Weißhaus – Zuschlag für Schäfers IFA

Seit Ende 2014 liegt das Weißhaus im Dornröschenschlaf.

TRIER. Die Entscheidung ist gefallen: Das Weißhaus soll an das Unternehmen Ifa-Immobilien (Schillingen) verpachtet werden. Darüber hat Dezernent Andreas Ludwig (CDU) nach reporter-Informationen am vergangenen Mittwoch den zuständigen Dezernatsausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung informiert. Geschäftsführer der Ifa ist der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Schäfer. Umstritten ist bei den Fraktionen allerdings noch die Rolle des ehemaligen Kloster-Machern-Geschäftsführers (Reh-Gruppe), Hans-Jürgen Lichter, der nach Angaben der Ifa für das Unternehmen arbeitet. “Der Vertrag wird, sollten die Verhandlungen Erfolg haben, aber mit der Ifa und Wolfgang Schäfer abgeschlossen, nicht mit Hans-Jürgen Lichter”, betont ein Ausschussmitglied gegenüber dem reporter. Eingebunden in die Entscheidung war der Ausschuss nicht. Vertragsabschlüsse zu Verpachtungen sind originäre Aufgabe der Verwaltung. Der Stadtvorstand hatte die Entscheidung zugunsten der Ifa gefällt. Somit war auch kein Beschluss des Dezernatsausschusses nötig. Bereits Ende März hatte der reporter über die Hintergründe der Verhandlungen in Weißhaus − Lichter oder Schröder? berichtet.

Mit der Entscheidung der Verwaltung ist etwa Schäfers früher Konkurrent, der Trierer Hotelier Markus Schröder (Stadtwaldhotel), aus dem Rennen. Schröder plante neben der Gastronomie auch einen Hotelbetrieb in Triers weißer Perle hoch über dem Moselufer. Derartigen Konzepten mit Hotelbetrieb wollten Verwaltung und Ausschuss aber nicht folgen. “Allein schon aus Gründen des Denkmalschutzes, weil dann zu viele Umbauten nötig geworden wären”, sagt ein Mitglied gegenüber dem reporter. Schäfers Konzept, das Weißhaus aus dem Tiefschlaf zu holen, basiert hingegen auf einem reinen Gastronomiebetrieb. Mit der Ifa will die Stadt nun einen Vertrag nach dem sogenannten Erbbaurecht abschließen – möglichst auf 33 Jahre. Die Sanierungskosten zur Instandsetzung des klassizistischen Gebäudes werden auf rund drei Millionen Euro geschätzt.


Zum Thema − Lichter oder Schröder?


“Es geht jetzt darum, den Vertrag möglichst schnell unter Dach und Fach zu bekommen”, sagt ein weiteres Ausschuss-Mitglied gegenüber dem reporter, “damit der Betrieb bestenfalls schon im kommenden Sommer wieder starten kann.” Eine vertragliche Einigung mit der Ifa gibt es nach weiteren reporter-Informationen aber noch nicht. “Jetzt muss erst einmal verhandelt werden”, betont das Ausschuss-Mitglied. Ursprünglich hatte Baudezernent Ludwig geplant, den Betrieb im Weißhaus im Sommer dieses Jahres wieder anlaufen zu lassen.


Zum Thema − Zwischen Melancholie und neuer Hoffnung


Doch die Entscheidung hatte sich nicht zuletzt wegen der Rolle Lichters bei diesem Geschäft verzögert. Unklar war, welche Funktion Lichter im geplanten Gastronomiebetrieb übernehmen könnte − und ob der ehemalige Manager der Reh-Gruppe auch rechtlich in den Vertrag mit der Stadt eingebunden wird. Das ist jetzt geklärt. Vertragspartner werden ausschließlich die Stadt und die Ifa sein. Vertreten wird das Schillinger Unternehmen durch Schäfer. Dezernatsausschuss und Stadtrat werden den Vertrag vor Abschluss überprüfen.

Seit Ende 2014, als das Pächterehepaar Monika und Heiner Adamkiewicz in den Ruhestand ging, ist der Gastronomiebetrieb im Weißhaus eingestellt. (et)

Extra

Das Schillinger Unternehmen Ifa hat in den vergangenen Jahren mehrere Immobilien-Projekte in Trier umgesetzt – so am Viehmarkt, aber auch die Residenzen am Olewiger Bach und im Aveler Tal. Auf dem Petrisberg entstanden 135 Wohnungen und Appartements. Die Ifa baut ferner in der Petrus- und Paulinstraße, in Zewen, Euren und Tarforst. Am Losheimer See realisierte das Unternehmen ein Wohlfühlhotel, in Saarburg wurde die denkmalgeschützte “Villa Keller” restauriert und saniert. Ende 2014 geriet die Ifa negativ in die Schlagzeilen, als Geschäftsführer Wolfgang Schäfer den Drogeriemarkt auf dem Petrisberg entgegen dem städtischen Einzelhandelskonzept durchdrückte.

Weißhaus

Um 1820 erwarb Oberbürgermeister Wilhelm von Haw das Gelände im Weißhauswald als Landgut. Von Haw ließ den mehrere hundert Morgen umfassenden Gesamtbering unter großem Aufwand aufforsten, legte Gärten an, darunter auch eine Schäferei im dazugehörigen Biewertal. Das alte Weißhäuschen wurde abgerissen, und an seiner Stelle entstand die Privatvilla von Haw, die um 1823 fertiggestellt wurde.

Ein traumhafter Ausblick aus dem Lokal auf die älteste Stadt Deutschlands.

Der Weißhauswald und die Gärten standen schon zu Lebzeiten von Haw den Bürgern der Stadt offen. Nach dem Tod des Besitzers wurden Villa und Ländereien 1863 vom Statthalter des Großherzogtums Luxemburg, Prinz Heinrich der Niederlande, erworben, der die Anlage weiterhin für Besucher offen hielt, instandsetzte und den Neubau einer weiteren privaten Villa projektierte, die jedoch aufgrund seines plötzlichen Todes im Jahr 1879 nicht realisiert wurde.

Um den Verkauf an Privatpersonen und damit den möglichen Verlust eines öffentlichen Erholungsparks zu verhindern, wurde 1879 die Aktiengesellschaft Weißhaus-Verein von wohlhabenden Trierer Bürgern gegründet. 1881 wurde die Villa nach Verbesserung der Zuwege, Instandsetzungen des Gebäudes und der Anlage einer Gartenterrasse verpachtet und der Restaurantbetrieb eröffnet.

Der betont schlicht gehaltene, zweigeschossige Bau, circa zwölf Meter lang und sieben Meter tief, weist lediglich zur Stadtseite hin eine differenziertere, durch Schmuckformen betonte Fassadengestaltung auf. Dem französisch geprägten Erscheinungsbild des Monaiser Schlosses und der Villa Nell setzt die Villa Weißhaus einen deutlich von preußisch-klassizistischer Bauweise beeinflussten Stil entgegen, der sich auch am dazugehörigen Ökonomiegebäude Drachenhaus findet. (Quelle: Datenbank Kulturgüter Region Trier)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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