Viele wollen an Weihnachten anderen Menschen helfen

Die Festhalle am Bach bietet reichlich Raum für die Awo-Weihnachtsfeier.

Die Festhalle am Bach bietet reichlich Raum für die Awo-Weihnachtsfeier.

TRIER. Niemand will an Heiligabend alleine sein. Deshalb bietet der AWO-Stadtverband auch schon seit Jahrzehnten eine kostenlose Weihnachtsfeier mit gemeinsamem Weihnachtsessen an, zu der jeder hinkommen kann. Schon jetzt haben sich 130 Menschen für die Feier am Samstag um 16 Uhr angemeldet. Der reporter hat sich mit dem Trierer AWO-Vorsitzenden Detlef Schieben über die Feier unterhalten.

Von Rolf Lorig

Alle Jahre wieder: Auf der einen Seite werden in den Wohnzimmern die Weihnachtsbäume geschmückt und die Räume liebevoll dekoriert, während der Duft von leckerem Essen durch die Wohnung zieht. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Menschen, die das Fest der Feste alleine verbringen müssen, die zum Teil kein Geld für ein teures Festmahl haben. ‟An Heiligabend sollte niemand alleine sein müssen‟, sagt der Trierer AWO-Vorsitzende Detlef Schieben. Schon seit vielen Wochen laufen in der AWO-Geschäftsstelle in der Saarstraße die Planungen für die diesjährige Feier in der Festhalle am Bach. Wo sonst die Narren los sind, erklingen an Heiligabend besinnliche Töne. ‟Der Raum ist ideal für solch eine Feier‟, sagt Schieben und verweist darauf, dass man dabei auch immer genügend Platz für Rollstühle und Rollatoren einplanen muss.

Eine solche Veranstaltung stemmt man nicht ohne Helfer. Ist es an Heiligabend nicht schwierig, hier die erforderliche Zahl mobilisieren zu können? ‟Überhaupt nicht‟, freut sich Schieben. ‟Man glaubt gar nicht, wie viele Mitbürger es gibt, die sich gerade zu Weihnachten  in den Dienst an der guten Sache stellen wollen.” Sehr viele AWO-Mitglieder helfen mit. Aber auch Menschen, die Schieben vorher noch nicht gekannt hat. ‟Erst kürzlich hat ein Mann angerufen, der seine Hilfe angeboten hat. Ich habe ihm erzählt, was wir machen. Da sagte er, dass er von Beruf Kellner sei und sich um den Service kümmern könne. Das hat natürlich prima gepasst!”

Unter den Besuchern auch ausländische Familien

Um die 150 Personen würde Schieben in der Festhalle, die von der KG Trier-Süd zur Verfügung gestellt wird, problemlos unterbekommen. ‟Eigentlich sollte das die Grenze sein‟, sagt er und schweigt einen Moment nachdenklich. ‟Aber sollte sich darüber hinaus noch jemand melden, wir würden niemandem absagen.”

Unter den Besuchern sind schon seit Jahren auch regelmäßig ausländische Familien. ‟Die haben unser Brauchtum vorher nicht gekannt, kommen aber immer wieder gerne, weil ihnen das hier so gut gefällt und sie auch von den übrigen Menschen positiv aufgenommen werden.”

Beruf, Alter, Wohnsitz oder Herkunft spielen bei der AWO-Weihnachtsfeier nicht die geringste Rolle. Jeder, der in der Gemeinschaft mitfeiern will, ist hier willkommen. Alle Fotos: AWO

Beruf, Alter, Wohnsitz oder Herkunft spielen bei der AWO-Weihnachtsfeier nicht die geringste Rolle. Jeder, der in der Gemeinschaft mitfeiern will, ist hier willkommen. Alle Fotos: AWO

Es sind weit über 50 Helfer, die zum Gelingen des Festtages beitragen wollen. Nicht alle können an Heiligabend anwesend sein. ‟Viele bringen auch direkt Familienmitglieder zum Helfen mit. Es sind immer um die 30 Frauen und Männer, die zu ihrer Höchstform auflaufen, wenn es darum geht, einsamen Mitbürgern eine Freude zu machen.” Dazu gehört auch der Sänger Olaf Kihm, der schon seit Jahren die Feier musikalisch unterstützt. ‟Besonders diese Liedbeiträge werden von den Menschen begeistert aufgenommen. Und wenn dann später auch gemeinsam die klassischen Weihnachtslieder gesungen werden, dann laufen bei vielen unserer Besucher die Tränen‟, hat Schieben beobachtet.

Doch bevor der erste Gast die Halle betritt, muss sie erst einmal festlich hergerichtet werden. Auch hier ist eine stattliche Helferzahl quasi hinter den Kulissen aktiv. Mit viel Liebe wird hier aufgebaut und dekoriert, in so manchen Wohnzimmern wird es kaum festlicher aussehen. Doch damit nicht genug: ‟Zu unseren Besuchern kommt auch der Nikolaus. Und der hat für alle auch ein Geschenk dabei.” Das Geschenk, das ist eine Weihnachtstüte, randvoll unter anderem mit selbstgebackenen Leckereien. ‟Insbesondere unsere Frauen backen in der Zeit vor der Feier fast schon im Akkord‟, freut sich der AWO-Vorsitzende, der als Ansprechpartner bei allen Vorbereitungen in der Halle dabei sein muss.

Ohne Sponsoren geht nichts

Doch wie kommen die Besucher in die Festhalle am Bach? ‟Da unterstützt uns schon seit Jahren das Busunternehmen Thieltges. Wir bekommen einige Kleinbusse und stellen selbst die Fahrer. Im Vorfeld haben wir auf der Basis der Anmeldungen Fahrpläne ausgearbeitet, anhand derer die Menschen zu Hause abgeholt und am Ende der Feier zwischen 20 und 21 Uhr auch wieder zurückgebracht werden.”

Und wie verhält es sich mit den Kosten, woher kommt das Geld für die Ausrichtung des Festes? ‟Es ist wie immer: Ohne unsere Sponsoren wie Sparkasse, SWT oder aber auch die Stadtverwaltung geht nichts‟, lächelt der 62-Jährige. Und auch Geschäftspartner wie die Albachmühle, die das Weihnachtsessen liefert, sind nach der Aussage von Schieben durchaus vom weihnachtlichen Geist beseelt…

Die eigentliche Feier wird in diesem Jahr vom Ablauf her in etwa der Regie der Vorjahre folgen. Es wird gemeinsam gesungen, dann kommt der Nikolaus, später folgt das Weihnachtsesssen. Und natürlich darf das Vortragen der Weihnachtsgeschichte durch Hanspitt Weiler nicht fehlen. ‟Neben der Weihnachtsgeschichte werden auch andere weihnachtliche Stücke von Frauen und Männern vorgelesen. Da gibt es einige Teilnehmer in unserer Runde, die das schon seit Jahren tun und auf deren Vortrag schon begierig gewartet wird‟, sagt Schieben.

Eine Neuerung gibt es dann doch: ‟Wir werden an Heiligabend erstmals eine Stunde früher anfangen. Denn insbesondere einige unserer älteren Mitbürger wollen abends lieber etwas früher ins Bett. Und dem werden wir nun Rechnung tragen.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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