Was tun, wenn Puschel vom Schrank gefallen ist?

Die Spritze, die Puschel den Schmerz nehmen soll, darf der achtjährige Dennis seinem Kuscheltier unter Anleitung von Janine Zawalinski selbst setzen.

TRIER. Puschel hat ein Problem: Die kleine schwarze Katze ist vom Schrank gefallen. Jetzt tut ihr ein Bein weh, auch der Schwanz hat Schaden genommen. Doch Dennis Wichowancz weiß Rat. Zusammen mit seiner Mutter fährt er ins Teddy-Krankenhaus, wo man sich um sein Lieblings-Kuscheltier kümmert. Mit eigenen Augen kann sich der Achtjährige davon überzeugen, dass Puschel hier bestens geholfen wird.

Seit etwa 15 Jahren lädt das Mutterhaus Trier alle zwei Jahre Kinder und ihre Eltern ins Teddy-Krankenhaus ein. Eine Einladung, der zwischen 300 bis 500 Kinder Folge leisten. ‟Uns ist es wichtig den Kindern zu zeigen, was im Krankenhaus passiert‟, erläutert Wolfgang Thomas, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin. Der Sinn der Aktion liegt auf der Hand. Wer ins Krankenhaus kommt, hat oft Angst vor dem Unbekannten, weiß nicht, was  auf einen zukommt. ‟Wir können dieses Unbehagen nicht gänzlich abstellen, aber wir können den Kindern zeigen, dass hier alles getan wird, um ihnen zu helfen.”

Die Röntgenaufnahme bringt es ans Licht: Der Teddy hat eine Spritze verschluckt. Sabine Reuter-Heib weiß nun, was zu tun ist.

Von der Aufnahme bis zur Medikamentenausgabe

Damit die Kinder wirklich alle Abläufe kennenlernen, hat man auf dem unteren Parkplatz an diesem Tag eine kleine Zeltstadt aufgebaut, die den kompletten Prozess von der Aufnahme bis zur Medikamentenausgabe widerspiegelt. Der vierjährige Arthur Narin ist mit seinem Großvater gekommen. Mit dabei das Kuscheltier, das ein ganz besonderes Problem hat: Der Verband lässt sich nicht mehr richtig abnehmen. Bei der Erstuntersuchung erfährt Arthur, dass sein Kuscheltier in den Operationssaal muss, wo man ihm unter Narkose den alten Verband entfernen muss.

Ehrensache, dass Arthus seinen Spielgefährten in den OP begleitet, wo er erst einmal erklärt bekommt, weshalb die Menschen hier grüne Kittel und Mundschutz tragen und was der Monitor im Hintergrund für eine Funktion hat. Und dann geht es auch schon an die Arbeit. Ärztin und OP-Schwestern entfernen den alten Verband und legen dann einen neuen an. Rasch ist das Kuscheltier versorgt, dann geht es zur nächsten Station. In der Medikamenten-Ausgabe bekommt Arthur eine kleine Tüte mit Medikamenten, die dem Kuscheltier bei der Genesung helfen sollen. Was da wohl drin ist? ‟Der Inhalt hängt von der Erkrankung ab‟, erklärt die Apothekerin und verweist auf ein gut gefülltes Lager. Hier finden sich schmerzstillende Gummibärchen, fiebersenkender Traubenzucker, Zaubermalstifte gegen Unwohlsein, Flugzeuge gegen Kopfschmerzen, Flummis die helfen, dass man bald wieder laufen kann, Jojos zum trainieren von gebrochenen Fingern oder Eistüten und Wasserpistolen, die Überhitzungen vorbeugen sollen.

Aufmerksam verfolgt der vierjährige Arthur die Vorbereitungen zur Operation seines Kuscheltieres.

Kinder übernehmen die Rolle der Eltern

‟Angefangen hat das alles ganz klein mit der Teilnahme am ‘Haus der Gesundheit’ im Palastgarten‟, erinnert sich Pflegedienstleiterin Christel Kallies. Rasch aber habe man festgestellt, wie interessiert und offen die Kinder dem Thema gegenüber waren. Und so wurde die Idee, die laut Kallies aus der Uniklinik Mainz nach Trier kam, mehr und mehr ausgebaut. ‟Bei diesem Rollenspiel übernehmen die Kinder die Funktion der Eltern, das Kuscheltier wird der Patient. Oft erleben wir, dass das Schmusetier vom Kind mit der eigenen Krankheitsgeschichte vorgestellt wird. In der Elternrolle schauen die Kinder dann ganz genau zu, wie die Behandlung stattfindet.”

Wer will, kann an dem Tag auch in der zentralen Ambulanz für Kinder reinschauen. Ganz Mutige können sich dann sogar einen Arm eingipsen lassen, was nicht zuletzt dank der bunten Farben auf großes Interesse stößt. Abgerundet wird dieser Besuch mit einer Balkonführung, die einen Blick in die Kinderintensiv- und Frühgeborenenstation ermöglicht.

Auch die Neuropädiatrie (‟Was passiert beim EEG und im Schlaflabor?”), die Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Karl Borromäusschule und die Villa Kunterbunt machen mit. Alles in allem beteiligen sich rund 60 Mitwirkende.

Chefarzt Thomas ist dankbar für diese starke Beteiligung. Er sieht bei den teilnehmenden Ärzten und Pflegekräften eine starke Identifikation mit der beruflichen Tätigkeit. Sein Dank gilt hier insbesondere dem Pflegepersonal: ‟Wir Ärzte haben ja immer nur punktuell mit den Patienten zu tun. Den Frauen und Männer, die mit der Pflege betraut sind, kommt aber eine ganz besonders wichtige zentrale Rolle zu, da sie unmittelbar von den Sorgen und Nöten der Menschen erfahren.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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