Viel Engagement für die Aufarbeitung

Besucher der Vernissage betrachten eines der ausgestellten Plakate. Foto: ttm

Besucher der Vernissage betrachten eines der ausgestellten Plakate. Foto: ttm

TRIER. Für Claudia Nosper, Lehrerin am Auguste-Viktoria-Gymnasium, war es eine Herzensangelegenheit: “Wir alle haben dabei sehr viele bleibende Eindrücke und Erfahrungen gewonnen.  Daher bin ich froh, dass ich mich vor drei Jahren mit meinem Kurs entschlossen habe, dieses Projekt umzusetzen.” Gemeint ist damit die Auseinandersetzung ihres Leistungskurses Geschichte mit der Zeit des Nationalsozialismus. Vor zwei Jahren wurde das Schulprojekt inhaltlich abgeschlossen, danach ging es an die grafische und printtechnische Umsetzung. Am Donnerstag wurde die Ausstellung “(Unge)Rechtes Trier. Die Verfolgung und Deportation der Juden zur Zeit des Nationalsozialismus” in den Räumen der Trier Tourismus und Marketing GmbH (ttm) eröffnet.

“Wir sind der Aufforderung des Ortsbeirats Trier Mitte-Gartenfeld gerne gefolgt, diese Ausstellung zunächst bei uns zu zeigen”, begrüßte Roman Schleimer, Prokurist der ttm, bei der Vernissage die Besucher und würdigte damit die Initiative des Ortsbeirats Trier-Mitte/Gartenfeld und des AVG. Eine Initiative, die, so Schulleiter Bernhard Hügle, viel Engagement der Beteiligten verlangte: “Eine Ausstellung auf diesem Niveau ist ja nicht einfach im Unterricht zu leisten. Frau Nosper und ihre Schüler waren jedoch sofort bereit und haben all dies neben dem Unterricht recherchiert.” Dabei floss auch die Schul- und Familiengeschichte ein: Nachfahren der Familie Süßkind, die Anfang März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort größtenteils ermordet worden war, hatten später selbst das AVG besucht. Das Interview mit der Zeitzeugin Katharina Eisenmann führte ihr eigener Urenkel, der ebenfalls als Schüler des AVG an dem Projekt beteiligt war.

Die verantwortliche Projektleiterin Claudia Nosper ist bis heute begeistert: “Das Engagement dieses Kurses ging weit über die Unterrichtszeit hinaus, etwa wenn es galt, Interviewpartner zu finden, in Archiven nach Quellen zu suchen, aber auch die Konzeption der Ausstellung zu diskutieren oder die Arbeitsergebnisse bei verschiedenen Anlässen vorzustellen.“ Dieses Engagement würdigte auch Ortsvorsteher Dominik Heinrich, nutzte die Vernissage jedoch ebenfalls für einige kritische Bemerkungen zur Sichtbarkeit dieser notwendigen Aufarbeitung im alltäglichen Stadtbild. Kaum jemand wisse, dass an der Stelle des heutigen Rindertanzplatzes bis in die 1960er Jahre hinein das Bischof Korum-Haus gestanden habe, von dem aus die jüdische Bevölkerung Triers in die Konzentrationslager deportiert wurde.

“Heute erinnert eine Plakette am Haus Fetzenreich daran, an einer Stelle jedoch, wo dies nicht stattgefunden hat und so verschämt, dass es ein in mehrfacher Hinsicht schändlicher Ort ist, der wenige Meter von der Fußgängerzone entfernt einen schäbigen Hinterhofcharakter besitzt”, so Heinrich. In mehreren Schritten habe der Ortsbeirat in den vergangenen Jahren versucht, dieser unrühmlichen Geschichte würdiger zu gedenken und zukünftige Raumplanungen anzustoßen. Das als Wanderausstellung konzipierte Projekt des AVG leistet zu diesem Gedenken sicherlich einen wichtigen Beitrag.

Die Ausstellung ist noch bis zum 9. Januar in den Geschäftsräumen der ttm in der Simeonstraße zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, zehn bis 16 Uhr, Freitag zehn bis 13 Uhr. Danach zieht die Ausstellung weiter in die Volkshochschule. (tr)


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