Vorletzte Ausfahrt Irsch

Wohl der vorerst letzte Spatenstich dieser Art: Dezernent Thomas Egger und Hans-Michael Staude mit Karl-Heinz Klupsch, dem Ortsvorsteher von Irsch (Bildmitte).

Wohl der vorerst letzte Spatenstich dieser Art: Dezernent Thomas Egger und Hans-Michael Staude mit Karl-Heinz Klupsch, dem Ortsvorsteher von Irsch (Bildmitte).

TRIER. Wirtschaftsdezernent Thomas Egger hat am Montag mit dem Spatenstich die letzte Phase des Ausbaus im Gewerbegebiet Irsch an der Langwies eingeläutet. Vorderhand drehte sich der Ortstermin auf der grünen Wiese nur um den Endausbau der Erschließungsstraße, die sich durch das Gewerbegebiet schlängelt. Die soll bis zum Juli fertiggestellt sein. 300.000 Euro Kosten schrauben die Gesamtsumme für die Erschließung des Terrains auf rund 2,1 Millionen Euro. Insgesamt 42.000 Quadratmeter Fläche garantieren, dass sich die Maßnahme für die Stadt trägt. 27.000 Quadratmeter mit 15 Unternehmen, die rund 150 Mitarbeiter beschäftigen, sind bereits vermarktet. Trotz des im Vergleich hohen Quadratmeterpreises von 60 Euro sollen auch die übrigen sieben Grundstücke mit 15.000 Quadratmeter bis spätestens 2017 an den Mann gebracht sein. Mit Irsch erschöpfen sich die städtischen Möglichkeiten zur Gewerbeansiedlung langsam, aber sicher. Nur im Westen, auf dem Gelände der ehemaligen General-von-Seidel-Kaserne in Euren, hat die Stadt noch Potenzial. Dabei ist der Druck, mehr Unternehmen in Trier anzusiedeln, weiter enorm hoch. “Wir liegen rund 40 Hektar unter dem eigentlichen Bedarf”, sagte Egger. Das Vorhaben der Ratskoalition aus CDU und Grünen, Änderungen am Flächennutzungsplan (FNP) vornehmen zu wollen, könnte die ohnehin bereits angespannte Situation noch zusätzlich verschärfen.

Da stand er also, im Sturm zwischen Irsch und Filsch. Ein Bild durchaus mit Symbolcharakter. Dem Wirtschaftsdezernenten bläst der böige Wind ins Gesicht. Thomas Egger kann ansiedlungswilligen Unternehmen kaum noch Angebote machen, und wenn doch, dann nur zu Preisen, die abschrecken. Während im Trierer Umland Grundstücke für 16 bis 25 Euro pro Quadratmeter angeboten werden, müssen Firmen in der Stadt bis zu 60 Euro berappen. Die Kammern schlagen Alarm. Das Oberzentrum hinkt der regionalen wirtschaftlichen Entwicklung hinterher − auch bei den Arbeitsplätzen. Zudem liegt die Stadt bei der Höhe der Gewerbesteuer an der Spitze. Trier ist schlicht zu teuer. Nur die Ausweisung neuer Gewerbegebiete könnte Entspannung bringen – auch bei der Gewerbesteuer, der Haupteinnahmequelle der Stadt.

Das ursprünglich geplante Gewerbegebiet auf dem Kockelsberg, für das sich vor allem CDU und SPD im Kommunalwahlkampf stark gemacht hatten, ist längst begraben. Oberbürgermeister Klaus Jensen hatte bereits vor zwei Wochen erklärt, warum der Kockelsberg aus dem Flächennutzungsplan (FNP) gestrichen worden war. Dort sollten alleine mehr als 20 Hektar ausgewiesen werden. Doch das Gelände liegt zu nahe am Wasserschutzgebiet. Zudem hätte die Erschließung so hohe Kosten verursacht, dass selbst ein Quadratmeterpreis von 60 Euro nicht mehr zu halten gewesen sein wäre. Auch die Randlage sprach gegen den Kockelsberg. Firmen, die in die Stadt hinein wirtschaften, hätten die ohnehin bereits angespannte Verkehrslage die Bitburger Straße hinunter zusätzlich verschärft.

Weil auch der Handwerkerpark in Feyen längst zu den Akten gelegt wurde, weil der Wissenschaftspark auf dem Petrisberg inzwischen ausgereizt ist, bleiben dem Wirtschaftsdezernenten nur noch wenige Optionen. Einige Restflächen bei Herresthal, Irsch und die alte General-von-Seidel-Kaserne in Euren – damit erschöpfen sich die Angebote. Der erste Entwurf des FNP sah noch rund 60 Hektar an neuen Gewerbeflächen vor. Dann wurde gestrichen. “Deswegen liegen wir heute zwischen 30 und 40 Hektar unter dem eigentlichen Bedarf”, sagt Egger. Der jüngste Spatenstich auf der Irscher Höhe dürfte der letzte seiner Art für lange Zeit gewesen sein.

Der Druck ist hoch

Denn die Option der General-von-Seidel-Kaserne in Euren ist derzeit lediglich eine imaginäre. Das Gelände gehört weiterhin der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die Verhandlungen zwischen Stadt und BIMA über den Ankauf laufen zwar – parallel zu jenen über das Burgunderviertel auf der Kürenzer Höhe. Doch in Euren ist inzwischen die Nebenstelle der AfA untergebracht. Wegen des voraussichtlich weiter anwachsenden Flüchtlingsstroms dürfte aus dem Provisorium in der General-von-Seidel-Kaserne ein Dauerzustand werden. “Wir können zwar auch um die AfA herum Gewerbeflächen entwickeln”, sagt Egger, “optimal ist das aber natürlich nicht.”

Dass CDU und Grüne weitreichende Veränderungen am FNP vornehmen wollen, sollte den Druck noch weiter erhöhen. Werden die geplanten Gebiete zur Wohnbebauung auf dem Brubacher Hof und in Zewen aus dem Plan genommen, müsste die Stadt dies anderweitig kompensieren. Denn der FNP ist als Gesamtpaket zu verstehen. Werden potenzielle Wohngebiete gestrichen, geht dies in Gänze zu Lasten der Gewerbegebiete, weil die städtische Gesamtfläche begrenzt ist. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist bei stetig steigenden Mietpreisen und langen Wartelisten bei den Wohnungsbaugesellschaften mindestens ebenso hoch wie jener im Gewerbesektor. Kopfschmerzen bereitet dem Dezernenten auch die Zukunft des produzierenden Gewerbes in Trier. “Da sieht es wegen der fehlenden Flächen ziemlich düster aus”, räumt Egger ein.

Insgesamt 2.1 Millionen Euro investiert die Stadt in das Gewerbegebiet bei Irsch.

Insgesamt 2.1 Millionen Euro investiert die Stadt in das Gewerbegebiet bei Irsch.

In Irsch sind die Unternehmen bereit, 60 Euro für den Quadratmeter zu bezahlen, weil die Stadt ihnen zugestand, auf den Grundstücken auch Betriebswohnungen zu bauen. Das Gelände wird seit 2005 von der städtischen Wirtschaftsförderung und der Mainzer Entwicklungsgesellschaft Rheinland-Pfalz (EGRP) vermarktet. Die Anfänge der Entwicklung reichen bis ins Jahr 1994 zurück. Damals gab der Stadtrat grünes Licht für das Gewerbegebiet an der Langwies in Irsch. Bis zum Ende aller Baumaßnahmen wird die Stadt 2,1 Millionen Euro in die Erschließung investiert haben. “Verlustfrei”, wie Gerhard Thesen, Chef des städtischen Wirtschaftsförderungsamtes, betont. Auf der insgesamt 5,8 Hektar großen Fläche haben sich inzwischen 15 Handwerksbetriebe und Unternehmen des sogenannten leisen Gewerbes mit 150 Mitarbeitern angesiedelt. Thesen und Karl-Heinz Klupsch (CDU), der Ortsvorsteher von Irsch, sind sich sicher: Bis 2017 sind auch die letzten sieben Grundstücke vermarktet. Die neue Straße soll bereits im Sommer des laufenden Jahres durch das Gewerbegebiet führen. (et)


Drucken
Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.