ttm in Schieflage – Leibe greift durch

Oberbürgermeister Wolfram Leibe greift auch bei der ttm durch. Noch-Geschäftsführer Thomas Egger erläutert die Gründe für die Schieflage. Foto: Rolf Lorig

Oberbürgermeister Wolfram Leibe greift auch bei der ttm durch. Noch-Geschäftsführer Thomas Egger erläutert die Gründe für die Schieflage. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Personelle Umstrukturierungen, Änderungskündigungen, Einstellungsstopp bei frei werdenden Stellen und die Prüfung der Haftung für offensichtliche Schlampereien: Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) greift als Aufsichtsratsvorsitzender auch bei der “Trier Tourismus und Marketing GmbH” (ttm) durch. Die Runderneuerung der Gesellschaft, die 2015 bei einer Bilanzsumme von 954.000 Euro ein Minus von 190.000 Euro einfuhr, ist neben dem Theater die zweite Baustelle, die der Stadtchef zu schließen hat. Kleiner als das Theater, doch kaum weniger wichtig: Denn die ttm vermarktet Trier als touristisches Zentrum. Zum 1. Januar bekommt die Gesellschaft einen neuen, dann hauptamtlichen Geschäftsführer. Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) zieht sich zurück. Einer der beiden aktuellen Prokuristen steht nicht zur Auswahl: Weder Kulturamtsleiter Roman Schleimer noch Hans-Albert Becker werden die ttm in die Zukunft führen.

Thomas Egger war nicht wirklich wohl in seiner Haut: Der scheidende Geschäftsführer musste am Montag auch bei der ttm Fehler einräumen. Ob die auch auf sein Konto gehen, wird noch geprüft. Wie beim Theater versagte auch bei der ttm offensichtlich das Controlling. Das hat Egger inzwischen “nach außen” vergeben. “Leider wurde auch das vorgeschrieben Vier-Augen-Prinzip nicht eingehalten”, so Egger. Dafür hat die ttm mit Schleimer und Becker zwei Prokuristen. Dennoch wurden Fehler in der Buchhaltung gemacht, wurden “unberechtigte Forderungen gegenüber Dritten” (Egger) über 90.000 Euro erhoben. Im Ergebnis steht für 2015 ein Verlust von 190.000 Euro – bei einer Bilanzsumme von 954.000 Euro.


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Das nicht unerhebliche Minus resultiert auch daraus, dass Mitarbeiter ihren angehäuften Urlaub aus dem ttm-Vorgänger, dem Verein “Trierer Touristinformation” (TIT), offensichtlich ungeprüft übernahmen. In der ttm-GmbH musste dieser Urlaub jedoch in die Bilanz eingebucht werden, was zu einem bilanziellen Verlust von 80.000 Euro führte. Wegen der finanziellen Schieflage unterbrach der Wirtschaftsprüfer Mitte Juli die Sichtung der Bücher. Egger holte daraufhin in Absprache mit Leibe einen externen Steuerberater sowie einen unabhängigen Buchhalter ins Haus. Kurz darauf wurde der Aufsichtsrat informiert. Der beschloss, dass Egger bis Anfang September ein Zukunftspapier zur strategischen Ausrichtung der ttm vorlegen muss.

Die ttm wird umstrukturiert.

Die ttm wird umstrukturiert.

Das liegt nun vor, und Leibe gab am Montag die Marschrichtung aus. “Wir müssen nicht nur Umsatz, sondern auch Gewinn machen”, forderte der OB. Dazu soll die ttm sich unter dem neuen Geschäftsführer, der künftig losgekoppelt von der Politik freie Hand genießt, auf ihre Kernkompetenz konzentrieren. Die Prognose der Wirtschaftsprüfer ist laut Leibe positiv. Wobei die aktuelle Lage der ttm Konsequenzen hat. Frei werdende Stellen werden derzeit nicht wieder besetzt, und der städtische Zuschuss soll auch nicht erhöht werden. “Deswegen haben wir ganz viel Arbeit zu leisten”, kündigte der Stadtchef an.

Intern führten die Schlampereien bereits zu Konsequenzen. Mitarbeiter wurden versetzt oder erhielten Änderungsverträge. Aktuell beschäftigt die ttm 40 Mitarbeiter. Leibe schließt auch Regressansprüche nicht aus. Die könnten vor allem die beiden Prokuristen Schleimer und Becker betreffen – aber auch den noch amtierenden Geschäftsführer Egger. “Die mögliche Haftung für Fehler und Versäumnisse wird geprüft”, kündigte Leibe an.

Im operativen Geschäft fuhr die ttm laut Egger 2015 keinen Verlust ein. Die Gesellschaft, die Anfang 2014 gegründet wurde und unter anderem das Porta³-Festival auf die Beine stellt, knabbert aber weiter am Erbe der Vergangenheit, zu dem auch die ungesunde Verflechtung von Politik (Verwaltung) und Marktorientierung gehört. Die soll nun aufgebrochen werden, “damit wir neue Geschäftsfelder erschließen können, mit denen sich auch Gewinn erwirtschaften lässt”, so Leibe. Als “touristischer Hotspot” brauche Trier eine starke ttm, unterstrich der Stadtchef. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, inside54.de, Politik 6 Kommentare

6 Kommentare zu ttm in Schieflage – Leibe greift durch

  1. Det

    Gibt es eigentlich ein Ressort, in dem dieser wechselwillige
    politische Laiendarsteller, seiner ihm übertragenen Aufgaben
    gewachsen ist?
    Aber besser so, man stelle sich die Armen vor, welche solch eine Koriphäe als Pflichtverteidiger auf das Auge gedrückt bekämmen.

     
  2. Panzer Knacker

    Sie scheinen ja, was Pflichtverteidiger und deren „Kundschaft“ angeht, über einen reichen Erfahrungsschatz zu verfügen.

     
  3. Hans Maier

    “Die mögliche Haftung für Fehler und Versäumnisse wird geprüft”
    Geprüft wird doch höchstens, wie den Verantwortlichen eine Unschuld an den Vorgängen erteilt werden kann, mehr doch nicht.
    Mit Sachbearbeitern, die auf Weisung arbeiten, ist man ja schnell vorgegangen.

     
  4. Jürgen W

    Das Herr Schleimer und Herr Becker nichts drauf haben und faul sind weiß in der Verwaltung jeder. 40 leute arbeiten in der ttm? was machen die denn den lieben langen Tag?? Was soll Leibe noch alles machen? Egger sollte die Fliege machen, er hat in dieser Stadt schon genug Schaden angerichtet. Liebe Stadträte, beenden sie endlich das Trauerspiel. Danke an den reporter das er so ausführlich und gut berichtet. Im Volksfreund steht nicht die hälfte von den Fakten.

     
  5. Giesela Seutter

    40 Mitarbeiter ? eine stolze Zahl – dann sollte man sicherlich täglich in allen Medien an Trier nicht vorbeikommen . Eine Minianzeige in der ´´Mobil´´,Newsletter und mal auf Messe scheint da etwas mager . Ansätze sind ja vorhanden ´´jünger ´´ zu werden und ab und an werden neue Ideen verwirklicht . Es gibt zu wenig Erlebnisführungen und keine in Englisch .
    Ein Flohmarkt an einem Sonntag in der FuZO in der ´´sauren Gurkenzeit ´´ würde Standmieten generieren und die Innenstadt beleben . Ein Imagefilm und bloggen …warum nimmt man die Hochschulen für Design und Projekte nicht mehr an Bord ? es gibt hier so viel Potential – alle sollten an einem Strang ziehen.

     
    • Stephan Jäger

      „warum nimmt man die Hochschulen für Design und Projekte nicht mehr an Bord ?“

      Wenn man sich an den damals mit viel TamTam lancierten, von Clickaround „gestalteten“ wirklich prähistorischen Web-Auftritt (der leider irgendwie spurlos aus dem Netz verschwunden ist), ebenso, wie die „berühmte“…

      http://www.designtagebuch.de/die-gruseligsten-seiten-im-netz-trier-de/

      …Web-Präsenz der Stadt selbst, erinnert, würde ich vermuten:
      Zu gut und zu billig!

      Außerdem nicht gut genug mit den üblichen Mauschel-Seilschaften „vernetzt“.

       

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