“Wichtig ist, dass man anfängt und sich weiterentwickelt”

In diesem Gebäude in der Jägerkaserne wird das Digital Hub im Herbst seinen Betrieb aufnehmen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Auf dem Weg in die Zukunft spielen moderne Technologien eine immer größer werdende Rolle. Insbesondere dann, wenn es um die Sicherung von Fachkräften geht. Nur wenn Trier neben seinem historischen Erbe auch moderne Arbeitsplätze anbietet, kann auch das große Pfund der beiden Hochschulen gehoben werden – bestens ausgebildete junge Menschen, die ihren Platz in der Arbeitswelt suchen. Oberbürgermeister Wolfram Leibe ist sich dessen wohlbewusst und hat sich in anderen Städten mit Hochschulen umgeschaut. Eine Möglichkeit, derer sich Trier ebenfalls bedienen kann, ist der Aufbau eines Digital Hub. Also einer hochtechnisierten Einrichtung, die theoretisches und praktisches Knowhow mit der Wirtschaft zusammenbringt. Seit etwa einem dreiviertel Jahr laufen dazu die Vorbereitungen unter der Federführung von Christiane Luxem, der Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung. Im Herbst soll der Hub in der früheren Jägerkaserne seinen Dienst aufnehmen. Mit einem Pressetermin informierte der Oberbürgermeister gemeinsam mit Mitarbeitern der Wirtschaftsförderung über den aktuellen Stand der Dinge vor Ort.

Von Rolf Lorig

Übergangslösung Jägerkaserne

Eines brennt dem OB unter den Nägeln: “Das hier wird nur eine Übergangslösung sein. Aber es gibt uns Zeit, in aller Ruhe nach Räumlichkeiten Ausschau zu halten, die dann dauerhaft die Adresse des Hub sein sollen.” Das hier, das ist ein Gebäude innerhalb der Jägerkaserne in der Eurener Straße. Die stand nach dem Abzug des Militärs lange leer. Flüchtlinge wurden auf dem weitläufigen Gelände untergebracht, die bronzene Karl-Marx-Statue vor ihrem Aufbau hier zwischengelagert. Und auch das Bürgeramt fand hier für die Dauer der Sanierung der Räume am Augustinerhof hier eine vorübergehende Heimat. In zwei drei, Jahren soll an dieser Stelle sozialer Wohnungsbau Menschen eine neue Heimat bieten.

Doch vorher dem Digital Hub. Am Freitag, 16. Mai, und Samstag, 17. Mai, wollen die Stadt und die Forschungsstelle Mittelstand der Universität Trier beim zweiten Startup-Camp – hier gibt es noch freie Plätze für interessierte Teilnehmer – das Vorhaben interessierten Bürgern sowie Akteuren aus Wirtschaft und Digitalwirtschaft mit einer ‘Baustellenparty’ vorstellen. Wobei der Begriff Party aller Voraussicht nach weniger mit Tanz und Musik denn mit einem Zusammenkommen von Gleichgesinnten, ähnlich einer LAN-Party, gesehen werden sollte.

Dass das Bürgeramt vorher in diesem Gebäude untergebracht war, verrät noch das ein oder andere Türschild. “Die richtigen Schilder werden aber schon in den nächsten Tagen zeitnah zu der Vorstellung angebracht”, beantwortet Karsten Bujara, der stellvertretende Leiter der Wirtschaftsförderung, die entsprechende Frage. Zusammen mit seinem Kollegen Mirko Löhmann wacht er darüber, dass die Arbeiten zügig fortgeführt und fertiggestellt werden.

Das Mobiliar ist bereits vor Ort und stammt aus den Beständen des insolventen IGZ

Die Räume sind bereits möbiliert

Das Mobiliar für die Räume im Erdgeschoss – hier sollen bis zu 20 Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden – ist schon vorhanden. “Das war eine Gelegenheit”, freut sich der OB. Denn die tadellos erhaltenen Tische und Stühle stammen aus der Konkursmasse des einstmals auf dem Petrisberg ansässigen IGZ. Das Schicksal des einstigen Innovations- und Gründerzentrums steht wie ein Mahnmal im Raum: “Ich weiß nicht, ob der Digital Hub ein Erfolg wird, aber wir müssen es auf jeden Fall versuchen”, sagt Leibe. Ihm kommt es in diesem Fall nicht so sehr auf das Konzept an: “Wichtig ist, dass man hier mal anfängt und im laufenden Betrieb sich dann weiterentwickelt.” Schließlich starte man mit etwas gänzlich Neuem, bewege sich auf einem noch unbekannten Feld.

Bevor die Entscheidung im Stadtrat darüber fiel, war das Stadtoberhaupt quer durch Deutschland unterwegs und hat sich angeschaut, wie andere Städte das gemacht haben. Seine Erkenntnis: “Wir können die Erfahrungen von anderen Kommunen leider nicht 1:1 übernehmen, da die Rahmenbedingungen überall verschieden waren.” So gab es Beispiele, wo große Unternehmen solche Hubs führten. In anderen Städten waren es technische Universitäten, die federführend tätig waren.

In Rheinland-Pfalz wird Trier nach Mainz die zweite Stadt sein, die hier an den Start geht. Das Land will dem Projekt über die Entwicklungsagentur hilfegebend zur Seite stehen. “Später hoffen wir dann, an Fördergelder des Bundes kommen zu können”, zeigt sich der OB optimistisch.

Auf der Datenautobahn mit 1 GB/sec unterwegs

Später, das wird wohl noch etwas dauern. Im Augenblick rüstet man sich für die Startphase. Und da gibt es noch einiges zu tun. So sind beispielsweise noch Elektriker an der Arbeit. Und auch die SWT mischen mit ihrem Knowhow kräftig mit: “Die stellen uns hier eine Datenleitung mit einer Leistung von einem Gigabyte/Sekunde zur Verfügung”, weiß Mirko Löhmann. Eine Datenmenge, die für den gewerblichen und industriellen Bedarf so auch gebraucht wird. Und die zudem eine gewisse Sicherheit in der Hinterhand hat: “Selbst wenn alle 20 Arbeitsplätze voll unterwegs sind, sollte das durchaus ausreichen.”

Dass es genügend Anfragen für diese Arbeitsplätze geben wird, davor ist Leibe nicht bang: Im Rathaus seien schon zwölf Startups bei ihm vorstellig geworden, die Interesse an einem der Arbeitsplätze bekundet hätten. Angesichts einer Miete von 220 Euro im Monat pro Arbeitsplatz inklusive der Miete für das Internet und auch inklusive Miet-Nebenkosten ein durchaus nachvollziehbares Interesse. “Mietinteressenten sollten bis zum Freitag, 25. Mai, mit dem ausgefüllten Bewerbungsformular ihr Interesse gegenüber der Wirtschaftsförderung zur Anmietung von Arbeitsplätzen bekunden”, sagt Karsten Bujara.  Und wenn sich mehr als 20 Startups melden sollten, sei das auch kein Problem. Schließlich gebe es noch das erste Geschoss. Der Oberbürgermeister nickt, auch er kann sich so ein Wachstum gut vorstellen. Aber das dürfe nicht zu schnell geschen, warnt er: “Wenn Wachstum, dann langsam und organisch.”
Wer schließlich Mieter des Hubs werden wird, entscheidet die Wirtschaftsförderung bis zum 1. Juli 2019.

Noch arbeiten Elektriker und IT-Fachleute am Feintuning.

Ziel ist die Gründung eines Trägervereins

Wolfram Leibe fungiert nicht nur als Ansprechpartner für Startups. Gemeinsam mit Christiane Luxem trommelt er schon seit geraumer Zeit bei Industrie und Handwerk, die für den Hub später die wichtigen Geschäftspartner sein werden: “Es gibt quasi keinen Bereich, der künftig ohne die Digitalisierung auskommen wird.” Wichtige Partner sind dabei aber auch die beiden Trierer Hochschulen. Nicht ohne Stolz verweist das Stadtoberhaupt darauf, dass die Hochschule unter der Leitung von Professorin Linda Breitlauch ein ganz besonderes Juwel bereithält: “Wir haben hier an der Hochschule Trier den größten Ausbildungsstandort für Spieleentwicklung in Deutschland”, weiß er. Und auch die Universität sei im Bereich der Digitalität breit aufgestellt. Ein Pfund, das auch den Landräten der Region nicht verborgen geblieben ist: “Alle Landräte werden sich mit ihren Kreisen hier mit einbringen”, sagt der OB.

Stichwort einbringen: Wie sieht die Aufgabe der Wirtschaftsförderung weiter aus? Die soll das Projekt anschieben und in Fahrt bringen: “Das Ziel ist dann die Gründung eines Trägervereins, der sich selbst um den Fortgang der Dinge kümmert”, antwortet Karsten Bujara. Und der OB betont: “Wir wollen einen privaten, keinen kommunalen Hub.”

Bleibt noch die Frage, ob schon jetzt absehbar ist, wohin der Digital Hub in zwei, drei Jahren umsiedeln könnte? Hier scheuen alle Beteiligten die klare Antwort. Auch der Hinweis, die SWT hätten mit ihrem Umzug in einiger Zeit in den Technik- und Energiepark Platz, will nicht verfangen. Nur so viel scheint klar zu sein: die endgültigen Räume sollten dem Charakter des Hubs entsprechen. Eine bauliche Verbindung von Alt und Neu wie eine alte Fabrikhalle wäre nicht schlecht. Und zentral sollte das Gebäude dann auch sein.

Vorschlag des reporters: Die Edeka will ihre Verkaufsräume zwischen Kürenzer und Schöndorfer Straße auf das Gelände des früheren Güterbahnhofs verlegen. Auch wenn das Gebäude noch eine Menge Pflege braucht: Charakter hat es. Und innenstadtnah ist es auch…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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