Wenn es eng, ganz eng wird in der Küche…

Die ersten Gäste treffen in der Küche ein. Dort wird es langsam ziemlich eng… Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Alles hat irgendwann ein Ende. Auch die Trierer Küchenparty, die seit 25 Jahren zugunsten der Aktion Trierer Kinder im Mercure Hotel Porta Nigra stattfindet. Jahr für Jahr stellten sich je zehn Spitzen-Gastronomen und Top-Weingüter in den Dienst an der guten Sache. Denn von den 150 Euro, die jeder Gast an diesem Abend für den Eintritt zahlte, ging lediglich das Geld für den Wareneinsatz ab. Ihre Arbeitsleistung und das restliche Geld kam bei jeder Veranstaltung dem sozialen Zweck zugute.

Für den reporter hat Rolf Lorig in die Töpfe geschaut

Von der Arbeitsleistung zur Arbeitskleidung. Für Köche eine Selbstverständlichkeit. Was auch für die Gäste der Küchenparty gilt. Kein Eintritt in das Allerheiligste, die Küche, ohne die passende Schürze. Die schmückt auch in diesem Jahr wieder ein Motiv von Johannes Kolz. Verteilt werden die Schürzen von Mitgliedern der Kulturstiftung: Katrin Hülsmann, Hiltrud Zock, Melanie Welsch und Andreas Ammer begrüßen jeden einzelnen Gast und kleiden ihn mit der Schürze ein.



Wenn Platz zum Luxus wird

Den richtigen Ton in der Küche gibt DJ Dominique Koch an. Seine Gäste kennt er fast alle persönlich. “Früher war das mehr das politische und kulturelle Who-is-Who. Das hat sich aber gewandelt und geöffnet, was ich sehr schön finde, denn dadurch ist das Publikum vielfältiger geworden”, sagt er. Welche Musik hat er für die Besucher der Party ausgesucht? “Eine, die keinem wehtut; melodisch mit einem gewissen Grundbeat. Musik, die zeigt, hier ist was los, hier passiert was.”

Und in der Tat, hier passiert eine ganze Menge. Denn die zehn Top-Köche werden von ihren Mitarbeitern an den verschiedenen Kojen unterstützt. Eigentlich ist damit die an sich doch sehr geräumige Küche gut gefüllt. Doch wenn die Gäste in die Küche strömen, dann wird es eng. Sehr eng…

Hubert Scheid ist Chef de Cuisine im Schloss Monaise in Trier. Bei der Trierer Küchenparty ist der frühere Sternekoch ein Mann der ersten Stunde. Er erinnert sich noch gut an seinen Kollegen, den einstigen Zweisterne-Koch Gerhard Gartner, der in Aachen die Idee zu der Küchenparty hatte. Gerhard Gartner war mit Annegret Reh, der Tochter des Unternehmers Günther Reh, verheiratet. Und über diese Schiene kam die damals innovative Idee nach Trier, wo sie vom damaligen Oberbürgermeister Helmut Schröer gerne aufgenommen wurde. Denn dessen Frau Gisela engagierte sich für Not leidende Trierer Kinder und konnte für diesen Zweck eine kräftige Einnahmequelle gebrauchen. Die Schröers mussten weder bei Hubert Scheid noch bei den übrigen damaligen Mitwirkenden lange betteln. “Wir alle haben uns immer wieder gerne für diese Aktion eingebracht”, erinnert sich Scheid. 24 Jahre lang zeichnete er bei den Trierer Küchenpartys für den Nachtisch verantwortlich. In diesem Jahr aber “gab es einen jüngeren Kollegen, der das mal machen wollte.” Für “Hubi” Scheid kein Problem, er kredenzte den Gästen in diesem Jahr Gänseleberterrine mit Feigen, dazu einen Apfel-Ingwersalat und ein Stück Brioche.



Köche hoffen auf ein schönes Feedback

Unweit von Hubert Scheid entfernt hat Peter Schmalen (Restaurant Schlemmereule) seinen Arbeitsplatz. Auf seine Gäste wartet hier ein Bürgermeisterstück vom US-Beef: “Reines Muskelfleisch aus der Keule mit wenig Fett, langsam gegart, damit es auch saftig bleibt. Dazu gibt es BBQ-Linsengemüse und sautierte Kartoffelwürfel. Die Vorbereitung zu dem Gericht erfolgte – wie bei den übrigen Köchen auch – zuhause in der eigenen Restaurantküche. Hier, in der Küche des Mercure-Hotels, steht lediglich noch die Endzubereitung an. Auch Peter Schmalen nimmt schon lange an der Küchenparty teil, “18 Jahre sind es jetzt”, erinnert er sich. Er bedauert es, dass nun die letzte Küchenparty ansteht. Noch einmal will er wie seine Kollegen alles geben und hofft dabei “auf ein schönes Feedback, denn das ist ja das, worauf man als Koch hofft.”

Schräg gegenüber von Peter Schmalen arbeitet Alexandra Weyses (Haus Mannertal). Für sie ist es die dritte Küchenparty. Vermutlich hat die immer gutgelaunte Frau, sie ist an diesem Abend die einzige Köchin in der Runde, die weiteste Anreise in Kauf genommen. Ihr Restaurant befindet sich in der Eifelgemeinde Binscheid, ein Ortsteil von Üttfeld. Bei einer Stunde Fahrt muss das Gericht wohlüberlegt sein, denn der Qualitätsanspruch der sympathischen Köchin ist denkbar einfach: “Jeder der 250 Gäste muss die gleiche Qualität erhalten, egal ob es der erste oder der letzte Gast ist.” Sie hat Bäckchen vom Kalb vorbereitet, dazu gibt es Maiscreme und wilden Broccoli und zum Schluss Popcorn und Lakritz. Neben dem Engagement für die gute Sache schätzt sie ganz besonders den intensiven Austausch mit den Kollegen. Wird ihr Einsatz von den Gästen so wahrgenommen, dass diese sie auch schon mal in ihrem eine Autostunde entfernten Restaurant besuchen? Weyses nickt. Sie habe etliche Gäste, die regelmäßig aus Trier zu ihr in die Eifel kommen, berichtet sie. Und nach der Küchenparty im vergangenen Jahr – bei ihrer ersten war sie noch Lehrling im damaligen Trierer Restaurant “Pfeffermühle” – seien auch neue Kunden dazugekommen.

Der richtige Wein zum Essen

Draußen, im Restaurant, warten derweil 250 Gäste. Hier bestimmt Ulis Ulis PopLounge den Ton. Profimusiker Uli Müller ist ebenfalls schon lange mit seinem Team dabei. Auch er weiß, welchen Sound die Menschen erwarten und weiß auch, dass seine Arbeit ebenfalls wesentlich zum Gelingen des Abends beiträgt.

Was natürlich ebenso für die Winzer gilt. Zehn Weingüter stellen ihre Produkte vor, kredenzen den jeweils richtigen Wein zum Essen. Josef Rosch aus Leiwen wurde vor 25 Jahren noch vom Ehepaar Schröer angeworben. Groß überreden musste man ihn damals nicht, erinnert sich der Winzer, dem die Aktion ebenfalls ein Herzensanliegen ist. Weshalb er der Party auch schon seit 25 Jahren treu ist…

Die Bischöflichen Weingüter sind durch Alexander Jehlen und Erwin Engel vertreten. Jehlen kennt die Küchenparty seit drei Jahren, Engel ist von Anfang an dabei gewesen. Dass diese Veranstaltungsreihe nun endet, verblüfft Engel etwas. Aber er weiß auch, dass dieses Format längst nicht mehr frisch ist und auch von etlichen der Köche angeboten wird, die über die Jahre teilgenommen haben. Frisch ist dagegen der Wein, der “beim Bischof” zum Ausschank gelangt. Allen voran der 2018er Kultur Riesling, mit dessen Verkauf die Bischöflichen Weingüter die Kulturstiftung unterstützen.



Zehnmal Riesling, einmal Grauburgunder

Während neun Weingüter auf den Riesling setzen, schenken die Vereinigten Hospitien einen angenehm kühlen Grauburgunder aus dem Jahr 2018 aus. Der bekömmliche, da säurearme Wein kommt bestens an. Ebenso wie die beiden jungen Güterdirektoren Yvonne Russell und Tobias Reiland. Für beide ist das eine Premiere, sind sie doch erst seit wenigen Wochen im Amt. Die Gelegenheit zum Gespräch mit Gästen und Kollegen nutzen sie ausgiebig, werben für ihren Wein und ihre Stiftung. An Gesprächspartnern mangelt es nicht – Wein verbindet…

Was man vom Kaffee aber auch sagen kann. In Trier ist “Mondo del Cafè” mit seinem breiten Angebot längst kein Geheimtipp mehr. Für Juniorchef Falk Schramer ist es die vierte Küchenparty. Zusammen mit seiner Mitarbeiterin, Nicole Flesch, schenkt er würzig-duftenden Kaffee und Espresso aus. Was den beiden Barista besonders gefällt, ist der persönliche Kontakt zu den Kunden. Denn die haben eine Menge Fragen und staunen oft nicht schlecht, wenn sie erfahren, dass Kaffee beispielsweise über 1000 verschiedene Aromen hat und damit noch finessenreicher ist als Wein. Ob das auch für Bier gilt? Freunde des kühlen Gerstensaftes müssen trotz des reichhaltigen Weinangebotes nicht auf das kühle Blonde verzichten. Denn auch die Bitburger Brauerei zählt zu den Unterstützern der ersten Stunde.

Andreas Ammer versteigert das Werk von Bodo Korsig, das schließlich für 1200 Euro einen Käufer fand.

Ein Abschied, aber Neues wird kommen

Gisela und Helmut Schröer sind an diesem Abend natürlich auch unter den Gästen. Seit acht Jahren können sie diese Veranstaltung stressfrei genießen. Denn so lange schon ist die Kulturstiftung Ausrichterin der Küchenparty. Gisela Schröer weiß ihr Anliegen hier in den besten Händen. Und natürlich weiß auch sie, dass dieser Abend ein Abschied sein wird. “Dieser Abschied heißt aber nicht, dass die Kulturstiftung nicht mehr zugunsten der Trierer Kinder feiert”, sagt deren Vorsitzender, der Trierer Rechtsanwalt Andreas Ammer. Bei Gisela Schröer hält sich die Trauer über diesen Abschied angesichts dieser Aussage in Grenzen. Sie kennt die Menschen, weiß um die Schnelllebigkeit der Zeit. Dass es etwas Neues an dieser Stelle geben wird, dessen ist sie sich sicher. Was ihr bleibt, sind viele schöne Erinnerungen an Begegnungen. Und die Gewissheit, in 25 Jahren sehr viel bewirkt zu haben.

Einer, der der Küchenparty ebenfalls über viele Jahre die Treue gehalten hat, ist der Künstler Bodo Korsig. Mit seinem künstlerischen Schaffen hat er längst die Grenzen der ältesten Stadt Deutschlands hinter sich gelassen. Der Kulturstiftung aber ist er treu geblieben. Schon wiederholt stellte er eigene Arbeiten zur Verfügung, die dann zugunsten der Trierer Kinder versteigert wurden. Auch in diesem Jahr ist er nicht mit leeren Händen gekommen. Die Versteigerung des Kunstwerkes ist der letzte offizielle Programmpunkt, jedoch längst nicht der Schlusspunkt des Abends. Noch einmal appelliert Andreas Ammer an die Großzügigkeit des Publikums. Für 1200 Euro wechselt das Kunstwerk schließlich den Besitzer.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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