Wo Menschen mit Behinderungen redaktionell arbeiten

Sie sind derzeit die Speerspitze des Inklusiven Medienteams: Rebekka Auer, Katrin Meyer, Patrick Loppnow und Michael Scheiwen. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Dank des Engagements der Lebenshilfe Trier ist das mediale Angebot in dieser Stadt noch breiter geworden. Seit den “Special Olympics” im Jahr 2017 ist bei etlichen Veranstaltungen das inklusive Medienteam mit am Start. Dahinter stehen Patrick Loppnow, der für Redaktion und Moderation verantwortlich zeichnet, sowie Michael Scheiwen, der als Fotograf den richtigen Moment gekonnt einfängt. Das Team soll schon bald durch das “Inklusive Medienprojekt” Zuwachs erfahren. Was hinter dieser Idee steckt, stellten Katrin Meyer und Rebekka Auer von der Lebenshilfe Trier am Mittwoch in einer Pressekonferenz vor.

Von Rolf Lorig

Am Ende seiner Amtszeit in Trier sieht sich Lebenshilfe-Vorstand Wolfgang Enderle einer Reihe von angenehmen Terminen gegenüber: Vorstellung der neuen Kita auf dem Petrisberg, Vorstellung von Wohngruppen im neuen IFA-Haus in der Paulinstraße, Vorstellung der Pläne zur Verstärkung des inklusiven Medien-Teams: “Vielleicht sollte man viel öfter seinen Abschied feiern”, meinte er schmunzelnd mit einem Augenzwinkern.

Potenziale entdecken und Fähigkeiten sichtbar machen

In der Tat läuft es derzeit gut für die Lebenshilfe Trier, die nach den Worten Enderles auf vier Säulen ruht: “Die Lebenshilfe ist erstens eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen, zweitens ein Eltern-Selbsthilfeverband, drittens ein Fachverband, der die hier geleistete Arbeit reflektiert und zu verbessern sucht und viertens ein Selbsthilfeverband für Menschen mit Behinderungen.” An diesem vierten Punkt setzt demzufolge nun die Arbeit des Inklusiven Medienprojektes ein. “Wir wollen Menschen, egal mit welcher Beeinträchtigung, ermöglichen, ihre Potenziale im Bereich der Medienarbeit zu entdecken und ihre Fähigkeiten in der Öffentlichkeit, durch aktive Teilhabe an der Berichterstattung, sichtbar zu machen.”

Dass dies eine durchaus realistische Überlegung ist, haben Patrick Loppnow und Michael Scheiwen in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt. Sei es bei der Berichterstattung über die “Special Olympics” oder aber auch zuletzt mit einem Video, in dem sie das Wahlbüro in der Europahalle besuchten und über das Wahlgeschehen berichteten. Ein wirklich sehenswertes Video, das die Stadt Trier nicht zuletzt wegen seiner einfachen und klaren Sprache prompt auf ihrer Homepage eingestellt hat und das auch über diesen Link hier aufgerufen werden kann.

Doch reichen eine Kamera oder ein Block und ein Stift aus, um journalistisch arbeiten zu können? Katrin Meyer, die bei der Lebenshilfe für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet und damit auch ihre schützende Hand über die Arbeit des Inklusiven Medienteams hält, ist realistisch und verneint. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Rebekka Auer hat sie deshalb ein Schulungsprogramm entwickelt, das einen mehrtägigen Schreibkurs unter der Anleitung einer Psychologin und Ausdruckstherapeutin sowie mehrere Foto- und Video-Seminare mit Trierer Fotografen sowie dem Offenen Kanal “OK 54” umfasst. Doch so ganz zufrieden ist Katrin Meyer noch nicht: “Was derzeit noch fehlt, ist eine Möglichkeit für einen Radio-Workshop. Aber daran arbeiten wir noch.”

Nur das Interesse an den Themen zählt

Für Rebekka Auer gibt es bei den Workshops keine Zugangsbeschränkungen: “Alle können hier mitmachen, egal mit welcher Beeinträchtigung diese Menschen leben. Das Interesse an Themen ist das Einzige, das zählt.”

Einen ersten Kooperationspartner neben dem Offenen Kanal OK54 hat das Projekt auch schon gefunden: die Trierer Rathaus-Zeitung. Eine Tatsache, über die sich die beiden Frauen besonders freuen, versprechen sie sich doch vom Austausch ihres Teams mit den Profis im redaktionellen Alltag viele fruchtbare Impulse für die kommende Arbeit.

Die Kosten für dieses Projekt werden im Augenblick in einer eher niedrigen Größenordnung teilweise von der “Aktion Mensch” übernommen. Sollte das Vorhaben klappen und sich ein entsprechend großer Kreis an Teilnehmern finden, könnte das Projekt im kommenden Jahr innerhalb einer auf vier Jahre angelegten Maßnahme dann auch mit deutlich höheren Fördergeldern rechnen.

Für Patrick Loppnow und Michael Scheiwen ginge damit ein Wunsch in Erfüllung. Denn derzeit arbeiten die beiden Männer bei der Lebenshilfe noch in der Elektrowerkstatt (Loppnow) und in der Raumpflege (Scheiwen). Im Moment werden sie für die Dauer von Medienarbeiten vorübergehend von ihrer normalen Arbeit freigestellt. “Wenn wir aber im kommenden Jahr so richtig loslegen, dürfen wir auch in einem Büro arbeiten”, freut sich Patrick Loppnow bereits auf das, was da kommt. Eine Freude, die Michael Scheiwen teilt: “Fotografieren war schon immer mein Hobby; ich mache auch immer dann die offiziellen Fotos, wenn es bei der Lebenshilfe einen Anlass gibt.” Und sagt nach einer kurzen Pause drchaus selbstbewusst: “Bisher war man mit meinen Fotografien immer sehr zufrieden.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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