Wie es mit dem Theaterviertel weitergehen könnte

Mit sorgfältig ausgesuchten Liedern gab der Chor des Humboldt-Gymnasiums Trier unter der Leitung von Silke Spies der Veranstaltung den passenden Rahmen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Wenn alle sich zusammensetzen, gestützt von fachlichem Wissen und frei von Ideologien rein an der Sache orientiert ein Thema diskutieren – ein solches Verfahren müsste doch zum Erfolg verurteilt sein? Das dachten sich die Vereine “Bau-Kultur-Trier” und “Trier-Forum” und hatten ausgangs des vergangenen Jahres alle interessierten Bürger zu Gesprächen und einem Workshop eingeladen, bei dem es nur um ein Thema ging: Die Neugestaltung des Theaterviertels. Ein Thema, für das sich überraschend viele Interessenten fanden. Die Ergebnisse wurden am Mittwochabend im Foyer des Theaters vorgestellt.

Von Rolf Lorig

Eines fiel auf: dem Aufruf zum Workshop war damals eine deutlich größere Zahl gefolgt. Zwar war das Theaterfoyer auch am Mittwoch gut gefüllt. Trotzdem gab es noch etliche freie Plätze. Zudem waren aus dem benachbarten Saarbrücken zwei Gruppen gekommen, die ebenfalls Interesse an der Arbeit des Workshops zeigten…

Dekan Matthias Sieveke von der Hochschule Trier, die als Kooperationspartner mitwirkte, unterstreicht die Bedeutung einer aktiven Mitwirkung bei einem solchen Prozess.

“Können nicht jede Idee 1:1 umsetzen”

Egal. Das Interesse am Theater lebt. Oder um es mit den Worten von Intendant Langner zu sagen: “Das Theater Trier lebt in den Köpfen und Herzen der Menschen dieser Stadt.” Das zeigte das Interesse am Workshop. Es lässt sich aber auch am weiterhin steigenden Kartenverkauf messen. Der ist so angewachsen, dass längst nicht mehr jede Nachfrage befriedigt werden kann.

Eine Entwicklung, die den Stadtvorstand ganz besonders freut. Der war am Mittwoch gleich durch zwei Dezernenten vertreten: Kulturdezernent Thomas Schmitt und Baudezernent Andreas Ludwig waren begierig auf die Ergebnisse des Workshops. Dass der Baudezernent ein Grußwort sprechen sollte, liegt auf der Hand. Ist es doch sein Dezernat, dass nicht nur den Umbau des Kulturtempels sondern auch die Neugestaltung des gesamten Viertels vorantreiben soll. Bei aller Begeisterung über die große Zahl der Mitwirkenden am Workshop war es sicherlich richtig und angebracht, dass der Baudezernent die Erwartungshaltung zunächst etwas dämpfte: “Wir werden nicht jede Idee 1:1 umsetzen können”, sagte Andreas Ludwig, ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass hier sehr wichtige Ideen und Anregungen geboren wurden, von denen man bereits erste Maßnahmen bereits umgesetzt habe. Auch er präsentierte sich als Anhänger des Trierer Theaters: “Wir wollen ihm eine Zukunft geben.”

Was würde das Theater selbst zum geplanten Umbau sagen? Amüsante Gedanken dazu trug der Schauspieler Klaus-Michael Nix vor

“Der Workshop hat einen Dialog in Gang gesetzt”

Gleichermaßen zufrieden mit den Arbeitsergebnissen zeigten sich die beiden ausrichtenden Vereine. Für “Bau-Kultur-Trier” wies Hans-Jürgen Stein darauf hin, dass dieser Workshop einen Dialog in Gang gesetzt hat, der von Ideen gespeist werde, die den demokratischen Idealen entsprächen.

Constanze Küsel, die stellvertretende Vorsitzende des Trier-Forums, lobte die Leistung der Aktiven, die weit über das Maß hinausgegangen seien, das normalerweise für ein Ehrenamt erbracht werde. Angst vor dem Umbau des Theaters selbst müsse man nicht haben, versuchte sie einigen Befürchtungen die Spitze zu nehmen. Denn es gebe eine gute Planung – und die schütze bekanntlich vor unliebsamen Überraschungen.

Die ersten Exemplare der Dokumentation übergeben Hans-Jürgen Stein und Constanze Küsel an die Dezernenten Schmitt und Ludwig. Rechts im Bild ist Alois Peitz.

Partizipation und politische Entwicklung

Einer, der sich mit planerischen Vorhaben bestens auskennt, ist der frühere Diözesanarchitekt und Hochschullehrer Alois Peitz. Ihm oblag es am Mittwoch als erstem Redner, einige der Schlussfolgerungen des Workshops vorzutragen. Doch bevor er die Essenz des Workshops vortrug, ging der Architekt auf die eigentlichen Hintergründe für die Durchführung des Workshops ein. Dabei sei es vor allem um Partizipation und politische Entwicklung gegangen: “So, wie sich Demokratie bei uns entwickelt hat, ist es notwendig geworden, partizipatorisch mitzumachen und einzugreifen.” In den ersten 20 bis 30 Jahren sei es normal gewesen, dass sich vor wichtigen anstehenden Entscheidungen die Parlamente des Wissens der Bürger, der Vereine und Vereinigungen bedienten. “Man wurde als Bürger gefragt, befragt. Vereinsvorstände wurden zu Anhörungen eingeladen. Die Parlamente konnten auf fachlich und sachlich informierte Mitglieder bauen. Das ist heute anders. Die von uns gewählten Parlamentarier handeln und entscheiden heute wesentlich als Parteipolitiker und bedienen sich für die Sachfragen oft fremder Gutachter und Machbarkeit-Erfinder.” Das sei nicht nur aufwendig, sondern auch einseitig, Denn die Gutachter würden nicht mehr die Vielfalt der Bürgermeinung vertreten sondern nur eine – ihre Auffassung. Deshalb könne man nicht oft genug an die Wurzeln der Demokratie erinnern, um sich des Wertes der Errungenschaft und des Risikos ihres schleichenden Verlustes bewusst zu sein, mahnte Peitz. “Engagierte Partizipation ist eine Therapie für unsere Demokratie: Workshops und Bürgerforen sind mehr als Proteste, mehr als dumpfes Bürgerbegehren. In dem man mit einem Ja oder Nein seine Partizipation abgibt. Workshops und Bürgerforen sind nach vereinbarten Spielregeln erarbeiteten Voten zu im Moment anstehenden Fragen in der Gesellschaft. Mit dem Ziel, diese Voten an Politik und Verwaltung weiterzugeben.”

Und dann trug der Redner gemeinsam mit Hans-Jürgen Stein die Essenzen es Workshops vor, die sich unter diesem Link finden. Die komplette Arbeit wurde in einer Dokumentation zusammengefasst, die bei den beiden veranstaltenden Vereinen erworben werden kann. Zu einem späteren Zeitpunkt wird diese aber auch noch online ins Netz gestellt.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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