‟Wir arbeiten, wo Andere ihre Freizeit verbringen‟

Für viele Trierer im Sommer der liebste Ort: Das Nordbad

Für viele Trierer im Sommer der liebste Ort: Das Nordbad

TRIER. Seit 60 Jahren gibt es das Freibad Trier-Nord. An Spitzentagen suchen hier zwischen 2500 und 3000 Menschen Abkühlung und Erholung. Mit dem Einsatz von moderner Technik hat die Stadt als Eigentümerin das Bad in den letzten Jahren auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Also alles bestens? Der reporter war vor Ort und hat sich mit Betriebsleiter Thomas Schmitt und Matthias Ulbrich vom Amt für Schulen und Sport über das Freibad Trier-Nord unterhalten.

Von Rolf Lorig

Wettkampf- und Leistungsschwimmer lieben die 50-Meterbahnen des Nordbades. Nicht zuletzt deswegen trainieren neben den Schulen auch über 90 Prozent aller Trierer Schwimmsportvereine im Bad an der Mosel. Doch wenn es um die Vorzüge geht, fallen Betriebsleiter Thomas Schmitt noch zahlreiche weitere Argumente ein: ‟Die während der gesamten Saison garantierte Wassertemperatur in Höhe von 24 Grad Celsius, die kurzen Wege aus der Umkleide und den Duschen ins Becken, die LED-Flutlichtanlage während der dunklen Tage, die abgetrennten Sportschwimmerbahnen – das alles sind Alleinstellungsmerkmale des Nordbades.‟

Mit Sicherheit würden dem jungen Betriebsleiter noch viele weitere Argumente einfallen. Doch wir wollen zunächst einmal wissen: ‟Wie war bisher die Freibadsaison 2016?” Da muss Thomas Schmitt nicht lange überlegen: ‟Aufgrund des unbeständigen Wetters recht wechselhaft. Der Anfang war nicht ganz so positiv, wie wir gehofft haben. Doch unsere Veranstaltungen anlässlich der 60-Jahr Feier haben zusätzliche Menschen ins Bad gelockt.” Der Tag der offenen Tür, die Poolparty oder das Peter-und-Paul Schwimmen sind nur einige Beispiele für diese Sonderveranstaltungen. Am 10. September wird es eine weitere geben: Das 12-Stunden Schwimmen. Eine Benefiz-Veranstaltung, deren Erlös an Ärzte ohne Grenzen gehen wird.

Es ist noch relativ früh am Tag, gerade 10 Uhr. Trotzdem sind schon viele Schwimmer im Becken. ‟Wir haben Glück mit der letzten Ferienwoche, das gute Wetter wird uns nochmals einen Schwung Besucher bescheren‟, meint Schmitt. Matthias Ulbrich nickt versonnen. Er denkt an Tage wie den 19. August 2012. Eine brütende Sommerhitze über dem Stadtgebiet hatte die Menschen in Scharen in die beiden Trierer Freibäder getrieben, den Einrichtungen so nach einem ebenso durchwachsenen Jahr wie 2016 für einen Tag lang Rekordbesuche beschert: ‟An diesem Tag kamen damals 6721 Menschen alleine ins Südbad.”

Thomas Schmitt (links) und Matthias Ulbrich stehen dem reporter Rede und Antwort

Thomas Schmitt (links) und Matthias Ulbrich stehen dem reporter Rede und Antwort

Stichwort Südbad. Was unterscheidet die beiden Bäder, wenn man mal die Größe des Südbades außen vor lässt? Ulbrich lächelt. “Das Nordbad ist das Bad, das am längsten geöffnet hat. Sowohl am Tag wie auch in der Saison. Hier haben wir jährlich zwischen 60.000 und 65.000 Besucher, im Südbad schwankt das zwischen 50.000 und 100.000 Badegästen. Es ist die garantierte Wassertemperatur in Höhe von 24 Grad Celsius, die die Gleichmäßigkeit im Nordbad ausmacht. Dass die gehalten wird, dafür sorgt im Nordbad ein Blockheizkraftwerk und eine Solar-Absorberanlage auf dem Dach des Funktionsgebäudes. Das Südbad setzt auf gutes Wetter, wird deshalb zu Beginn der Saison später geöffnet und hat auch flexible Öffnungszeiten. An heißen Tagen öffnen wir auch dort früher, an regnerischen und kalten Tagen, die keine Besucher bringen, kann das Bad auch schon mal geschlossen bleiben.”

Fünf fest angestellte Fachkräfte

Die Personaldecke ist in beiden Schwimmbädern nicht gerade üppig. Waren es in 2015 noch vier fest angestellte Fachkräfte, so sind es jetzt fünf. Dazu kommt im Rahmen einer Dienstleistung eine weitere Fachkraft der Stadtwerke, die den Zweischicht-Betrieb im Nordbad sicherstellt. Damit alleine könnte man aber noch keinen sicheren Badebetrieb garantieren. Deshalb gibt es noch eine Reihe von Rettungsschwimmern, die von der Stadt jeweils für die Saison Zeitverträge erhalten. ‟Die müssen einen aktuellen Rettungsschein in Silber und eine Erste-Hilfe Ausbildung nachweisen‟, sagt Thomas Schmitt. Was er noch erwartet: ‟Hintergrundwissen und viel soziale Kompetenz.”

Nicht ohne Stolz weisen Matthias Ulbrich und Thomas Schmitt darauf hin, dass in den Freibädern auch ausgebildet wird. ‟Wir bilden drei Fachangestellte für Bäderbetriebe aus, die gerade im dritten Ausbildungsjahr sind‟, berichtet Ulbrich. Werden neue eingestellt? Interesse und Bedarf bestehen, sagen die beiden Männer. Doch nicht jeden Tag würde ein Bewerber anklopfen. ‟Das Problem ist, dass die Öffentlichkeit eigentlich nichts über unser Berufsbild weiß”, sagt Schmitt, der Meister für Bäderbetriebe ist und zudem auch noch ein Studium mit der Qualifikation eines Wellness- und Spa-Managers absolviert hat. ‟Viele Menschen glauben, dass man nur Rettungsschwimmer sein muss, um diesen Beruf ausüben zu können. Doch dem sei bei weitem nicht so. ‟Die Anforderungen beginnen mit dem Schulabschluss. Der sollte zumindest die mittlere Reife nachweisen.”

Und weshalb diese Anforderung? ‟Es ist vor allem die Chemie, die man in diesem Beruf beherrschen muss‟, stellt Matthias Ulbrich klar. ‟Jedes Schwimmbad braucht eine Chlorgas-Anlage. Und Chlorgas ist ein Gefahrenstoff. Um den zu verstehen und sach- und fachgemäß einsetzen zu können, muss man die Chemie beherrschen.”

“Dieser Beruf beinhaltet etliche andere Berufe.”

Daneben sei noch ein großes handwerkliches und technisches Geschick von Nöten, sagt Schmitt. Und ganz wichtig für ihn: ‟Man muss gut mit Menschen können, muss zuhören können und Konflikte lösen. Dazu sollte man extrem sportlich und fit sein und auch schon mal an der Kasse sitzen können.” Für Thomas Schmitt ist klar: ‟Dieser Beruf beinhaltet etliche andere Berufe.”

Und wie sieht es mit der Bezahlung aus? Man könne gut davon leben, meint Schmitt. Ulbrich weiß, dass die Nachbarschaft zu Luxemburg auch für diesen Beruf für die Arbeitgeber in der Region gefährlich ist: ‟Auch in diesem Beruf bekommt man im Nachbarland mehr Geld.”  Thomas Schmitt bestätigt das, war er selbst etwa dreieinhalb Jahre lang als Pendler tätig. ‟Aber irgendwann kommst du an den Punkt an dem du dich fragst, ob diese ganze verlorene Fahrzeit das alles wert ist.” Er sieht das Problem des fehlenden Nachwuchses in einer anderen Ecke: ‟Viele junge Leute sind erst gar nicht bereit, später mal im Zweischichtbetrieb zu arbeiten. Oder, schlimmer noch: Wir arbeiten, wo Andere ihre Freizeit verbringen. Soll heißen, dass wir besonders im Sommer gefordert sind, während Freunde den Urlaub irgendwo im Süden verbringen.” Er sieht direkte Parallelen zur Situation in der Gastronomie. Auch dort gelte der Satz: ‟Das kann für Einige eine Qual sein, für Andere aber ein großes Geschenk.”

Das Hinweisschild an der Zurmaiener Straße

Das Hinweisschild an der Zurmaiener Straße

Wer von der ersten Etage des Eingangsgebäudes, auf der sich eine Kiosk-Gastronomie befindet, den Blick über das Bad schweifen lässt, sieht eine Anlage, die tiptop in Ordnung scheint. Doch der Blick trügt. Ein dem reporter vorliegender Bericht des Amtes für Schulen und Sport weist aus, dass ‟die Gesamtanlage einschließlich der Gebäude, der technischen Anlagen, des Mehrzweckbeckens, des Kinderplanschbeckens sowie der Rutschbahn, trotz kontinuierlicher und professioneller Pflege und Unterhaltung, veraltet sind und nicht mehr den heutigen Anforderungen eines modernen Freizeitbades genügen.” Mittelfristig müsse die gesamte Anlage in den nächsten drei bis fünf Jahren zwingend erneuert bzw. saniert werden. Weshalb im nächsten Etat die erforderlichen Mittel eingestellt werden sollten.

Doch noch ist es nicht so weit, noch können die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen den Badespaß hier unbeschwert genießen – in einer Atmosphäre wie vor 60 Jahren. Und auch das ist ein Alleinstellungsmerkmal des Nordbades…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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