Wo Kirche sich verwickeln lässt

Auf dem Studientag: Prof. Hans Joachim Sander, Christian Otterbach, Bischof Dr. Stephan Ackermann und Prof. Manuela Kalsky (v.l.n.r.).

Auf dem Studientag: Prof. Hans Joachim Sander, Christian Otterbach, Bischof Dr. Stephan Ackermann und Prof. Manuela Kalsky (v.l.n.r.).

TRIER. “Wo Kirche sich verwickeln lässt” war ein Studientag zur Trierer Bistumssynode am 24. Januar überschrieben. Mehr als achtzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter viele Mitglieder der Synode, waren dazu an der Trierer Universität zusammengekommen. Es ging ihnen um Maßstäbe und Kriterien: Woran erkennt das Bistum, ob Gott seinen Willen in dem einen oder anderen Phänomen der Zeit zeigen will?

Die evangelische Theologin Prof. Manuela Kalsky, die an einer katholischem Forschungseinrichtung in Amsterdam arbeitet, hat ein Kriterium formuliert: Sie schlägt vor, das von Gott geschenkte Heil für alle Menschen überall zu finden – auch außerhalb der Kirche, auf den Marktplätzen und wo Menschen in der Gesellschaft sonst zusammentreffen. Kalsky stellte dazu ihr Projekt “Ein neues Wir” vor. In den Niederlanden soll es neue Gemeinsamkeiten anbahnen – in einer Gesellschaft aus vielen Nationalitäten, Religionen und nicht mehr religiös fühlenden Menschen. Wichtigste Voraussetzung dabei: dass Menschen und Gruppen die jeweils anderen respektieren und ihnen zuhören. Angesichts der Tatsache, dass nur noch wenige Niederländer sich zu Kirche und Religion bekennen, stellt Kalsky auch an das Bistum Trier die Frage: Haben eigentlich die Menschen die Kirche verlassen – oder hatte zuerst die Kirche sich von den Menschen und ihren Lebenswirklichkeiten abgewendet?

Mit Beispielen aus dem Bistum Trier kamen vielfältige Lebenssituationen vor Ort in den Blick: Von “Andernach als essbare Stadt” wurde berichtet. Eine alleinerziehende Mutter mit Hartz IV kam zu Wort, ebenso wie eine Mitarbeiterin der Trierer Tafel. Junge Menschen, die sich lieber nicht partnerschaftlich binden wollen, sprachen. Ein Flüchtling, der zum Interview über seine Geschichte verabredet war, teilte in einer SMS-Nachricht mit, dass ihn alles zu sehr belastet. Eine offen lesbisch lebende Theologin forderte Akzeptanz für ihre Lebensform.

“Ein Ergebnis der Synode des Bistums wird sein, dass die Gesamtkirche ein Konzil braucht – einfach weil sich Fragen ergeben, die ein Bistum übersteigen.” Mit dieser These machte Prof. Hans Joachim Sander aus Salzburg klar, worauf das Bistum und Bischof Stephan Ackermann sich einlassen, wenn sie nach den Zeichen der Zeit fragen und versuchen, die Zukunft des Bistums Trier neu zu beschreiben. In der Schlussrunde unterstrich Ackermann, dass Bistum und Synode “Interventionen von außen” brauchen, um bei der Frage nach den Zeichen der Zeit weiterzukommen. Die Frage sei schon berechtigt, ob zur Zeit nicht noch zu innerkirchlich geredet werde – jedenfalls habe die Frage nach den Zeichen der Zeit den Blick der Synode für die Wirklichkeit geschärft, in der die Kirche nun mal zu leben habe. Der Bischof war aber sicher, dass “das Gemeinsame” neu formuliert werden kann. “Und vergessen Sie nicht, auch die Punkte zu benennen, wo es keine Einigung gab – damit bleibt das Bistum offen für die Zukunft und Gottes Willen”, ermunterte Prof. Sander zum Schluss. Wirklich gute Einheit, fügte Prof. Kalsky hinzu, gebe es nur in Freiheit, die auch Unterschiede und Vielfalt der Menschen zulässt. Weitere Informationen zur Bistumssynode gibt es im Internet unter: www.synode.bistum-trier.de. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen Hinterlasse einen Kommentar

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