Wohlfühlen ja, aber kein Ausruhen in der Komfortzone

Neben einer Fülle an Neuinszenierungen wird es auch ein Wiedersehen mit Publikumslieblingen der noch laufenden Spielzeit geben, so wie hier mit “Zorbas”. Foto: Mario Piecuch

TRIER. Intendant Manfred Langner hat allen Grund zur Zufriedenheit. Das Trierer Publikum hat das “sein” Trierer Theater wieder fest ins Herz geschlossen. Die verschiedenen Konzerte und Vorstellungen sind nahezu ausverkauft und auch der Abo-Verkauf bewegt sich wieder in Höhen, die selbst das Herz des Kaufmännischen Leiters jubeln lassen. In einer Pressekonferenz stellte der Intendant am Freitag gemeinsam mit seinem Leitungsteam das Programm für die nächste Spielzeit vor. Und so viel kann bereits gesagt werden: Nichts deutet darauf hin, dass die neue Harmonie dann Schaden nehmen könnte.

Von Rolf Lorig

Intendant Manfred Langner päsentiert mit seinem Leitungsteam das programm der kommenden Spielzeit. Fotos: Rolf Lorig

Politisch korrekt

Der äußere Rahmen war gut gewählt für die Pressekonferenz: Die Medienvertreter saßen mitten in der Kulisse des Schauspiels “Politisch korrekt”. Und konnten gleich miterleben, wie politisch korrekt auch die geplante Pressekonferenz über die Bühne ging: Erst verschwand das Namensschild von Oberbürgermeister Wolfram Leibe auf dem Podium. Später auch das von Kulturdezernent Thomas Schmitt. Beide Kommunalpolitiker waren zwar anwesend, sahen ihren Patz aber eher im Publikum. Schmitt brachte es auf den Punkt: “Wir sehen unsere Aufgabe darin, der Theaterleitung den Rücken freizuhalten. Das neue Programm ist eine künstlerische Entscheidung, da bleiben wir im Publikum.” Wie gesagt: politisch korrekt…

Manfred Langner und sein Team haben alles richtig gemacht

Die Entscheidung wird den Politiken aber auch deshalb leichtgefallen sein, weil Intendant Langner und sein Team bislang alles richtiggemacht haben. Mit Langner hat ein neuer Geist Einzug gehalten: “Bei uns wird nicht gestritten, wohl aber diskutiert”, meinte er bei der Vorstellung. Und keiner der anwesenden Schauspieler, Sänger und Mitarbeiter verdrehte die Augen. Das war ebenfalls nicht immer so…

Jean-Claude Berutti

Operndirektor Jean-Claude Berutti machte mit dem Musiktheater den Aufschlag. Und bewies in der Folge, dass man sich am Theater nicht nur in der Komfortzone nach dem Muster “Allen Wohl und niemandem Weh” ausruhen möchte. Berrutti kündigte “fünf Premieren, jedoch aber sieben Meisterwerke” an. Wie das geht? “Verrückt vor Liebe” ist der Premierenabend am 30. Mai des kommenden Jahres überschrieben. Ein Motto für einen Abend, der der gleich zwei Opern (“Pygmalion” und “Meister Pedros Puppenspiel”) sowie eine dramatische Kantate (Phädra op. 93) für die Besucher bereithält. Da scheint das Nitzsche Zitat “Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe” nicht ganz unberechtigt…

Neben diesem Experiment setzt Berutti auf Altbewährtes: Mozart, Offenbach, Puccini, Strauss – die Theaterbesucher werden das Programm studieren und lieben. Da sollte nichts schiefgehen.

Die gemeinsame Anstrengung zum Wohle des Theaters unterstreicht Generalmusikdirektor (GMD) Jochem Hochstenbach. Gänzlich unprätentiös hat der Chefdirigent gleich zwei seiner Vorgänger in das kommende Programm eingebunden. Beim “Mixed-Zone” Konzertabend am 24. Oktober 2019 können sich die Trierer Musikfreunde auf ein Wiedersehen mit Victor Puhl freuen. Er dirigiert das Philharmonische Orchester der Stadt Trier beim gemeinsamen Auftritt mit “Maria Markesini & Klazz Brothers”. Das zweite Wiedersehen steht am 14. Mai 2020 beim 7. Sinfoniekonzert der Spielzeit auf dem Programm: István Dénes, Puhls Vorgänger als GMD, dirigiert an diesem Abend Werke von Johannes Brahms, Franz Liszt und Ralph Vaughan Williams. Und auch Sibelius hat Hochstenbach für den 4. März des kommenden Jahres ins Programm genommen. Allerdings den großen Sibelius, der auf den Vornamen Jean hörte…

Jochem Hochstenbach

Ein Wiedersehen mit Vasiliki Roussi 

Stichwort Wiedersehen: Vasiliki Roussi ist in der laufenden Spielzeit einer der Lieblinge des Trierer Publikums. Beispielsweise in der Rolle der “Edith Piaf”. Für Intendant Langner ist das ein Stück, “das wir ewig weiterspielen könnten”. An diesem Wochenende aber stand die Piaf zum letzten Mal in dieser Spielzeit auf dem Programm. In der “Mixed Zone”-Reihe kommt Roussi aber noch einmal zurück nach Trier. Und zwar am 4. Juni in die Europahalle, wenn es dort heißt: “Willkommen, Bienvenue, Welcome”. Nach dem grandiosen Erfolg in dieser Spielzeit werden dann noch einmal die großen Hits der Piaf unter der Mitwirkung des Philharmonischen Orchester, das dann von GMD Hochstenbach dirigiert wird, ertönen.

Ganz besonders freut sich Jochem Hochstenbach auf die Konzertveranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen des Philharmonischen Orchesters der Stadt Trier. Diese Reihe umfasst vier Konzerte und beginnt am 20. Oktober in diesem Jahr mit dem Familienkonzert “Das gestohlene Lied” um 11 Uhr im Theater Trier. Am selben Tag und am selben Ort erklingt um 18 Uhr ein Violinkonzert von Sebastian Schwab und Mozarts “Jupiter-Sinfonie”.

Weiter geht die Reihe am 24. Oktober mit dem bereits angesprochenen “Mixed Zone”-Konzert mit “Maria Karkesini & Klazz Brothers” in der Europahalle und endet mit dem Festkonzert am 27. Oktober um 20 Uhr in St. Maximin, bei dem Anton Bruckners 7. Sinfonie unter der Leitung von GMD Hochstenbach zur Aufführung gelangen wird.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Reihe der “Concert Lounges” ebenso fortgeführt wird wie “Klassik um 11” sowie die  Familien- und Kammerkonzerte. Zudem wird Chordirektor Martin Folz auch ein eigenes Chorkonzert leiten. Und im “Tier von Trier” (1. Dezember 2019) kommen Jugendliche mit Orchestermusik in Berührung. Hierbei handelt es sich um ein Projekt, das vom Bundes-Programm “”Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland” gefördert wird.

Roberto Scafati

Roberto Scafati setzt auf Emotionen

Und was gibt es in der kommenden Spielzeit Neues beim Ballett? So wie sein Kollege Berutti setzt auch Ballettdirektor Roberto Scafati auf Emotionen. Dafür steht neben den Neuaufführungen von “Dornröschen”, “Zorbas” und “Die Reise in die Hoffnung” der Ballett-Doppelabend am 12. Oktober 2019. Hier wird es gleich zwei Glanzlichter − “Carmen” von Georges Bizet und Ravels “Bolero” – geben. Zusammen mit dem Choreographen Mauro Astolfi  wird Scafati am 14. März “Rituale” pflegen und dem Publikum gleich zwei Uraufführungen bescheren. Neu in der Ballettreihe aufgenommen wurde der Programmpunkt “Junge Choreographen”. Diese jungen Künstler, die vor dem Start auf das internationale Parkett stehen, präsentieren hier in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Stuttgarter Solo Tanztheater Wettbewerb, bei dem Roberto Scafati als Mitglied der Jury fungiert, ihre eigene künstlerische Handschrift.

Womit sich an dieser Stelle der Blick auf das Schauspiel, die Domäne von Intendant Manfred Langner, richtet. Auch hier gilt: Bewährtes neben Neuem. Fangen wir mit dem Neuen an: Nicht nur Intendant Manfred Langner ärgert sich maßlos über den neu aufkommenden Antisemitismus. Als Künstler setzt er dem im kommenden Frühjahr beim Jugendtheater die Aufführung von Charles Lewinskys “Ein ganz gewöhnlicher Jude” entgegen. Lewinsky setzt sich in diesem Monolog fesselnd mit dem Thema “Jude sein in Deutschland” auseinander und hinterfragt den alltäglichen Umgang mit der deutschen Geschichte und deren Umgang mit Juden und anderen religiösen Minderheiten.

Garanten für den Erfolg dürften die Aufführungen von “Endstation Sehnsucht” von Tennessee Williams (25. April 2020), Shakespeares “Was ihr wollt” (2. Juli 2020) und “Nathan der Weise” am 27. September 2019 sein. Neue Wege geht das Schauspiel “Rain Man” (Inszenierung: Alexandra Marisa Wilcke), dessen Verfilmung gefühlt schon jeder gesehen hat. Angst davor aber hat Intendant Langner nicht: “Das Schauspiel wird noch besser, da viel eindringlicher”, zeigt er sich überzeugt. Könnte klappen, denn den Rain Man wird der in Trier sehr beliebte Klaus-Michael Nix, ein Mann für schwierige Charakterrollen, geben.

Intendant Manfred Langner hat auch für die kommende Spielzeit einen überzeugenden Mix zusammengestellt

“Trier und die Zwanziger Jahre”

Während alle Welt über “Babylon Berlin” und dessen Tanz auf dem Vulkan jubelt, lädt der Intendant höchstselbst am 7. Dezember 2019 ebenfalls zu einem “Tanz auf dem Vulkan” ein. Allerdings geht es hier um “Trier und die Zwanziger Jahre”. Ein Stück, das nach Meinung Langners “nicht nur eine Rückbetrachtung ist sondern auch sehr viel über die Zwanziger erzählt, die gerade auf uns zukommen”.

Nicht nur Kinder und Jugendliche werden sich auf die Premiere von “Oliver!” freuen, die für den 15. Februar auf dem Spielplan steht. Das Musical, frei nach Charles Dickens’ “Oliver Twist” gibt dem Kinder- und Jugendchor, in dem rund 80 Jugendliche mitwirken, von Chordirektor Martin Folz Gelegenheit, neben dem Schauspiel-Ensemble sein Können zu beweisen.

In Zusammenarbeit mit der Landesbühne Rheinland-Pfalz, Schlosstheater Neuwied, kommt am 4. September 2019 das Schauspiel “Black Bird” in einer Inszenierung von Manfred Langner zur Aufführung. Hier geht es um den Missbrauch und dessen späteren Folgen. Ein wenig unterhaltsames Thema, das den Zuschauer aber ganz subtil mit den Auswirkungen menschlichen Handelns konfrontiert.

Gute Unterhaltung verspricht “Marlene”, obwohl die von der britischen Autorin Pam Gems – sie hat auch die Musik zu dem Schauspiel geschrieben − niedergeschriebene Lebensgeschichte der Marlene Dietrich gewiss auch nicht in allen Punkten als leichte Kost gesehen werden kann. Dass diese Aufführung (Premiere am 1. Februar 2020 in der Europäischen Kunstakademie) wieder ein Publikumsliebling werden wird, daran ist nicht zu zweifeln. Nicht zuletzt deshalb, weil das Publikum solche Geschichten liebt…

Und es tut sich im Schauspiel noch Einiges mehr. Neben weiteren Premieren werden auch bewährte Produktionen erneut zu sehen sein: “Monsieur Ibrahim”, “Sechs Tanzstunden in sechs Wochen”, “Amore, Amore, Amore” und auch “Das kunstseidene Mädchen”.

Logisch, dass auch das Kinder-Theater mit seinen Märchen wieder groß aufspielen und dass auch das Bürger-Theater, bei dem Nina Dudek und Stephan Vanecek die Nachfolge von Marc-Bernhard Gleißner antreten, wieder kräftig mitmischen wird. Und wer neue Menschen kennlernen möchte, auch dem kann mit einem Theaterbesuch geholfen werden: Bei den “Blind Date-Abos” werden die Sitznachbarn per Auslosung festgelegt. Man sieht: Es tut sich was im Theater Trier…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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