Vom Semesterticket bis zu Wohnanlage Martinskloster

Geschäftsführer Andreas Wagner (links) verabschiedet Andreas Künkler, Andrea Möller und Manfred Billen, beim Neujahrsempfang des Studiwerks. Fotos: Clemens Sarholz

TRIER. Neujahrsempfänge in der Politik verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Es hat davon einfach zu viele gegeben. Beim Neujahrsempfang des Studiwerks dagegen ist das Publikumsinteresse ungebrochen. In diesem Jahr hatte das Studierendenwerk Trier dazu in die Cafeteria Casa Blanca an der Hochschule auf Schneidershof eingeladen. Wohl mit ein Grund für das starke Interesse − etwa 70 Gäste waren der Einladung gefolgt − war die Einladung zu einer kulinarischen Reise mit Spezialitäten aus Österreich. Doch vor den Genuss hatten die Organisatoren die Reden gesetzt. Und da gab es auch einiges zu berichten: Vom Erreichten des Studiwerks in 2018 bis hin zu dem, was jetzt auf der Agenda steht − wie den Verhandlungen um das Semesterticket, Sanierung der Wohnanlage Martinskloster, Infrastruktur und Sparmaßnahmen. Für den reporter berichtet Clemens Sarholz von der Veranstaltung

Kombi-Ticket für Rheinland-Pfalz und das Saarland gefordert

Warum nicht mal mit einem studentischen Anliegen einen Beitrag beginnen? “Natürlich wollen wir ein rheinland-pfalzweites Semesterticket, aber nicht zu den Konditionen, die uns die Verkehrsunternehmen gemacht haben.“ Im Gespräch mit dem reporter zeigte Hasmik Garanian klare Kante. Sie vertritt gemeinsam mit drei Kommilitonen die Trierer Studierenden − das sind an den beiden Hochschulen, zusammen mit dem Umweltcampus Birkenfeld, derzeit 17.582 junge Menschen − bei den anstehenden Abstimmungen. “Eine Preiserhöhung von 50 Euro ist einfach zu viel.“ Deswegen hätten sich die studentischen Mitglieder gegen das Angebot, das dem Studiwerk vorgelegen hat, gestellt.

Das Semesterticket kostet derzeit 149 Euro und gilt zwischen Trier, Jünkerath und Saarbrücken. Ein Ticket, das 199 Euro kosten würde, gelte in ganz Rheinland-Pfalz. Die Studenten drängen zu Nachverhandlungen. Ihnen schwebt vor, auch das Saarland in das Ticket zu integrieren, weil viele Studenten von dort kommen. Eine Preisvorstellung nennen sie nicht, nur dass man mit 199 Euro im deutschlandweiten Vergleich sehr schlecht dastehen würde. Der liegt im Durchschnitt bei 163 Euro. Zum Semesterticket kommt noch ein Solidarbeitrag von 109 Euro und ein Studierendenschaftsbeitrag von zwölf Euro. Das würde am Ende eine Summe von 320 Euro bei einer Preiserhöhung von 50 Euro sein.

Doch das Semesterticket wurde beim Neujahrsempfang nur am Rande erwähnt. Andere Projekte scheinen dem Studiwerk dringlicher zu sein. Beispielsweise wird es umfassende Sanierungsarbeiten an der Wohnanlage Martinskloster geben. “Ein Gebäude aus den 70ern wird abgerissen. Derzeit prüft das Ingenieurbüro Beitzel aus Trier die Kosten für die Abfuhr von 15.000 Kubikmeter Bauschotter”, berichtet Geschäftsführer Andreas Wagner. Der Zuschlag für das neue Gebäude ging an das Architektenbüro Stein-Hemmes-Wirtz aus Kasel. “Weil es ohnehin schon ein riesiges Projekt ist, nutzt das Studiwerk Synergieeffekte aus. Der Altbau wird dann gleich auch saniert werden“, sagte Wagner. Kostenpunkt für die Anlage: 13 bis 14 Millionen Euro.

Neben den Sanierungsarbeiten kommen auch noch infrastrukturelle Projekte dazu. Beispielsweise möchte das Studiwerk die Wohnanlagen an das High-Speed-Internet der Universität anschließen, um eine schnelle, verlässliche und günstige Internetverbindung zu gewährleisten.

Der scheidende Verwaltungsratsvorsitzende Andreas Künkler berichtet, was im Jahr 2018 auf der Agenda stand.

Rückläufige Zahlen bei den Studierenden

Da scheinen die 700.000 Euro, die das Land den fünf Studiwerken in Kaiserslautern, Mainz, Landau, Koblenz und Trier an Zuschüssen gewährt hat, Peanuts zu sein. Wobei Trier aus dieser Summe etwa 120.000 Euro für seine Zwecke einsetzen kann. Die rückläufigen Studierendenzahlen würden das Trierer Studiwerk vor finanzielle Herausforderungen stellen, sagte Wagner. Aber es sei “kein Grund zum Jammern”. Während es vor fünf Jahren noch knapp 22.000 Studenten gegeben habe, seien es jetzt nur noch 17.582. Folglich würde das Studiwerk, das sich aus der Campusgastronomie, den Wohnanlagen, den Sozialbeiträgen der Studierenden (seit dem Wintersemester 2018/19 sind es 109 Euro) und Zuschüssen des Landes finanziert, weniger Geld einnehmen. Im Jahr 2017 betrug der Umsatz den Worten des Geschäftsführers zufolge etwa 13 Millionen Euro.

Daher werde in Sparmaßnahmen investiert, was Andreas Künkler, scheidender Verwaltungsratvorsitzender, an einem Beispiel deutlich machte: “Mit der Umstellung auf LED-Beleuchtung auf den Parkplätzen und Wohnheimen amortisieren sich die Kosten bereits im vierten Jahr.” Die eingesparte Energiemenge veranschaulichte er am jährlichen Verbrauch von drei bis vier Einfamilienhäusern.

Das Studiwerk hat sich außerdem entschieden, Mitarbeitergespräche einzuführen, die einmal im Jahr verpflichtend sind. Mitarbeiter-TÜV-Termine quasi, die zu Beanstandungen führen können, jedoch eine beruhigende Weiterfahrt ermöglichen. Dafür wurde ein Gesprächsleitfaden entwickelt. Außerdem soll im aktuellen Jahr getestet werden, wie sich Webinare zur Mitarbeiterschulung auswirken, um Kosten zu sparen, und zudem sollen weniger saisonale Arbeitskräfte zum Einsatz kommen.

Vieles davon hat Andrea Möller noch als Verwaltungsratsvorsitzende mitentschieden. Die Professorin für Biologiedidaktik folgte allerdings vergangenen Sommer einem Ruf nach Wien, so dass Andreas Künkler ihre Aufgaben für ein halbes Jahr übernahm. Jetzt gibt er das Zepter ab, an den Hochschulprofessor Marc Regier. “Wir warten nur noch auf die Bestätigung durch  Wissenschaftsminister Konrad Wolf.” Neben Andrea Möller wurde auch Manfred Billen verabschiedet, der in Rente geht. Seine Nachfolgerin als stellvertretende Geschäftsführung ist Edith Hein.


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Erstellt am Autor Clemens Sarholz in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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