings stehe sie uneingeschränkt hinter den Aussagen von Konrad Wolf. Der neue Mainzer Kulturminister hatte die wirtschaftliche Situation am Trierer Theater jüngst in einem Radiointerview als “Beispiel für ein finanzielles Desaster” bezeichnet. Ferner erklärte der parteilose Kulturminister, die Landesregierung werde ihren Zuschuss von derzeit rund 5,8 Millionen Euro pro Jahr auf keinen Fall erhöhen.

Am Donnerstag tagt der Kulturausschuss im Theater. Dort bereiten sich die über 200 Mitarbeiter derzeit auf die neue Spielzeit vor, die am 24. September mit Brittens Oper “A Midsummer Night’s Dream” eröffnet wird. Egger will die Kosten der geplanten Sanierung vorstellen. Die Rede ist von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag, der deutlich über 20 Millionen Euro liegen soll. CDU, Grüne und Linke werden den Kulturdezernenten mit umfangreichen Fragenkatalogen löchern, die auch die Rolle des Intendanten beleuchten. Noch führt Karl Sibelius Regie am Trierer Kulturhaus. Ob der umstrittene Intendant die Spielzeit aber auch zu Ende bringen wird, ist derzeit keineswegs sicher.

Die SPD fordert nun zunächst einmal eine Abmahnung für Sibelius wegen dessen Rolle im Rechtsstreit mit dem entlassenen Schauspieldirektor Ulf Frötzschner. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) hatte bereits angekündigt, personalrechtliche Konsequenzen für den Intendanten prüfen zu lassen. Obwohl Sibelius die finanzielle und personelle Regie entzogen worden war, führte der Österreicher nicht nur den Schriftwechsel mit dem Bühnenschiedsgericht, sondern auch die Verhandlungen beim Gütetermin Ende August. Zudem unterließ Sibelius es offenbar, seinen Dienstvorgesetzen rechtzeitig über den Termin in Frankfurt zu informieren. Das zumindest hatte Egger in der ersten Pressekonferenz des Stadtvorstandes nach der Sommerpause und nach reporter-Informationen auch in seinen Gesprächen mit den Fraktionen Anfang vergangener Woche behauptet.

Gremien und OB nicht informiert

Bereits am 6. Juli ging die Ladung zum Gütetermin, die dem reporter in Kopie vorliegt, beim Theater ein. Am 14. Juli bittet Sibelius in Namen des Rathauses schriftlich um eine Fristverlängerung für die Stellungnahme zur Klage Frötzschners, da der Anwalt der Stadt sich noch bis zum 10. August in Urlaub befinde. Der Steuerungsausschuss hatte dem Österreicher allerdings bereits am 7. Juli die alleinige Verantwortung in allen finanziellen und personellen Entscheidungen am Theater entzogen – und die neue Doppelspitze beschlossen. Am 14. Juli segnete auch der Stadtrat die geänderte Struktur ab. Spätestens mit dem Beschluss des Steuerungsausschusses war Egger als kommissarischer Verwaltungsdirektor für alle finanziellen und personellen Entscheidungen zuständig.

Nach Aussage Eggers informierte Sibelius ihn als Dienstvorgesetzen erst am Morgen des 30. August über die Güteverhandlung am selben Tag – knapp zwei Monate nach Eingang der Ladung. Egger wiederum unterließ es, Oberbürgermeister Leibe über den Termin in Kenntnis zu setzen. Zu diesem frühen Zeitpunkt am 30. August hätte die Stadt die Verhandlung, die für 14.30 Uhr angesetzt war, noch kurzfristig absagen können. Doch Egger ließ Sibelius nach Frankfurt fahren und dort die Verhandlungen führen. So konnte der Österreicher Frötzschner 100.000 Euro Abfindung anbieten, obwohl ihm dafür inzwischen die Befugnis fehlte.

“Das ist natürlich ein Unding”, sagt SPD-Fraktions- und Parteichef Sven Teuber gegenüber dem reporter. “Die Angelegenheit muss Konsequenzen haben!” Der Landtagsabgeordnete betont allerdings auch, “dass hier nicht der Stadtrat oder die Ausschüsse gefordert sind, sondern die Verwaltung”. Der Dienstvorgesetzte des städtischen Amtsleiters Sibelius ist Egger. Somit muss der Kulturdezernent die personalrechtlichen Konsequenzen für den Österreicher auf den Weg bringen. Oberbürgermeister Leibe hatte als Personaldezernent deren Prüfung bereits angekündigt. Im Ergebnis dürfte die schriftliche Abmahnung für Sibelius stehen. Somit sichert die Stadt sich bei weiteren Verfehlungen des Österreichers ab – bis hin zu einer außerordentlichen Kündigung des erst jüngst abgeschlossenen Vertrages über weitere vier Jahre.

Nicht nur CDU, Grüne und Linke setzen Egger also unter Druck. Auch die eigene Partei fordert den Kulturdezernenten zu konsequentem Handeln auf. Wo die Genossen im schwelenden Konflikt zwischen Leibe und Egger stehen, daran lässt Teuber keinen Zweifel: “Der Oberbürgermeister hat unsere uneingeschränkte Rückendeckung!” In den zurückliegenden Monaten seit Beginn der Theater-Krise grätschte Egger dem Stadtchef immer wieder von hinten in Beine, stellte Entscheidungen Leibes infrage und ging auch öffentlich auf Konfrontationskurs zu seinem Parteifreund. Deshalb distanzierte die SPD sich bereits Anfang September von ihrem Dezernenten öffentlich, weil auch die zuvor geführten Gespräche zwischen Fraktionsvorstand, Oberbürgermeister und Dezernent offenbar nicht fruchteten.

“Die Kommunikation muss besser werden”, fordert Teuber nun erneut. Dies gelte aber ebenso in der Arbeit zwischen Verwaltung und Stadtrat sowie Ausschüssen. So hatte Egger es vor dem Beschluss des Steuerungsausschusses über den neuen Sibelius-Vertrag unterlassen, die städtischen Gremien über den Beschwerdebrief der Regie-Teams zu den Missständen am Theater in Kenntnis zu setzen. Auch über den Gütetermin im Rechtsstreit mit dem gefeuerten Schauspieldirektor wurden Kulturausschuss und Fraktionen von Egger nicht informiert. “Das geht einfach nicht”, so Teuber.

“Land mischt sich nicht ein”

Kulturdezernent Thomas Egger muss die "personalrechtlichen Konsequenzen" für Sibelius einleiten. Foto: Rolf Lorig

Kulturdezernent Thomas Egger muss die “personalrechtlichen Konsequenzen” für Sibelius einleiten. Foto: Rolf Lorig

Der SPD-Chef setzt nun auf den neuen Verwaltungsdirektor, der seine Arbeit am 1. Oktober aufnehmen soll. “Natürlich sind die Probleme am Theater nicht gelöst”, räumt Teuber ein, “aber der Stadtrat hat mit großer Mehrheit die Strukturveränderung beschlossen, die jetzt hoffentlich greifen wird.” Sibelius habe so den Rücken frei und könne sich “auf seine wesentlichen Aufgaben in der Kunst konzentrieren”.

Darauf setzt offensichtlich auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Regierungschefin betonte am Samstag im Gespräch mit dem reporter, das Land werde sich trotz der Subventionen für das Theater nicht in die “rein kommunale Angelegenheit” einmischen. “Das Trierer Theater ist ein Stadttheater, und die Probleme zu lösen, ist Aufgabe der Stadt”, so Dreyer. Ebenso unmissverständlich machte die Triererin aber klar, dass mit einer Aufstockung des Landeszuschusses nicht zu rechnen ist. Kulturminister Konrad Wolf hatte jüngst erklärt, die Landesregierung werde auf keinen Fall zusätzliches Geld bereitstellen. Aktuell bezuschusst Mainz das Kulturhaus am Augustinerhof jährlich mit rund 5,8 Millionen Euro. Ferner hatte Wolf die wirtschaftliche Situation am Trierer Theater als “Beispiel für ein finanzielles Desaster” bezeichnet.

Das prognostizierte Defizit von 1,3 Millionen Euro für 2016 muss über einen dritten Nachtragshaushalt finanziert werden. Derzeit klafft noch ein Loch von über 300.000 Euro im Etat. Da die Mittel für das Theater zum freiwilligen Leistungsbereich gehören, drohen der Stadt zudem Komplikationen im Kommunalen Entschuldungsfonds (KEF) des Landes, dem Trier seit 2012 angehört. Mitte Juli hatte der Stadtrat knapp eine Million Euro zusätzlich in das Theater gepumpt, um die Zahlungsfähigkeit des Kulturhauses sicherzustellen.

Die Krise am Trierer Theater wird am 21. September auch den Kulturausschuss des Landtages beschäftigen. CDU und FDP haben dazu Anfragen eingereicht. “Die Landesregierung steht in Gesprächen mit der Stadt”, so Dreyer, “aber wir können die Entscheidungen nicht zentral an uns ziehen, um so die Probleme zu lösen, weil die Kommunen selbst in der Pflicht sind, ihre Theater richtig zu betreiben.” Eine umfassende Strukturdebatte zur Zukunft des Theaters lehnt die Mehrheit der Ratsfraktionen aber weiterhin ab. Nur FDP und AfD machen sich bisher dafür stark. Der Stadtrat hatte 2013 entschieden, das Theater weiter als Drei-Sparten-Haus zu betreiben. (et/rl)

Bürgerbüro
"Tag der offenen Tür am Samstag im Bürgerbüro in der Nagelstraße. Foto: Rolf Lorig

“Tag der offenen Tür” am Samstag im Bürgerbüro in der Nagelstraße. Foto: Rolf Lorig

Seit dem 1. August ist Sven Teuber Landtagsabgeordneter in Mainz. Der Trierer SPD-Fraktions- und Parteichef übernahm das Mandat von Malu Dreyer, die es als Direktkandidatin bei der Landtagswahl am 13. März gewonnen hatte. Das Bürgerbüro in der Nagelstraße werden beide in Zukunft gemeinsam betreiben – Teuber offiziell, Dreyer im Hintergrund. Wie am Samstag beim “Tag der offenen Tür” will Teuber das Büro in der Fußgängerzone auch weiter als Anlaufstelle für alle Triererinnen und Trierer anbieten. “Solche Aktionen wie heute wird es künftig immer wieder geben.” Der 33-Jährige sitzt für die SPD in Mainz in den Ausschüssen für Soziales und Arbeit. (et/rl)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, inside54.de, Politik 18 Kommentare

18 Kommentare zu Theater Trier – SPD fordert Abmahnung für Sibelius

  1. Fred

    Das Fotos des Reporters zusammen mit Malu Dreyer spricht Bände, wenn man sich anschaut wie die beiden von Herrn Teuber beäugt werden. Das Foto mag der beengten Situation vor Ort geschuldet sein, aber es symbolisiert wie er brav im Abseits auf seinem Nachrückerplatz die Situation beäugt und bereit zum Springen ist.
    “Parteisoldaten, Augen gerade aus!” hätte da irgendein altgedienter Genosse mal besser rufen sollen ;o

     
    • Teuber, Sven

      Wie gut Sie mich kennen, Fred! Wahnsinn! Vielmehr ist es so, dass wir nebeneinander alle an einem ovalen Tisch saßen und auf dem Bild nur mein Spiegelbild zu sehen ist.
      Also einfach die Sonne genießen und entspannen.

      Herzlichen Gruß

      Sven Teuber

       
      • augur

        Gut gekonntert Herr Teuber! So oder so, wieder ein gekonntes Foto von Herrn Lorig. Gut, dass die Trierer SPD endlich und zunehmend aus der Deckung kommt! Weiter so!

         
      • Rainer Landele

        also herr teuber,

        in einer zeit, in der gefühle bestimmen, was real ist oder nicht, da muss man auch akzeptieren, dass ein spiegelbild die wahre wahrheit ™ wiedergibt.

         
        • Also Herr Landele

          In einer Zeit, in der anscheinend irgendwelche Stoffe bestimmen, wie gut die Qualität eines Kommentars ist(bzw. wie viel Inhalt er hat), muss man auch akzeptieren, dass Ihrer solch einer zu sein scheint. Om!
          Die “wahre Wahrheit”, bitte erläutern Sie jetzt bitte die unwahre Wahrheit! 😉 Oder die wahre unwahre wahre Wahrheit! Ein weißer Schimmel!

           
  2. Mario Hau

    Das ist Realsatire: Die SPD verlängert in Kenntnis sämtlicher Verfehlungen den Vertrag Sibelius’, und will ihn nun abmahnen. In der Privatwirtschaft wäre das so, als ob ein Unternehmen einem völlig unfähigen Mitarbeiter den Vertrag verlängert, obwohl dieser das Unternehmen in die Insolvenz getrieben hat. Und ihn nach der Vertragsverlängerung bedeutungsvoll ermahnt: “Jetzt machst es aber besser!”

    Und sieht man den Stadtrat als Vorstand dieses Unternehmens, dann sind sich praktisch alle Parteien (bis auf die Grünen) einig, dass hier grobe Verfehlungen vorliegen. Der Vorstand beschließt aber trotzdem und fast einstimmig, weiterzumachen, damit nachher niemand erklären kann, der Vorstand habe eine Fehlentscheidung getroffen mit seiner Personalauswahl.

    Dass der Wähler, um wieder in die Politik zu kommen, es durchaus honorieren könnte, würden die Trierer Blockparteien einen Fehler eingestehen, das kommt den Herrschaften nicht in den Sinn. Vor allem deshalb nicht, weil man dann ja gleichzeitig zugeben müsste, dass die AfD mit ihrer Position völlig richtig liegt.

    Was wiederum zeigt: Ums Wohl der Stadt gehts hier nicht und ging es nie, sondern nur darum, nicht über den eigenen Schatten springen zu müssen.

     
    • Teuber, Sven

      Sehen Sie, Herr Hau. Durch Weglassen von Fakten erscheint es zunächst logisch, was Sie sagen. Doch verschweigen Sie, dass die von uns hier in Betracht gezogene Verfehlung sich auf den Prozess Ende August bezieht. Diese ist uns daher auch im Juli bei Beschlussfassung nicht bekannt gewesen, sodass sie kein Ratsmitglied in seine Entscheidung hätte miteinbeziehen können. Noch dazu muss man sagen, ist es auch eine Frage, ob man abmahnt oder quasi kündigt. Denn auch dies sagen Sie nicht: Der Intendant hatte arbeitsrechtlich durch die einstimmige Wahl als Intendant in 2015 für fünf Jahre, einen Anspruch auf einen Vertrag bis 2020. Daher hätte eine Nicht-Verlängerung des Übergangsvertrages Ende Juli 2016 quasi einen ähnlichen Prozess nachsichgezogen wie wir ihn mit anderen Herren wie u.a. Herr Frötzschner auch haben. Dementsprechend hätte Herr Sibelius dann zurecht auf eine Abfindung für die restliche Laufzeit geklagt und wohl auch gute Aussichten gehabt, diese zu bekommen. Noch dazu halten Sie Herrn Sibelius komplett für inkompetent. Auch da verschweigen Sie, dass das Theater künstlerisch einen großen Sprung gemacht hat oder bspw. die Qualität im Musikbereich auf hohem Niveau halten konnte. Der Rat bewertet die Arbeit von Herrn Sibelius und seinem Team also glücklicherweise außerhalb von Ihrer Fraktion differenziert und hat dementsprechend an den scheinbaren Schwachstellen die dringend notwendigen Strukturveränderungen eingeleitet, die nun bald greifen werden. Sodann muss eine konstruktive Begleitung der Arbeit im Theater erfolgen, aber ohne stetige Skandalisierungen. Die Welt ist halt nicht so einfach, wie Sie sie gerne zeichnen wollen. Wir als SPD Fraktion werden daher auch künftig die Arbeit des Intendanten so begleiten, dass wir auch weiterhin den Finger dort in die Wunden legen, wo wir Schwachstellen ausmachen, gleichzeitig aber auch positiv hervorheben, wo wirklich sehr gute Leistungen erfolgen. Denn in diesem so wertvollen Theater arbeiten so viele Menschen, die es verdient haben, dass ihre gute Arbeit auch wertgeschätzt wird.

       
      • Mario Hau

        “Künstlerisch großer Sprung”, der sich in 20% Besucherrückgang äußert? Kunst ist natürlich vor allem Geschmackssache, und da sei es Ihnen überlassen, deren Erfolg persönlich zu bewerten.

        Allerdings steht die bisherige Erfolgsbilanz Ihrer Behauptung diametral entgegen. Ziel der Stadtratsfraktionen hat das Allgemeinwohl zu sein, nicht die Förderung irgendwelcher Liebhaber-Aufführungen, die von den Theaterbesuchern nicht angenommen werden und das Defizit weiter vergrößern.

        Ziel der Stadtratsfraktionen hat es überdies zu sein, Fehlentwicklungen zu erkennen und zu beheben, wenn sie entstehen, und nicht erst anderthalb Jahre später. Und selbst da nur halbgar, man hält weiter am Pleite-Intendanten fest, während man öffentlich den eigenen Parteifreund angreift. Nicht das ich Mitleid hätte, die feine englische Art ist das trotzdem nicht.

        Sie ignorieren zudem, dass die Verfehlungen vor allem seitens des Herrn Intendanten schon seit September 2015 sichtbar und voraussehbar waren. Beispielsweise, als die ersten bitterbösen Leserbriefe in der Tagespresse auftauchten und Zuschauer Vorstellungen verließen. Da war schon erkennbar, das etwas in die falsche Richtung läuft. Diese Tendenzen hat man ignoriert, man wollte dem großen Künstler Sibelius natürlich nicht ins Handwerk pfuschen und sich selbst nicht eingestehen, dass es vielleicht ja doch nicht so rund läuft mit dem Einkauf aus Eggenfelden.

        Und hätte man sich mal am dortigen “Theater an der Rott” informiert, wäre man vielleicht auf den Gedanken gekommen, die kaufmännische und künstlerische Leitung nicht gleichzeitig in die Hände des Herrn Sibelius zu legen, oder sogar Abstand von seiner Einstellung zu nehmen.

        Noch ein Wort zu den Mitarbeitern, denn die haben vor allem eines verdient: Eine Perspektive, oder besser, Planungssicherheit auf lange Sicht. Aktuell ist das, auch Dank Ihrer Fraktion, nicht gegeben. Die Zukunft des Theaters steht auf der Kippe, und das kommt nicht von ungefähr.

        Sie tun hier gerade so, als sei die bisherige Entwicklung eine Überraschung und erst jetzt sei die Notwendigkeit gegeben gewesen, zu handeln. Das ist sie nicht, sie war seit dem Beginn des Engagements von Sibelius absehbar und wurde von den Sozialdemokraten ignoriert, bis zum wohl noch kommenden bitteren Ende.

        Und noch ein Tipp, ganz sachlich und ernst gemeint, der zugegeben ganz einfach gestrickt ist: Besuchen Sie das Schauspielhaus Bochum, das in der vergangenen Spielzeit 209.000 Gäste verzeichnen und die Einnahmen um 70% steigern konnte. Die schafften es sogar, dem neuen Intendanten einen prall gefüllten Topf an Mitteln zu übergeben, damit dieser einen erfolgreichen Start absolvieren kann. Es wäre vielleicht ratsam, sich das mal anzusehen. Zu verlieren hätte man nichts, könnte aber vielleicht den ein oder anderen positiven Impuls mitnehmen.

         
  3. Anna Majewski

    Und wer hat sie verraten? Sozialdemokraten! der Spruch passt auch hier wieder. Statt eines Machtwortes der Landesmutter, nur lavieren und hohle Phrasen. Es wird wieder von Land zur unfähigen Stadt delegiert- ist ja nur öffentliches Geld. Macht ja nix.Keine Einsicht von Fehlentscheidungen- ein Armutszeugnis, auch für die Landesregierung. Soweit hätte es gar nicht erst kommen müssen- da nützt die innovative 80er Jahre Trashkunst des Herrn Maier auch nichts. Naja, wenn die ehemalige Pförtnerin dem Intendanten zuarbeitet, kann schon mal ein wichtiger Termin übersehen werden, gell?

     
    • Mücke

      Frau Majewski,

      ein Armutszeugnis ist das Unwissen und die Polemik, die aus Ihrem Beitrag sprechen. Es gibt in unserem Staat eine verfassungsrechtliche garantierte kommunale Selbstverwaltung (https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunale_Selbstverwaltung_(Deutschland)#Die_Aufgaben_der_Gemeinde). Die Zuständigkeiten im Staatsaufbau können nicht einfach nach Belieben ignoriert werden. Eine fachliche Einmischung der Ministerpräsidentin wäre daher zum einen wirkungslos, zum anderen respektlos gegenüber unserer Verfassung und den gewählten Organen in der Kommune. Hier muss man das Problem politisch lösen. Wenn Sie mit dem derzeitigen Handeln der Verantwortlichen nicht einverstanden sind- ok, das ist Ihr gutes Recht! Aber hier Handlungsmöglichkeiten des Landes zu suggerieren, die nicht bestehen, ist weder konstruktiv noch fair.

       
  4. Freud

    Dieses Foto verrät mehr über die Trierer SPD als tausend Zeilen:

    Hierarchisch von oben nach unten durchstrukturiert, gibt Malu Dreyer die Richtlinien vor und mischt sich sogar in Personalzwistigkeiten der Kommunen ein.

    Treue Ausführungsgehilfen werden mit Landtagsmandat und Posten bei der ADD belohnt, Querdenker abgekanzelt.

    Und wenn Malu Dreyer mal Gegenwind ins Gesicht bläst (wie z.B.beim Flughafen Hahn), weist ausgerechnet sie, die Alles und Jeden in der rheinland-pfälzischen SPD kontrollieren möchte, jegliche persönliche Verantwortung von sich.

     
  5. Petra

    Der Intendant hat keinen Vergleich geschlossen, sondern der Anwalt hat einen widerruflichen Vergleich vorgeschlagen. Das ist ein gewaltiger Unterschied!
    Wenn man Sibelius nicht mehr haben will, dann sagt es ihm direkt und hört mit dieser Schmutzkübelkampagne endlich auf. Die schadet nämlich vor allem dem Theater.

     
    • Hans Maier

      Zunächst mal gewaltig das Gehalt kürzen, denn er nimmt ja kommende Spielzeit die Aufgaben des Schauspieldirektors nicht wahr, also erstmal minus 4000€/Monat.
      Dann, wenn er doch so super ist, einen Vertrag bezogen auf die Auslastung bei den Vorstellungen vereinbaren.
      Volles Haus gleich volle Kasse beim Intendanten, und nicht umgekehrt, wie derzeit.

       
    • Mal ehrlich!

      Schmutzkübelkampagne, oh jesses wo, gleich bewerf ich Dich mit Wattebäuchchen!

      Herr Sibelius hat sich über seine Kompetenzen hinweggesetzt (” Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) hatte bereits angekündigt, personalrechtliche Konsequenzen für den Intendanten prüfen zu lassen.”), hat seinen Dienstherrn nicht informiert, hat eine Menge an Minus im Stadtetat produziert und die Zuschauer laufen weg. Das sind Fakten und keine Schmutzkübelkampagne. Wer schadet hier dem Theater, eine angebliche Kampagen oder Herr Siblius höchstselbst? Sogar das Land und der schaltet sich schon ein.
      Und recherchieren Sie doch mal, was an seiner vorherigen Dienststätte gelaufen ist, ich sag nur Deja Vue! http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_rottal_inn/pfarrkirchen/1762218_Magere-Sibelius-Bilanz-Politik-hofft-auf-Neustart-am-Theater-der-Rott.html

       
    • Marco Berweiler

      Der Vorschlag kam von Sibelius.

      Der hätte gar nicht erst alleine mit dem Anwalt nach Frankfurt fahren dürfen.

      Unfassbar, was sich Sibelius so alles erlaubt. Er weiß ganz genau, dass ihm solche Kompetenzen entzogen wurden. Aber nein, er setzt sich mit einer Selbstverständlichkeit darüber hinweg. Ist das nun Fahrlässigkeit, grobe Fahrlässigkeit oder gar schon Vorsatz?

      Egger wird am Tag der Verhandlung von Sibelius über den Termin informiert. Aber Egger hält es hier auch nicht für nötig, a) Sibelius zu begleiten, b) den Termin abzusagen oder c) zumindest OB Leibe um Rat zu fragen. Stattdessen will er das Problem durch Aussitzen lösen, und das Unheil nimmt wieder einmal seinen Lauf.

      Mir ist aber auch völlig unverständlich, dass der Anwalt nicht den Kulturdezernenten bzw. OB Leibe über den anstehenden Termin informiert hat. Der Stadtvorstand muss doch schließlich wissen, dass die Stadt Trier an jenem Tag vor Gericht steht.

      Muss nicht auch ein Angestellter der Stadt Trier seinen Arbeitgeber rechtzeitig darüber informieren, wenn er in „Angelegenheiten der Stadt Trier“ vor Gericht geladen wird? Rechtzeitig ist für mich nicht erst am Tag der Verhandlung, zumal die Ladung schon Wochen vorher zugestellt wurde.

      Auch hier herrscht dringender Klärungsbedarf, um solche Vorkommnisse künftig zu vermeiden.

      Schließlich war es ja nicht die letzte Verhandlung in Sachen Theater.

      Das Ganze als “Schmutzkübelkampagne” zu bezeichnen, finde ich eine sehr interessante Sichtweise …

      Glauben Sie allen Ernstes, Sibelius würde Konsequenzen ziehen, wenn man ihm sagt, dass man ihn nicht mehr haben will ?

      Es geht hier längst nicht mehr darum, WAS dem Theater schadet, sondern WER !!!

       
  6. Patti

    Symbolisch ist das Foto in der Tat; nicht weil es einen zum Sprung ansetzenden Teuber zeigt, sondern weil es den Schmusekurs des Trier Reportes mit der Trierer SPD dokumentiert. Zu beobachten ist dieser schon seit den vorangegangenen Wählen: Leibe, Dreyer, Teuber: Hui; Köhler, Kaster, Dempfle: Pfui.

     
    • Dietmar Marx

      Boah, vor ein paar Wochen wurde der Trierer Reporter noch als AFD-Blatt beschimpft, jetzt also Schmusekurs mit der SPD. Fehlt eigentlich nur noch das Attribut FDP-Organ, da Hr. Thielen letztens die FDP gelobt hat.

       
  7. Erst lesen, dann schreiben

    “Wie gut Sie mich kennen, Fred! Wahnsinn! Vielmehr ist es so, dass wir nebeneinander alle an einem ovalen Tisch saßen und auf dem Bild nur mein Spiegelbild zu sehen ist.
    Also einfach die Sonne genießen und entspannen.” siehe Kommentar von Herrn Teuber

    “Leibe, Dreyer, Teuber: Hui; Köhler, Kaster, Dempfle: Pfui.”, mhh, gute Tatsachenbeschreibung von Ihnen! 😉

     

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