Wildparken – SPD hakt nach

In Trier parkt jeder so, wie es ihm eben gefällt.

TRIER. Die SPD-Fraktion hat für die kommende Sitzung des Steuerungsausschusses am 8. November eine Anfrage zum Wildparken eingereicht. Damit bekommt das Thema nun auch seine politische Dimension in den Gremien. Die Sozialdemokraten beziehen sich dabei auf die jüngste reporter-Berichterstattung. Von Dezernent Thomas Schmitt (CDU) wollen die Genossen wissen, welche neuen Handlungsempfehlungen, die Schmitt unter der Woche gegenüber dem reporter angekündigt hatte, für den Verkehrsüberwachungsdienst (VÜD) erlassen werden sollen. Auch beim Thema “Poller” hakt die SPD nach. Inzwischen hat Schmitt die VÜD-Vergleichszahlen aus den vier anderen Oberzentren des Landes – Mainz, Koblenz, Ludwigshafen und Kaiserslautern – abgefragt. Auch das hatte der Christdemokrat unter der Woche gegenüber dem reporter angekündigt.

“Immer wieder erreichen uns Beschwerden über den hohen Grad an Wildparkern in Trier”, schreiben Fraktions-Chef Sven Teuber und Rainer Lehnart, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion, in der Anfrage der Sozialdemokraten an Schmitt. Deswegen habe die SPD-Fraktion in den vergangenen acht Jahren “kontinuierlich die Aufstockung des Personals beim VÜD in den städtischen Haushaltsberatungen beantragt”. Die Soll-Stärke von 25 Stellen sei dennoch nie erreicht worden, “da auch der Krankenstand stets hoch war”.


Zum Thema − Die Luft wird dünner


Dadurch werde die gesunde Belegschaft “deutlich belastet”, heißt es in der SPD-Anfrage. Ferner sei in einer so stark frequentierten Stadt wie Trier derart “keine wirksame Kontrolle möglich”. Auch die fehlenden Kontrollen an den Wochenenden und in den späten Abendstunden habe die SPD stets moniert, weil es so “zu Auswüchsen wie zum Beispiel in der Neustraße, aber auch in anderen Zonen der Stadt kommt”.


Die SPD-Fragen an Schmitt

  • Stellen Sie bitte die Kriterien zur Aufstellung der neuen Handlungsempfehlungen zur Kontrolle des ruhenden Verkehrs dar.
  • Aus welchen negativen Erfahrungen der aktuell gültigen Handlungsempfehlungen will man Lehren ziehen, und wie sollen sie verändert werden?
  • Welche Ziele verknüpfen Sie mit den neuen Handlungsempfehlungen, und wie wird die Einhaltung sowie Wirksamkeit im Alltag überprüft?
  • Wann tritt die neue Handlungsempfehlung in Kraft, und wie werden die Mitarbeiter mit ihrer Praxiserfahrung vor Ort dabei eingebunden?
  • Wie sehen Sie die Notwendigkeit zur aus unserer Sicht lange überfälligen Installation von versenkbaren Pollern an neuralgischen Punkten wie dem Domfreihof?
  • Wo sehen Sie die Ursachen für den jahrelangen Verzug, und halten Sie den vom Baudezernenten in Aussicht gestellten Zeitpunkt von frühestens 2019 für ausreichend, um auch Ihre Ziele als Ordnungsdezernent zu erreichen?
  • Erläutern Sie bitte die Parksituation in der Neustraße (oberer Teil) und die Beschwerden/Eingaben zum Wildparken in den vergangenen Monaten.

Inzwischen liegen auch die VÜD-Vergleichszahlen aus Mainz, Koblenz, Ludwigshafen und Kaiserslautern vor. Personell liegt der Trierer VÜD mit 24,5 Stellen im Durchschnitt. Mainz (217.000 Einwohner/44 Stellen) und Ludwigshafen (165.000 Einwohner/29,5) haben mehr Personal, Koblenz (24) kommt auf die gleiche Stärke wie Trier, Kaiserslautern (20,5) hat weniger Stellen. Auffallend aber ist, dass neben Trier nur Kaiserslautern auf ständige Kontrollen an Sonntagen verzichtet. Ferner wird in den anderen vier Oberzentren auch unter der Woche bis 23 Uhr kontrolliert, in Trier nur bis 21 Uhr – mit Ausnahme von Freitag und Samstag.

Die SPD hakt im Steuerungsausschuss zum Wildparken nach. Foto: Rolf Lorig

“An die zeitliche Organisation des Dienstes müssen wir deshalb ran”, betont Schmitt demnach gegenüber dem reporter, “um die Kontrollen auch in den späten Abendstunden und am gesamten Wochenende gewährleisten zu können.”

In den von Schmitt abgefragten Statistiken fehlen zudem wichtige Parameter. So ist nur die Einwohnerzahl der Städte, nicht aber deren Fläche berücksichtigt. In Trier muss der VÜD auf 118 Quadratkilometern präsent sein, was die Arbeit der VÜD-Mitarbeiter erschwert. Bei einer Fahrt von Ruwer bis nach Zewen ist, je nach Verkehrslage, die halbe Schicht verstrichen, ehe die Kontrolleure ihre Arbeit erledigen können. In Mainz sind es eben nur 98 Quadratkilometer, in Ludwigshafen sogar nur 78 Quadratkilometer, in Koblenz 105 Quadratkilometer, die kontrolliert werden müssen. In Koblenz sind außerdem weite Teile der Innenstadt mit Pollerbarrieren abgesperrt. Nur Kaiserslautern ist mit 140 Quadratkilometern größer als Trier. Doch die Barbarossa-Stadt in der Westpfalz ist weder ein klassisches Tourismus- und Einkaufszentrum, noch verfügt sie über ein vergleichbares Umland – wie Trier mit Luxemburg, Frankreich, Belgien und umliegenden Städten wie Bitburg, Wittlich, Konz und auch Schweich.

Wie aus der Hand gefallen: Park-Alltag in Trier.

Ferner fehlt in den Statistiken die konkrete Verkehrsdichte in den einzelnen Städten. In Trier hat der motorisierte Druck in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm stieg alleine die Anzahl der Pkw seit Ende der 1980er Jahre um mehr als 50 Prozent an − von 41.397 auf 63.387 Autos. Ähnlich dürfte es im Landkreis Bernkastel-Wittlich aussehen, obwohl hier keine Vergleichszahlen zu den 1980er Jahren vorliegen. Ende August waren im Landkreis Bernkastel-Wittlich 72.958 Pkw gemeldet. Auch in Trier und Trier-Saarburg ist eine rapide Zunahme der Pkw-Anzahl zu verzeichnen. Ende der 1980er Jahre waren hier 95.602 Autos zugelassen (Trier: 38.465; Landkreis: 57.137). Aktuell liegt die Anzahl der zugelassenen Pkw bei 146.303 (Trier und Trier-Saarburg). Hinzu kommen die gestiegenen Pkw-Zahlen in Luxemburg, in Belgien, in Frankreich und auch dem Saarland – von wo immer mehr Besucher nach Trier strömen.

Wie hoch das tägliche Verkehrsaufkommen in der Stadt tatsächlich ist, dazu gibt es vom Amt für Statistik und Stadtplanung keine verfügbaren Zahlen. Vom Arbeitsmarkt bis hin zum Wohnungsbau sind die Fakten beim städtischen Internetauftritt abrufbar – zum Verkehr hingegen nicht. Ohnehin enden die meisten Rathaus-Statistiken mit dem Jahr 2015. Aktuelle Zahlen liegen, zumindest für den gemeinen Nutzer, nicht vor.

“Wir müssen da sicher nacharbeiten”, räumt Schmitt gegenüber dem reporter ein. “Die reinen VÜD-Zahlen reichen natürlich nicht aus, wenn wir an die Umstrukturierung des Dienstes gehen wollen.” Zu denen vom ihm angekündigten “neuen Handlungsempfehlungen” sagt der Dezernent: “Das bedeutet zunächst einmal, dass wir künftig nach Gesetz und Rechtslage verfahren.” Heißt konkret: Der VÜD wird nicht mehr, wie in den vergangenen Jahrzehnten häufig praktiziert, gegenüber Wildparkern beide Augen zudrücken. Das wird der Christdemokrat in der Sitzung des Steuerungsausschusses auch auf die SPD-Anfrage erklären. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik 4 Kommentare

4 Kommentare zu Wildparken – SPD hakt nach

  1. Max

    Ist es nicht so, jedes mal wenn über das Thema in den Medien berichtet wurde, wurden diese Töne angeschlagen die aber auch genauso schnell wieder verhallten. Machen wir es einfach, wir treffen uns in 1 Jahr hier wieder und werden alle das selbe sagen können, es hat sich nichts geändert und es wird sich nichts ändern.

     
  2. Brigitte Biertz

    WILDPARKEN hat in Trier eine lange Tradition – mindestens ebenso lang, wie es versäumt wurde, mit gesicherten Parkplätzen außerhalb der Innenstadt und kurz getackteten kostenlosen Shuttle-Bussen Alternativen einzuleiten, die längst schon zur Gewohnheit geworden wären – also seit etwa 25 Jahren.

    Stärkere Verkehrsdichte, eingeschränkte Parkhöchstdauer ( von 2h auf 1/2h) in wichtigen Handwerks- und Handelsstraßen ( wie Karl-Marx-, Brückenstr.)und auf öffentlichen Plätzen ( 2 statt 4h Augustinerhof), mit abstrusen Bedingungen wie reine Münzgeld-Annahme ohne Wechselgeldrückgabe für 1/2h 80 Cents !), alte Parkhäuser mit kleinen Parkbuchten, ungeeignet für die mittlerweile teils großen Limousinen, etc etc führten über die letzten NEUN JAHRE trotz vielfacher Petitionen, mehreren TV Berichten und einigen Änderungs-Eingaben im Karl Marx Viertel an den Rat (14 T. bereits nach der 1.Umstellung) nicht nur zu erhöhten Firmenschließungen und Leerständen – was unverständlicherweise all die Jahre keinerlei Beachtung im Stadtrat fand! – man wollte am einmal gefassten Konzept partout festhalten, um “nicht an einer Stelle das Gesamtkonzept aufzubröseln..” ( Originalzitat)- ohne die direkt davon Betroffenen anzuhören, geschweige denn sie mit einzubinden!

    So trägt der Rat ( + intregr. Verbände – die allesamt nicht selbst davon betroffenen waren) die Verantwortung dafür, dass bei auswärtigen Besuchern und auch Trierern selbst ihre damalige Entscheidung zu einem Trotzverhalten führte, was sich im Wildparken auf unterschiedlichste Weise manifestiert:

    1. Viele Parksuchende sind nicht einmal mehr bereit, ein Parkticket zu ziehen, egal, wie lange sie bleiben – kein Kleingeld, Widerstand gegen Parkbedingungen, “normales Egoverhalten” etc.
    2. Dramatisch: die regelmäßigen abendlichen, nächtlichen Fassaden- und Einfahrtslangparker, die in Restaurants nahebei essen und Passanten mit und ohne Rollstuhl auf die stark befahrene Fahrbahn zwingen.
    3. Tagsüber nimmt sich ebenfalls jeder Fassadenparker dieselben “Rechte” der “nur kurz etwas erledigen” heraus und behindert Lastenanfahrten der Paketdienste oder auch Anwohner.
    4. Bei den Shisha-Bar-Anhängern kommt es seit ca 2 Jahren sogar zu einer Art übermütigen Wettbewerb – wer schafft die längste Parkdauer ohne Knöllchen?
    5. Die hochgelobte Willkommenskultur wird mit dererlei Grundvoraussetzung beim Ankommen der Gäste nicht gefördert, sondern ins Gegenteil verkehrt – von der Kundschaft hören wir nach 9 Jahren immer noch täglich ausgedrückten massiven Ärger über hiesige Parkverhältnisse – bzw auch über den schlechten Automaten-Scherz ” Wollen Sie länger parken? Ja dann fahren Sie erst einmal 3km im Kreis und suchen Sie das Parkhaus X …). Darüber lacht wirklich niemand mehr.
    Das schreckt ab, das verärgert, das ist nicht zielfördernd im Bemühen um die Attraktivitätssteigerung einer bedeutenden Stadt wie Trier!

    Grundvoraussetzungen wie Parkflächen außerhalb schaffen, kostenlose Anfahrten über Shuttle-Elektro-Busse in diverse innere Zonen, 1h Parken + 10 min GRATIS-Taste für Handel-, Handwerksstraßen mit notwendiger Fachberatung vor Ort = stärkere Unterstützung des Gewerbes vor Ort, solange es noch da ist!, stärkere Kontrollen in den Abendstunden für Fassaden- ,Wildparker, Einrichtung verlängerter Shared-Space-Zonen mit deutlich gekennzeichneter Fahrbahnangleichung, Poller, bei denen die Zufahrt für Lieferspeditionen und Anwohner ungehindert ist, Licht! in dunklen Straßenecken zur Förderung der Sicherheit und der Abschreckung von möglichen Einbruchs-Delikten,…etc – das sind nötigen Maßnahmen, die deutliche Veränderungen mit sich bringen.

    Die Erwartung aber, dass jede Aktivität erst einmal jahrelang von den Betroffenen selbst kommen muss – statt bereits deutlich Sichtbares von Verwaltungsseite vernünftig und rechtzeitig mit den Anliegern/ Gewerbe vor Ort IM KONSENS anzugehen, das alles führt zu dem jetzt erkennbaren Verhalten: Mutlosigkeit, Trotz, Widerstand sind die Folgen.
    Und das spiegelt sich auch bei den Trier-Besuchern wieder.

    So wird die jetzige Rathaus-Renovierung – die nicht zuerst an der völlig heruntergekommenen Rückseite (schlimme Putzausbrücke, desolate Altanstriche etc in der Karl-Marx-Str) angegangen wurde, sondern an dem relativ guten Front- und Seitenbereich der eigenen Parkplätze zum symbolischen Musterbeispiel des seit Jahrzehnten vorherrschenden Geschehens: erst die Verwaltung, dann evt. – nach jahrelangen Verhandlungen – der Bürger, der die bezahlt….ein Geschäckle, oder?

     
  3. Sascha

    Am heutigen verkaufsoffenen Sonntag konnte man gut sehen, wie sich die zukünftige “Neuausrichtung” des VÜD ändern wird – nämlich gar nicht.
    Der komplette Bürgersteig in der Wechselstraße war zugeparkt, der Busparkplatz in der Weberbach ebenso, wie auch viele andere Stellen. Knöllchen? Fehlanzeige. Nach Abschleppen frage ich besser gar nicht mehr.
    Aber, um den VÜD nicht ganz in schlechtem Licht stehen zu lassen: Es wurde kontrolliert, nämlich auf abgelaufene Parktickets auf bewirtschafteten Flächen.

     
  4. Otto

    Also ich habe am verkaufsoffenen Sonntag ein Knöllchen bekommen, also waren die Mitarbeiter doch im Dienst. Ebenso habe ich gesehen wie Autos abgeschleppt wurden. Und dass man am Sonntag kein Parkticket ziehen muss, wissen die bestimmt.
    Man kann es auch übertreiben mit der Schelte.

     

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