Was sie sind: Menschen mit Würde

Juliane Krähling. Alle Fotos: Edouard Olszewski

TRIER. Obdachlose Menschen leben meist am Rande der Gesellschaft. Sie erfahren abfällige Blicke, werden verurteilt und angefeindet oder gar als minderwertig angesehen. Eine Kampagne, die vom Caritasverband Trier umgesetzt wurde, hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Wahrnehmung zu hinterfragen und Obdachlose mehr in die Mitte der Gesellschaft zu rücken (siehe Video).

Für das Projekt “Repicturing Homeless” hat der Caritasverband Trier wohnungslose Menschen eingeladen, sich als Models für sogenannte “Stockbilder” ablichten zu lassen. Stockbilder werden von Unternehmen und Agenturen beispielsweise für Kommunikations- und Werbemaßnahmen genutzt. So wurden für diese Aktion Trierer Obdachlose für Motive aus den gefragtesten Stock-Image-Kategorien abgelichtet, etwa als Manager oder als Modeladenbesitzerin. Für die so entstandenen Bilder können nun bei der internationalen Bildagentur “Getty Images” Nutzungsrechte erworben und die Bilder verwendet werden. Der Erlös aus dem Bildervertrieb kommt der Wohnungslosenhilfe des Caritasverband Trier zugute.


Der Film zur Kampagne


Zur Umsetzung des Projektes kam es, als der in Trier und Luxemburg bekannte Fotograf Edouard Olszewski das Bedürfnis hatte, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Parallel war Nina Petry, Marketingleiterin des Caritasverbandes, auf das Projekt “Repicturing Homeless” von Havas Düsseldorf, Getty Images und dem Düsseldorfer Obdachlosenmagazin fifty-fifty im Internet gestoßen und organisierte kurzerhand eine Kampagnenumsetzung in Trier.

Hartmut Bauer.

Um die Obdachlosen in Models zu verwandeln, mussten weitere Unterstützer gewonnen werden. So stellte das Modehaus Marx Outfits und Ankleider/innen zur Verfügung. Geschminkt wurden die Obdachlosen von Michelle Weyand vom Glowreich Make-Up & Hair Studio, und Jeannette Schirmer, Geschäftsführerin des Trierer Salons Kopfsalat, kam mit ihrem gesamten Team, um die Models zu frisieren. Die Brillen von Optik Glasklar rundeten die Verwandlung schließlich ab.

Im Park-Plaza-Hotel wurde das Shooting in unterschiedlichen Hotelbereichen durchgeführt, und Bonko Karadjov übernahm das Filmen hinter den Kulissen. Dank der ehrenamtlichen Unterstützung aller Beteiligten entstanden dabei Fotos und Momente, die beeindruckender und wirkungsvoller nicht sein könnten.

“Wir wollen den Blick auf wohnungslose Menschen korrigieren. Sie werden oft vorurteilsbehaftet und damit negativ wahrgenommen. Dabei sind sie Menschen wie du und ich, und Wohnungslosigkeit kann jeden von uns treffen. Durch den Perspektivwechsel will der Caritasverband Trier dazu beitragen, dass wohnungslose Menschen nicht mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden”, sagt Bernd Kettern, Direktor des Caritasverband Trier.

Günter Adam.

Am Tag des Fotoshootings wurden die Obdachlosen mit anderen Augen gesehen – für viele ging damit bereits ein Wunsch in Erfüllung. Schon lange haben sich die Teilnehmer nicht mehr so wertgeschätzt gefühlt – als Menschen. Mit dem Shooting haben sie nicht nur neues Selbstvertrauen gewonnen, sondern auch neuen Mut und den Ansporn, an diese Erfahrung anzuknüpfen. Für alle Beteiligten, Obdachlose sowie ehrenamtliche Unterstützer, war dieser Tag eine bewegende und emotionale Erfahrung, die unvergessen bleiben wird.

Schließlich geht es nicht darum, wo man herkommt oder wie man aussieht, sondern darum, was wir sind: Menschen. (tr)


Drucken
Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.