Wechsel an der EGP-Spitze: Becker folgt Eitel

"Er ist der Neue!" Sichtlich zufrieden rahmen Andreas Ludwig (links und Jan Eitel den kommenden EGP-Geschäftsführer David Becker ein. Foto: Rolf Lorig

“Er ist der Neue!” Sichtlich zufrieden rahmen Andreas Ludwig (links) und Jan Eitel den kommenden EGP-Geschäftsführer David Becker ein. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Jan Eitel will es noch mal wissen. 15 Jahre lang stand er als Gründungs- und Alleingeschäftsführer an der Spitze der EGP GmbH. Seinen auslaufenden Vertrag will er nicht verlängern, Eitels Nachfolger wird zum 1. April seine langjährige rechte Hand, der Prokurist David Becker. Jan Eitel will nach dem 30. Juni, seinem letzten Arbeitstag, eigene Projektentwicklungen auch außerhalb von Trier voranbringen.

Von Rolf Lorig

Für viele kam der Rückzug von Jan Eitel völlig überraschend. ‟Als wir Ende des vergangenen Jahres davon erfahren haben, wollte es eigentlich keiner so richtig glauben‟, erinnert sich EGP-Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Ludwig, gleichzeitig Baudezernent der Stadt Trier. Schon bevor er als Baudezernent nach Trier kam, hatte der gelernte Architekt berufliche Kontakte zu Eitel. ‟Er hat die Stadt Trier ganz stark nach vorne gebracht‟, attestiert Ludwig dem Noch-Geschäftsführer.

Eitel selbst legt Wert darauf, dass diese Entscheidung sein freier Wille war. Nein, es gebe da keine Skandale oder schlummernde Tretminen, stellt er entschieden fest. Drei Perioden zu jeweils fünf Jahren seien nun einfach genug. ‟Sowohl die EGP wie auch ich brauchen eine Veränderung.” Noch sei er jung genug, ein neues Kapitel aufzuschlagen und sich den Herausforderungen zu stellen. ‟Mit 47 ist man noch nicht so alt, dass man schon in Richtung Rente schielt. Auf der anderen Seite ist man nicht mehr so jung, dass man sich noch keine große Herausforderungen zutraut‟, erklärt er mit einem Schmunzeln.

Ein reibungsloser Übergang

Die EGP wisse er bei David Becker in den besten Händen: ‟Ich bin extrem happy, dass der Aufsichtsrat ihn zu meinem Nachfolger gewählt hat.” In der Tat kündigt sich damit ein reibungsloser Übergang an. Nicht nur, weil Eitel und Becker drei Monate lang gleichberechtigt zusammenarbeiten werden. David Becker kennt die EGP aus dem Effeff, war hier schon während seines Studiums als Werkstudent tätig. Seit zehn Jahren arbeitet der heute 37-Jährige eng mit Jan Eitel zusammen. Erste Sporen verdiente er sich mit der Entwicklung des Wissenschaftsparks, dann folgte die Herausforderung Bobinet, die er als Projektleiter vorantreiben konnte.

Dass dem Vater von drei Kindern das gelungen ist, verdeutlicht seine Bestellung zum Prokuristen und kaufmännischen Leiter im Dezember 2015. So erscheint es glaubhaft, wenn er versichert, dass der Wechsel für Kontinuität stehe. Die Arbeit von Jan Eitel will er fortführen. Natürlich will er auch eigene Vorstellungen realisieren, doch das ganz behutsam und immer im Vernehmen mit allen Beteiligten. An Herausforderungen wird es Becker nicht mangeln: Castelnau-Mattheis, Bobinet oder aber Burgunderstraße lauten hier die Stichworte.

Doch zurück zu Jan Eitel. Der gebürtige Darmstädter ist längst in Trier angekommen, zwei Töchter wurden hier geboren. Darum will er der Römerstadt auch nicht den Rücken kehren. Beruflich will er künftig weniger beratend tätig sein, will vor allem gerne investiv agieren. Eitel weiß, dass er dazu finanzstarke Partner braucht, scheint hier aber auch schon fündig geworden zu sein. Einen Verwaltungsapparat will er sich noch nicht ans Bein binden, ‟auch wenn die unterstützend helfende und ordnende Hand mir dann mit Sicherheit fehlen wird”.

‟Der Gestaltungsspielraum war ein Traum”

Dass ihm die EGP nach seinem Weggang ein gutes Stück fehlen wird, daran lässt Eitel keinen Zweifel: ‟Die EGP ist mein Baby.” In solchen Momenten erinnert er sich an die Anfänge im Deutschen Wetterdienst, wo er sich mit ‟einem Büro und einem Faxgerät‟ bescheiden musste. Seine damalige Aufgabe: ‟Den Petrisberg revitalisieren.” Auch wenn die Erinnerung so manches verklärt, einen Punkt wird Eitel in bester Erinnerung behalten: ‟Der Gestaltungsspielraum war ein Traum.”

Bleibt am Ende die Frage, was denn seine größte Herausforderung war? Auch da muss Eitel nicht lange überlegen: ‟Die Gestaltung des Wissenschaftsparks.” Mit der Universität und der damaligen Fachhochschule habe es zwar zwei wichtige Bausteine gegeben. Aber: ‟Wissenstransfer fand damals so gut wie nicht statt.” Also musste alles ganz klein beginnen mit den Fragen: ‟Was ist das?”, ‟Wie funktioniert das?”, oder ‟Wie macht man einen Nicht-Standort zu einem Standort?”.

Der Blick in andere Städte habe da nur bedingt helfen können, da die standorttypischen Gegebenheiten nicht so einfach zu übertragen waren. Nachdem dann aber ein eigenes Rezept gefunden war, mussten alle möglichen Entscheidungsträger informiert und überzeugt werden. ‟Wenn ich heute sehe, wie viele Firmen sich hier angesiedelt haben, und dass wir hier durch den großen Andrang sogar Parkplatzprobleme haben, dann macht mich das schon bockstolz‟, strahlt Eitel und zieht Bilanz: ‟Es war mit Sicherheit aber auch das Projekt, das mich ganz persönlich am weitesten nach vorne gebracht hat.”

Standortentwicklungen der EGP

Der neue Petrisberg: 700.000 Quadratmeter Stadtentwicklung auf ehemaligen Militärgelände; EGP-Investition: rund 124,5 Mio. Euro

WIP Wissenschaftspark Trier, Gesamtfläche 25.000 Quadratmeter Bürofläche; EGP-Investition: rund 24 Mio. Euro

Bobinet-Quartier: Gesamtfläche 3,7 ha; EGP-Investition: rund 26,5 Mio. Euro

Castelnau: Gesamtfläche: 34 ha; EGP-Investition: rund 100 Mio. Euro

Castelnau Mattheis: Gesamtfläche 44 ha; geplante EGP-Investition gesamt: rund 50 Mio. Euro


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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