Wo Kunst und Handwerk Hand in Hand gehen

Zusammen mit Politik- und Kammerrepräsentanten präsentieren sich die Preisträger den Fotografen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Großer Bahnhof im Stadtmuseum Simeonstift: Am Freitagabend wurden hier unter starker Beteiligung der Öffentlichkeit der Staatspreis und der Förderpreis für das Kunsthandwerk Rheinland-Pfalz 2019 sowie der Preis des Handwerks 2019 verliehen. Diese Veranstaltung findet alle drei Jahre statt, kommt wegen der vier Standorte der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz aber nur alle zwölf Jahre nach Trier.

Das Land Rheinland-Pfalz hat zum 20. Mal gemeinsam mit den Handwerkskammern des Landes den Staatspreis ausgelobt. Die Förderpreise werden bereits seit 1960 und der Preis des Handwerks seit 1998 überreicht. In dem Wettbewerb werden alle drei Jahre zukunftsweisende Ideen und überdurchschnittliche Arbeiten prämiert. Für dieses Jahr wurden 87 Bewerbungen aus den Bereichen Fotografie, Keramik, Stein, Holz, Metall, Textil, Leder, Schmuck, Gerät, Glas und Edelstein eingereicht.

Das Ergebnis des diesjährigen Wettbewerbs erlebten die Besucher der Preisverleihung direkt mit. Insgesamt elf Preisträgerinnen und Preisträgern ist es gelungen, in einem zweistufigen anonymisierten Verfahren die fünfköpfige Jury, berufen vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz, von der herausragenden Qualität ihrer Arbeiten zu überzeugen. Innovative Techniken, brillanter Umgang mit Material, außergewöhnliche Gestaltung und perfekte handwerkliche Ausführung begründen jeweils den Wettbewerbserfolg. Staatssekretärin Daniela Schmitt verlieh in Anwesenheit von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Handwerkskammerpräsident Rudi Müller die wichtigsten Auszeichnungen des Landes für den Bereich Kunsthandwerk. “Das Handwerk macht unseren Alltag in vielfacher Hinsicht leichter und besser. Hier und heute geht es zudem um Handwerk, welches das Leben verschönert und sogar beflügelt. Es braucht herausragende Kenntnisse und Fähigkeiten, um für den Staats- und Förderpreis für das Kunsthandwerk ausgewählt zu werden. Und unsere Wirtschaft braucht diese Innovation, die aus dem kreativen Arbeiten erwächst“, sagte die Wirtschaftsstaatssekretärin.

Drei mit 5.000 Euro dotierte Staatspreise

Mit dem Staatspreis für das Kunsthandwerk ist eine Geldzuwendung des Landes Rheinland-Pfalz von insgesamt 15.000 Euro verbunden. In diesem Jahr wurden drei Staatspreise vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz vergeben, dotiert mit jeweils 5.000 Euro. Ein Staatspreis ging zusammen mit 5000 Euro Preisgeld an die Korbmachermeisterin und Flechtwerkgestalterin Monika Nickel-Stein aus Kindenheim (Landkreis Bad Dürkheim) für ihre aus Weide geflochtenen Objekte. Auch der Keramiker Ricus Sebes aus St. Goar (Rhein-Hunsrück-Kreis) überzeugte mit Gefäßen aus Porzellan.Den dritten Preis nahm die staatlich geprüfte Bekleidungstechnikerin und Designerin Stefanie Wiebelhaus aus Deidesheim (Landkreis Bad Dürkheim) für ihre Modekollektion “Wechselspiele“ entgegen.

Die Ausstellung bietet einen spannenden Einblick in die künstlerische Vielfalt der unterschiedlichsten handwerklichen Berufe.

Förderpreis für das Kunsthandwerk

Den Förderpreis für das Kunsthandwerk, ausgelobt von den Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz und dotiert mit je 1.000 Euro, erhielten drei Handwerker, die das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Einen Förderpreis ging an Lisa Maria Durchholz aus Trier. Sie ist Maßschneiderin und Modedesignerin (B.A.). Zurzeit absolviert sie das Masterstudium in Modedesign an der Hochschule Trier. Ausgezeichnet wurde sie für diverse Bekleidungsstücke aus Kaschmir und Seide. Die Jury zeigte sich begeistert: “Die Masterarbeit-Kollektion »Broken« der Designerin Lisa Maria Durchholz ist inspiriert von der japanischen Kunst, zerbrochenes Porzellan neu zusammenzusetzen. Es ist ein Spiel mit bekannten Formen, dabei entstehen auch vollkommen neue Zusammenhänge und Möglichkeiten. Drapierungen, experimentelle, dreidimensionale und dynamische Schnitte, die hochwertigen Materialien und der Fokus auf Tragbarkeit und Funktion beeindrucken in ihrem Ideenreichtum.“
Den zweiten Förderpreis erhielt Natascha Frechen, Goldschmiedin aus Windesheim, die sich zurzeit auf ihren Bachelor of Fine Arts an der Hochschule Trier am Standort Idar-Oberstein vorbereitet. Prämiert wurde eine Brosche aus Achat und Weißgold sowie Objekte aus Achat, Olivenholz, Palisander, Holz und Fundstück. Aussagekräftig ein Auszug aus der Begründung der Jury: “Man mag sie kaum anfassen, diese winzigen, zarten Objekte und Schmuckstücke von Natascha Frechen. Perfekt gefertigt, sind sie so aufreizend zierlich, dass einem die eigenen Hände wie grobe Werkzeuge erscheinen, sollte man es wagen, sie in die Hand zu nehmen. Der Umgang mit den Materialen Holz und Edelstein ist im wahrsten Sinne des Wortes zur Spitze getrieben, sodass sie ihren wahren Charakter nahezu verleugnen.“
Der dritte Förderpreis ging an den Tischler Andreas Kosok aus Konz-Krettnach für sein Hexagon Sideboard aus Corian und Räuchereiche. Auch hier lohnt der Blick in die Begründung der Jury: “Federleicht wirkt dieses Möbel auf den ersten Blick. Grazil wirkt es durch die gute Linienführung des hochpräzis gearbeiteten Gestells. Die überaus fantasievolle wie geschickte Neudefinition eines Rollladens ist wirklich preiswürdig. Ein hohes handwerkliches Niveau, verbunden mit spielerischen Leichtigkeit, zeichnen diese Arbeit aus.“

Fünfmal der Preis des Handwerks Rheinland-Pfalz

Mit dem Preis des Handwerks Rheinland-Pfalz ist eine Geldzuwendung der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz von insgesamt 5.000 Euro verbunden. Diesen Preis mit jeweils 1000 Euro teilen sich in diesem Jahr fünf Handwerker: Philipp Gröninger, Gold- und Silberschmiedemeister aus Bendorf-Sayn (Landkreis Mayen-Koblenz). Ebenfalls ausgezeichnet wurde Fotografenmeisterin Roswitha Kaster aus Riol (Landkreis Trier-Saarburg) für sieben Porträtaufnahmen. Die Jury dazu: “Das ganz Eigene, das in dieser traditionellen Verankerung frei wird, ist dem Kontext des Handwerks auf besondere Art verpflichtet. Den Portraits ist nämlich gemeinsam, dass sie die Person, der sie von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten, mit Hand und Werkzeug darstellen. Damit bestätigen sie, was Handwerk im Kern ist: Hand und Kopf – eine Einheit. Und sie bestätigen, woraus Handwerk seine Würde und Gültigkeit bezieht: seinem tätigen Verhältnis zu Welt.“
Einen weiteren Preis erhielt der Edelsteinschleifermeister und Gemmologe aus Otterberg (Landkreis Kaiserslautern), Frank Schumacher, für besondere Edelsteinschliffe in Bergkristall und Amethyst. Ebenfalls freuen konnte sich die Tischlerei Sommer aus Breitscheid, Inhaber Tischlermeister Gregor Sommer. Ausgezeichnet wurde das Exponat »Schrank.Büro« Home Office aus Kernesche massiv mit Riegel. Und der Fünfte im Bunde war der Schmuckdesigner Eduardo Tarin aus Idar-Oberstein (Landkreis Borkenfeld), dessen innovative Bearbeitung von gelbem Jaspis, Achat und Labradoritdie ihr gebührende Beachtung fand.

Die Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift präsentiert bis zum 21. April insgesamt 145 Exponate. Sie bietet den Besuchern einen Überblick über das aktuelle Geschehen im gestaltenden Handwerk in Rheinland-Pfalz. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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