Viel los um 1900

Jeannette Scholzen bei ihrer Führung in Trier. Foto: Götz Feige

Jeannette Scholzen bei ihrer Führung in Trier. Foto: Götz Feige

TRIER. Gut 270 Besucher, zehn Führungen und knapp 600 Euro an Spenden – der Weltgästeführertag 2016 war für die beteiligten Gästeführer von Saar und Mosel ein Riesenerfolg. Trotz des Regens kamen zahlreiche Interessierte zu den Rundgängen, die sich in diesem Jahr rund um das vom Bundesverband der Gästeführer in Deutschland (BVGD) ausgelobte Motto “GRÜNderzeit” drehten.

Heute lassen vier- bis fünfspurige Fahrtrassen fast vergessen, wie viel Geld man in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts investieren musste, um im Trierer Allenring leben zu dürfen. Doch ein ruhiger Blick die Fassaden hinauf zeigte den rund 40 Teilnehmern der ersten Führung am Samstagmorgen, welch hochherrschaftlichen Adressen sich hier verbergen. Gästebegleiterin Eva-Jeanette Scholzen bot spannende Einblicke in die 1920er Jahre, als ein Major mit seiner Familie in die Friedrich-Ebert-Allee 2 zog und zwei Jahre lang dort lebte, vor sich den damals noch ungetrübteren Blick auf den Grünzug der Nordallee. Dreißig Jahre später wurde er französischer Staatspräsident. Seine Name: Charles de Gaulle.

Auch in den weiteren Führungen des Tages spielten – der Doppeldeutigkeit des Themas entsprechend – Gärten und Grünanlagen ebenso eine Rolle wie die Zeit zwischen 1870 und 1930. Mit Ewald Thoemmes ging es zum Beispiel zum wilhelminisch-repräsentativen Bahnhofsgebäude. Elke Hermsdorf-Hubertz gelangen seltene Einblicke in die Restaurationsgeschichte des Domes, Tillmann Otto konnte anhand bislang ungezeigter Pläne Johann Lotharys aus dem Fundus des Stadtarchivs die Vision der grünen Stadt am Fluss bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Dorothe Gasber skizzierte die Anfänge der Trierer Museumsgeschichte im Landesmuseum, und Götz Feige ließ die Zeit wiederauferstehen, als an der Stelle der heutigen Sparkasse im Gartenfeld noch das Kloster St. Martin stand.

Am Sonntag lockte der ehemalige französische Revolutionär Nikolaus Valdenaire höchstpersönlich zu einem Spaziergang ins “unbekannte Beurig” und beschrieb seine Rolle im Vorfeld der Gründerzeit in Saarburg. Mit Wolfgang Matthes ging es danach in die Glockengießerei Mabilon und im letzten Rundgang des Tages, der ebenso wie alle anderen extra für dieses Wochenende von den Gästebegleitern in Trier, Bernkastel und Saarburg vorbereitet worden waren, mit Kultur- und Weinbotschafterin Christiane Beyer auf Spurensuche in Saarburger Gärten.

Die Spendengelder werden für die Restauration alter Buchbestände in der Stadtbibliothek eingesetzt. Auch im nächsten Jahr wird sich der Verein der Gästeführer Trier und Region e.V. (VGT) wieder am Weltgästeführertag beteiligen, das Thema wird stets Anfang des Jahres bekannt gegeben. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen, Featured 1 Kommentar

Kommentar zu Viel los um 1900

  1. Götz Feige

    “…und Götz Feige ließ die Zeit wiederauferstehen, als an der Stelle der heutigen Sparkasse im Gartenfeld noch das Kloster St. Martin stand…”

    Autsch! Das habe ich so nicht dargestellt und das ist natürlich auch totaler Käse.

    Das Kloster, welches im Fokus stand, ist das Kloster der Benediktinerinnen. Als weitere, um das Trierer Gartenfeld räumlich situierte Benediktinerklöster kam auch lediglich Sankt Maximin (Weinlage Trierer Sankt Maximiner Kreutzberg) zur Sprache.

     

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