Theresia Sanktjohanser folgt nun auf Georg Kern

Georg Kern (rechts) verabschieden Malu Dreyer, Theresio Sanktjohanser, Jan Willenberg-Sebastian und Alfred Thielen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Wenn Ministerpräsidentin Malu Dreyer an Georg Kern, den Präsidenten des Handelsverbands Rheinland-Pfalz und des Handelsverbands Region Trier, denkt, fällt ihr eine Begebenheit ein, die die Umtriebigkeit und Ernsthaftigkeit des Mannes schildert, der sich als Kümmerer einen Namen gemacht hat: Bei einem Einkaufsbummel in Trier habe sie Kern an einem Tag gleich dreimal getroffen – immer dienstlich unterwegs und immer an unterschiedlichen Punkten. Der Trierer Verband wird künftig ohne Georg Kern auskommen müssen, der just an seinem 70. Geburtstag dafür gesorgt hat, dass künftig hier eine Frau – Theresia Sanktjohanser – die Geschicke des Regionalverbandes lenkt. Den Landesverband wird er noch bis zum Herbst führen.

Von Rolf Lorig

Wenn schon ein Abschied, dann ein wohlüberlegter. Der Name Georg Kern ist mit dem Trierer Einzelhandel derart eng verbunden, dass er aus der Geschichte nicht mehr wegzudenken sein wird. Keine Frage, Kern hinterlässt tiefe, positive Spuren, was ihm auch seine Nachfolgerin Theresia Sanktjohanser attestierte, die just am Weltfrauentag vom Trierer Präsidium als Nachfolgerin von Georg Kern und damit zur ersten Präsidentin dieses Gremiums gekürt wurde. Sie nutzte die Gelegenheit und kündigte prompt dem ebenfalls anwesenden Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe ihr erstes Gespräch zum Thema “Globus” an. Kerns Wunschkandidatin leitet die Kenner Fleischerei Quint und betreibt drei Edeka-Märkte in Trier.

Die Menschen, die am Freitag ins Best Western Hotel gekommen waren, repräsentierten einen Querschnitt durch unsere Gesellschaft. Und machten durch ihre Teilnahme deutlich, dass an diesem Nachmittag nicht irgendeine Person verabschiedet wurde. Vorstände, Behördenleiter, Politiker, Unternehmerkollegen – alles Weggefährten, die neben ihren Glückwünschen zum Geburtstag auch ein Wort des Dankes für die gemeinsame Zeit mitgebracht hatten.

Einer, der diese Worte laut vortrug, war Jan Willenberg-Sebastian, der Vizepräsident des Handelsverbands Deutschland. Der Mainzer Juwelier hat innerhalb des Landesverbands lange Zeit mit Georg Kern zusammengearbeitet. Eine Zusammenarbeit, aus der nach seinen Worten eine innige Freundschaft entstanden ist. Kern hinterlasse tiefe Spuren, stellte auch er fest. “Aber auch einen gutbestellten Acker.” Das Ende von Kerns Amtszeit sei zwar bekannt gewesen, doch für ihn sei es “plötzlich und ganz überraschend” gekommen”, sagte Jan Willenberg-Sebastian. “Wir alle hatten eigentlich damit gerechnet, dass es ewig so weitergeht”, schmunzelte er. Und bescheinigte dem Geburtstagskind, dass er “ein Vorbild für uns alle war, die wir in diesem Verband tätig sind.” Besonders imponiert habe ihm persönlich die ausgeprägte diplomatische Ader, mit der er vor allem der Politik gegenübergetreten sei. Aber auch die Konsequenz, mit der Georg Kern immer seinen Weg gegangen sei. “Deine unnachahmliche Art hat uns im Verband immer weitergebracht.”

Persönlich sei er froh, dass er den Freund zumindest noch eine Zeit im Landesverband wisse. Und da Freunde gerne kabbeln, hatte er für Georg Kern einen kleinen Stein aus dem Mainzer Dom mitgebracht, von dem man heute wisse, dass der in der ältesten Stadt Deutschlands, nämlich Mainz, und nicht Trier, stehe. Was dendrochronologische Untersuchungen bewiesen hätten…

Eine Aussage, die Ministerpräsidentin Malu Dreyer so dann doch nicht stehen lassen wollte. Mit einem feinen Lächeln stellte sie klar, dass sie als Ministerpräsidentin des Landes dem dann doch widersprechen müsse. Zwar stellte sie die Funde nicht in Abrede, betonte aber, dass es “zahlreiche römische Zeltlager” gegeben habe, aber nur Trier dem Anspruch der ältesten Stadt Deutschlands gerecht werde…

Und dann war wieder Georg Kern der Mittelpunkt. “Sie sind eine echte Persönlichkeit, haben alles für Trier und den Einzelhandel eingesetzt”, betonte die Ministerpräsidentin. Georg Kern habe den Handelsverband Region Trier e.V. zu einem starken Bündnis von Einzelhändlern gemacht und ihm eine Stimme gegeben. “Mit großer Leidenschaft hat er dazu beigetragen, dass der Einzelhandel im Land und insbesondere in der Region gut dasteht, und er hat die Weichen für die Zukunft des Trierer Handels gestellt“, so die Ministerpräsidentin. Es sei Kern immer ein Anliegen gewesen, die Kommunikation zwischen den Unternehmern und der Politik zu verbessern. “Das ist ihm auch gelungen“, betonte die Ministerpräsidentin. Ohne Menschen wie Georg Kern wäre Trier nicht die wunderbare Einkaufsstadt, die vor allem wegen der vielen inhabergeführten Betriebe das Einkaufen zu einem ganz besonderen Erlebnis machten. Ein Erlebnis, das sie sich zusammen mit etlichen Freundinnen immer wieder gerne gönne: “Wenn unsere Gruppe hier unterwegs ist, genießen wir dieses Erlebnis.”

Georg Kern ist ab sofort Ehrenpräsident des Einzelhandelsverbands Region Trier. Die Urkunde überreichen Threresia Sanktjohanser und Alfred Thielen.

Ehrenpräsidentschaft für Georg Kern

Im Anschluss meldete sich Alfred Thielen, Geschäftsführer des regionalen Einzelhandelsverbands, zu Wort. Er hatte sich selbst auf die Rednerliste gesetzt, um Kern mit einem Geschenk zu überraschen, mit dem dieser am wenigsten gerechnet hatte. Das komplette Präsidium bedauere das Ausscheiden Kerns, sagte Thielen, und habe sich deshalb überlegt, wie man ihn weiter an sich binden könne. Sodann überreichte der Geschäftsführer Georg Kern eine Urkunde, die den früheren Präsidenten als Ehrenpräsidenten des Gremiums ausweist und ihm das Recht einräumt, an allen künftigen Sitzungen teilnehmen zu können. Und fügte hinzu: “Unsere Zusammenarbeit war mir eine große Ehre!”

Der so Geehrte zeigte sich überraschend sprachlos. “Seid ihr sicher, dass ihr Alle gerade von mir gesprochen habt?” fragte er mit seinem bestens bekannten schwäbischen Humor. Und um nicht sentimental zu werden, startete er nochmals einen Angriff auf die Landesregierung. Er habe sich damals den Koalitionsvertrag genauestens durchgelesen, doch kein Wort zum Einzelhandel darin gefunden. Er hoffe doch, dass die Ministerpräsidentin nach ihrer Wiederwahl diesen Fehler kein zweites Mal machen werde…

Und dann wandte er sich den übrigen Gästen zu. Als er vor 42 Jahren nach Trier gekommen sei, habe man ihn hier mit offenen Armen empfangen. Dieses freundliche Willkommen sei ihm immer ein Ansporn gewesen, sich mit Gleichgesinnten für diese Stadt einzusetzen. Dabei habe er auch zahlreiche Ehrenämter übernommen, die ihm alle viel Freude bereitet hätten. Allerdings, räumte er ein, habe es auch Niederlagen für ihn gegeben, was er an der Position des City-Managers festmachte. “Diese Aufgabe ist bis heute nicht gelöst”, sagte der Inhaber von “Musikhaus Reisser”. Und mit einem schmunzelnden Seitenblick auf Theresia Sanktjohanser: “Das ist jetzt nicht mehr meine Aufgabe…”

Musikalisch umrahmt wurde die Verabschiedung von Schülerinnen der städtischen Karl-Berg-Musikschule, der Georg Kern immer Ansprechpartner und Mäzen war. Für die vielfältig erhaltene Hilfe und Unterstützung bedankte sich im Auftrag der Schule Joachim Meyer-Ullmann, der die ausgezeichneten Darbietungen der Schülerinnen auch am Klavier begleitete.


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.